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Moers
Trotzburg: Tradition mit Bio-Fleisch

Moers. Ein Vierteljahr nach der Übernahme des Moerser Gasthauses blickt der neue Trotzburg-Wirt Ivan Vojkovic optimistisch auf das Wintergeschäft. Die meisten Gäste haben bislang positiv auf die Neuausrichtung des Restaurants reagiert. Von Jürgen Stock

Das Viech in der Küche der Moerser Trotzburg sieht zum Fürchten aus. Ein riesiger Kopf mit rasiermesserscharfen Zähnen. Man ahnt, warum das Schuppentier "Seeteufel" heißt. "Die meisten Gastronomen in Moers, die "Seeteufel" auf der Speisekarte stehen haben, beziehen den Fisch als Filet. Ich dagegen lasse mir jeden Freitag einen ganzen Großfisch aus Venlo kommen", berichtet Ivan Vojkovic, der im Sommer das Moerser Traditions-Gasthaus von dem Besitzer und langjährigen Betreiber Jürgen Dirksen übernommen hatte.

Der Fisch ist Symbol für einen neuen Wind, der in die altehrwürdigen Gemäuer der im Jahre 1893 erbauten Trotzburg eingezogen ist. Leicht war Dirksen der Abschied nicht gefallen. Immerhin hatte er das Haus in der vierten Generation geführt und sich einen entsprechend gesetzten Gästestamm aufgebaut. Jahrelang hatte der Moerser nach einem Nachfolger gesucht, aber niemanden gefunden, der seinen hohen Ansprüchen genügte. Er wollte nicht ein x-beliebiges Steakhaus in seiner Trotzburg haben, sondern jemanden, der das Haus im alten Geiste weiterführen würde.

Nach den ersten Monaten der neuen Trotzburg ist klar, dass Dirksen mit dem Duisburger Vojkovic den richtigen Mann gefunden hat, der in der Lage ist, eines der Flaggschiffe der Moerser Gastronomie auch langfristig auf Kurs zu halten. Ob das immer ganz im Sinne des Vorgängers war, darf indes bezweifelt werden. "Das Konzept der alten Trotzburg war einfach in die Jahre gekommen", berichtet Vujkovic. Auch er fühlt sich wie Dirksen dem Bestreben nach Qualität verpflichtet, der immer stolz auf seine gut-bürgerliche Küche war. Das ist Vujkovic auch, dessen Küchenchef Uwe Reinberger mit schöner Selbstverständlichkeit Rinderrouladen, Königsberger Klopse und Sauerbraten zu zaubern versteht, wobei die Betonung in der neuen Trotzburg vielleicht etwas stärker auf "gut" denn auf "bürgerlich" setzt.

Es wird spannend sein, wie Vojkovic, der selbst in eine Gastronomenfamilie hineingeboren wurde und das Geschäft von der Pike auf lernte, den Spagat zwischen den Polen schaffen wird. Denn er muss einerseits die alten und oft genug auch betagten Moerser als Gäste behalten, anderseits aber auch zahlungskräftiges Jungvolk als Klientel zu gewinnen.

Das Ambiente der Gasträume versucht jedenfalls einen Kompromiss zwischen Tradition und Moderne. Was sofort beim Hereinkommen auffällt: Das gesamte Lokal mit seinen rund 100 Plätzen wirkt viel heller. "Viele Gäste denken, ich hätte neue Fenster eingesetzt", berichtet Vojkovic. "Tatsächlich habe ich aber nur die alten Gardinen weggenommen. Da, wo im Eingangsbereich früher der Spiegel mit Goldbrokat-Umrandung hing, weist jetzt eine zwei Meter hohe Schiefertafel auf die Spezialitäten des Tages hin. "Den Spiegel habe ich einfach hinter der Tafel hängen lassen", sagt Vujkovic.

Sogar das Mobiliar ist teilweise erhalten geblieben. Auf die Tische in der "Grafschafter Stube" ließ Vojkovic einfach neue Tischplatten anbringen. Und auch den Kamin müssen die Fans der alten Trotzburg nicht missen. "An Wintertagen werden wir an jedem Abend ein offenes Feuer haben", verspricht der Hausherr.

Die größten Umstellungen aber gibt es trotz Rouladen und Klöpsen bei dem, was auf den Tellern landet. Das ist zwar weit entfernt von jenem Koch-Schicki-Micki, der Vorgänger Dirksen so verhasst war, aber doch ein ordentliches Stück zeitgeistiger als die Braten von gestern. Das hat Vojkovic gelegentlich auch den einen oder anderen Stammgast gekostet. Mit einer Mischung aus Bedauern und Amusement erinnert sich der neue Trotzburg-Wirt noch an die Auseinandersetzung mit einem Damen-Kränzchen, das partout auf seinem gewohnten "Toast mit mildem Räucherlachs" bestand. Der Wirt blieb hart und die Damen schließlich weg.

Dafür hat die Küche inzwischen unter Steak-Liebhabern einen guten Ruf. Das Fleisch in der Trotzburg stammt vom Natur-Verbund in Wachtendonk. Das Rindfleisch reift schließlich im hauseigenen Dry-Age Verbund. Zum Thema "Lamm" fällt Uwe Reinberger ein auf hiesigen Tellern in dieser Form seltener Tafelspitz ein. Das Gemüse bezieht die Küche von bekannten Landwirten in Kranenburg. Und auf der täglich wechselnden Mittagskarte gibt es für 6,50 Euro alternativ immer auch ein vegetarisches Gericht.

www.tafeley-trotzburg.de Tel. 02841 16999 80

Quelle: RP
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