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Moers
"Tischlein deck dich" will gelernt sein

Moers. Das bisschen Haushalt macht sich von allein – sagt zwar mancher Mann, aber gastronomische Präzisionsarbeit ist vielmehr als ein Fingerschnipp a la Tischlein deck dich. Davon konnten sich die Juroren von IHK und CJD im Restaurant "Schacht V" an der Wittfeldstraße überzeugen. Angehende Fachkräfte fürs Gastronomiegewerbe der Christlichen Jugenddörfern (CJD) aus dem gesamten Bundesgebiet stellten ihr Können beim Bundesausscheid "Berufswettbewerb Gastgewerbe" zur Schau – und das im wahrsten Wortsinne. Von Tobias Schwerdtfeger

Welche Serviettenform passt?

Die Aufgabe: Ein Tisch für Vier bitte – Zu einer vorgegebenen Menüfolge sollte eine Tafel mitsamt Besteck und Deko eingedeckt werden. Was einfach klingt, ist eine echte Herausforderung. Welcher Löffel wird zum Schrimpscocktail gereicht und welche Serviettenform passt zur Feierlichkeit des Dinners? Angelina Kudaka (19) aus Moers war eine der Teilnehmerinnen, die sich in Regionalwettbewerben gegen zahlreiche Konkurrenz durchgesetzt hatte. Nervös war sie schon ein bisschen, sagt sie. Als sie dann aber mit der Arbeit anfing, setzte die Routine von nunmehr zwei Jahren Ausbildung ein. "Im Sommer habe ich die Abschlussprüfung. Das ist eine gute Möglichkeit zum Üben unter Prüfungsbedingungen", sagt die Moerserin, deren Tisch nahezu fehlerfrei eingedeckt war.

Auch das Blumengesteck habe sie selbst gemacht, verrät sie. Neben dem Eindecken des Tisches steht sie für ihre Gäste während des Essens als Servicekraft zur Verfügung. Sie serviert, berät bei der Wahl des Weines und sorgt für einen angenehmen Aufenthalt. Wein trinke sie zwar nicht, aber ein anderer Teil ihrer Arbeit ist ihr schon ins Blut übergegangen und verfolgt sie bis zu Hause: "Ich falte leidenschaftlich gerne Servietten", schmunzelt sie. Bei der richtigen Wahl der Löffel und Messer ist aber noch lange nicht Schluss: "Der Gesamteindruck des Tisches muss stimmen. Farben, Formen und symmetrische Anordnung müssen passen", verrät Ralf Frickel, Ausbildungsleiter des CJD in Gera.

Er war mit einem Schützling beim jährlichen Wettbewerb, den im Vorjahr auch eine Moerserin souverän gewann, vertreten und durfte daher nur zuschauen und nicht bewerten. Neben dem genauen Blick fürs Detail haben die Auszubildenden eines gemeinsam: Alle Teilnehmer sind lernbehindert und haben den Ausbildungsplatz über die Arbeitsagentur vermittelt bekommen. Werkstattleiterin Claudia Hüffken-Nutt ist begeistert von ihren derzeit neun Azubis. "Die Lokale aus der Region fragen ständig nach neuem, gut ausgebildeten Personal", verrät sie. Die Prognosen stehen gut, nach einer Ausbildung beim CJD einen Job zu bekommen. Zwei ihrer ehemaligen Azubis hat sie im Restaurant frisch eingestellt. Übrigens: Das Essen für den simulierten Prüfungstag kommt aus der CJD-Küche. Dort standen 40 Kochazubis und Küchenhelfer an der Pfanne und unterstützten ihre Kollegen vom Service kulinarisch.

Quelle: RP
 
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