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Moers
Trotzburg sucht wieder neuen Pächter

Moers: Trotzburg sucht wieder neuen Pächter
Der alte Inhaber und Wirt, Jürgen Dirksen (links), und der neue Wirt der Trotzburg, Iwan Vojkovic. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Der letzte Wirt des Moerser Traditionsrestaurants Trotzburg hat nur gut ein Jahr lang durchgehalten. Jetzt sucht Inhaber und Ex-Wirt Jürgen Dirksen schon wieder nach einem Nachfolger. Von Jürgen Stock

Für Jürgen Dirksen ist die Trotzburg nicht irgendein Lokal, das Moerser Traditionsrestaurant ist Teil seines Lebens. Immer noch, muss man sagen. Eigentlich hatte der 69-jährige, dessen Familie die Trotzburg über vier Generationen hinweg aufgebaut hatte, gehofft, das Kapitel abschließen zu können, als er im vergangenen Juni nach über einem Jahr Suche endlich einen Pächter für das Haus gefunden hatte, das Dirksen und seine Frau über viele Jahre hinweg selbst geführt hatten. Und dann das: "Am vergangenen Donnerstag hat mir Herr Vojkovic gesagt, dass er ab Freitag nicht mehr kommen werde", berichtet Dirksen.

Dabei war Ivan Vojkovic, Gastronom aus Duisburg, so etwas wie ein Hoffnungsträger für die zwar altehrwürdige, aber auch etwas verstaubte Trotzburg. Dirksen hatte lange nach einem wie ihm gesucht: jemandem, der zwar neuen Schwung in den Laden bringt, aber auch die Stammkundschaft nicht vergrault.

Das schien zunächst auch gut zu funktionieren. Mit einigen wenigen gestalterischen Tricks verwandelte Vojkovic die dunklen Stuben in helle Räume mit deutlich höherer Aufenthaltsqualität. Allerdings merkte der neue Wirt schon kurz nach der Eröffnung, dass die oft schon betagten Stammgäste an jahrzehntealten Gewohnheiten auf der Speisekarte hingen.

FOTO: Dieker Klaus

Vojkovic wollte gehobene Küche zu fairen Preisen bieten - und verhob sich dabei. Ein Dry-Aged-Steak oder ein aus dem ganzen Stück geschnittenes Steinbeißer-Filet kostet selbst zu einem fairen Preis sein Geld - jedenfalls mehr als der Liebhaber gutbürgerlicher Küche für gewöhnlich zu zahlen bereit ist.

Trotzdem hätte das Projekt gutgehen können. Eine Zeit lang war das Restaurant gut gefüllt. Die Moerser Rotarier verlegten sogar ihren Stammtisch in die Trotzburg. Aber dann liefen eine Reihe von Dingen, nun, sagen wir suboptimal. Vojkovic verkrachte sich mit seinem Koch. Nach einiger Zeit vermissten Gäste die Präsenz des neuen Wirtes, der sich auch noch um zwei Betriebe in Duisburg zu kümmern hatte. Schließlich gab es auch noch einen Wasserschaden. "Das war wirklich Pech", sagt Dirksen.

Am Donnerstag habe es noch eine Feier des Museums in der Trotzburg gegeben, Freitag war das Restaurant bereits zu. Angekündigt hatte sich das Ende bereits Tage zuvor. Da trafen Gäste abends nur noch eine Aushilfe im Restaurant an, die nur wusste, dass der Chef nicht da sein, aber keine Ahnung habe, wann er wieder zu sprechen sei.

Trotz schriftlicher und mündlicher Anfrage gelang es nicht, von Vojkovic eine eigene Einschätzung über die Gründe seines Scheiterns zu bekommen. "Tut mir, leid, ich habe sehr viel zu tun", sagte er, als wir ihn telefonisch in seinem Restaurant an der Wedau erreichten. Nun sucht Dirksen wieder einen neuen Pächter. "Am liebsten jemanden, der deutsche Küche anbietet. Das fehlt hier in Moers", sagt Dirksen. Er selbst werde es auf jeden Fall nicht mehr sein. Das verbiete auch sein angeschlagener Gesundheitszustand. Der Auftrag an den Makler sei schon erteilt.

Leicht wird es nicht werden, jemanden zu finden, der das Erbe von Jürgen Dirksen fortsetzt. Moerser sollten ihm die Daumen drücken.

Quelle: RP
 
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