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Rheurdt
Tierschützer kritisieren Hubertusmesse

Rheurdt: Tierschützer kritisieren Hubertusmesse
Pfarrer Norbert Derrix bei einer der Hubertusmessen in der Schaephuysener Kirche, die nach dem Heiligen benannt wurde. Waidmännische Dekoration und Hörnerklang gehören traditionell dazu. Pfarrer Norbert Derrix bei einer der Hubertusmessen in der Schaephuysener Kirche, die nach dem Heiligen benannt wurde. Waidmännische Dekoration und Hörnerklang gehören traditionell dazu. FOTO: Kress
Rheurdt. In Schaephuysen wird der Patron der Jagd am Sonntag in der Kirche geehrt. Kritiker sehen darin einen Segen für das Töten von Tieren. Von Stefan Gilsbach

Heute feiert die katholische Kirche das Fest des Heiligen Hubertus. Dieser gilt unter anderem als Schutzpatron der Jagd. In vielen Kirchen finden zu diesem Anlass Hubertusmessen statt, die oft von Jagdhornbläsern musikalisch gestaltet werden. Auch in der Schaephuysener Kirche gibt es am Wochenende eine solche Messe, die traditionell gut besucht ist. In diesem Jahr sind das Bläsercorps "Kempener Land" und der MGV "Cäcilia 1859" Schaephuysen dabei.

Eine Legende verknüpft den Heiligen mit dem Thema Jagd. Hubertus, der um das Jahr 700 im heutigen Belgien lebte, wollte eines Tages im Wald einen Hirsch schießen. Zwischen dessen Geweihsprossen erschien ihm plötzlich ein Kruzifix. Hubertus bekehrte sich daraufhin zum Christentum und wurde später Bischof von Lüttich.

Allerdings rufen die Hubertusmessen mittlerweile Kritiker auf den Plan. Der Deutsche Tierschutzbund hat zum diesjährigen Hubertustag eine öffentliche Kampagne gestartet, in der die Verquickung von Gottesdienst und Jagdbrauchtum attackiert wird. Faktisch, so heißt es in der Pressemitteilung des Vereins, seien die Hubertusmessen ein "kirchlicher Segen für das Töten von Millionen Wildtieren".

Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, wird wie folgt zitiert: "Dass die Kirchen hier immer noch im wahrsten Sinne des Wortes ,Schützenhilfe' leisten und das jagdliche Treiben auf diese Weise billigen, ist nicht hinnehmbar." Im Folgenden führt Schröder aus, dass nicht nur Wildtiere unter den Hobby-Jägern leiden müssten, sondern jedes Jahr auch eine große Zahl an Hunden und Katzen den Grünröcken zum Opfer falle.

Auch die internationale Tierrechtsorganisation PETA (People for the ethical treatment of animals, Menschen für ethischen Umgang mit Tieren") hat die deutschen Hubertusmessen mittlerweile ins Visier genommen. "Kirchlicher Segen für Jäger ist Heuchelei, weil dies der Ehrfurcht vor dem Leben widerspricht. Den Jägern geht es hauptsächlich um die Lust am Töten und den Trophäenkult", heißt es in einem PETA-Text im vergangenen Jahr, der anlässlich des Hubertustages bundesweit publiziert wurde.

Pfarrer Norbert Derrix, der seit Jahren die Hubertusmessen in Schaephuysen zelebriert, verteidigt diesen Brauch. "Zunächst einmal ist unsere Kirche in Schaephuysen nach dem Heiligen Hubertus benannt, schon das verpflichtet", meint er. Es gehe hauptsächlich um die Feier des Kirchenpatrons und erst in zweiter um die Jagd. Dass die Kirche waidmännisch dekoriert sei und die Jagdhornbläser spielten, gehöre dazu. Übrigens sei Hubertus nicht allein Patron der Jäger, gibt Derrix zu denken. Tatsächlich ist er auch zuständig für Optiker, Mathematiker, Kürschner und für alle, die mit Metall arbeiten.

"Beim Thema Jagd sehe ich in erster Linie die Aufgabe der Hege", sagt der Pfarrer der Gemeinde St. Martinus Rheurdt, zu der auch der Sprengel St. Hubertus in Schaephuysen gehört. "Keineswegs würde ich Auswüchse des Jagdwesens damit entschuldigen." Auch sei er keineswegs ein Gegner des Tierschutzes. "Wenn es um solche Themen wie die Massentierhaltung geht, dann finde ich den Einsatz der Tierschützer völlig gerechtfertigt."

Die Hubertusmesse in Schaephuysen findet am Sonntag, 6. November, um 11 Uhr in der Kirche St. Hubertus im Ortskern statt. Es handelt sich um eine Benefiz-Veranstaltung, der Erlös soll zur Renovierung der Orgel verwendet werden.

Quelle: RP
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