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Moers
Unsere Woche: Lasst es Licht werden!

Moers. Die Mitglieder des Enni- Verwaltungsrates werden am Montag über die Bilanz zur Nachtabschaltung beraten, die das Unternehmen in dieser Woche veröffentlicht hat.

Seit dem Beginn der Diskussion um die Nachtabschaltung der Straßenlaternen habe ich eher zu denen gehört, die ähnlich wie die Mehrheit im Moerser Rat argumentierten: Die Nachtabschaltung ist für eine Probephase sinnvoll, weil die Stadt jede Möglichkeit nutzen muss, Geld zu sparen. Im Vergleich zu dieser nüchternen Überlegung erschienen mir die Argumente der Nachtabschaltungsgegner emotional aufgeladen und ohne zureichenden Bezug zur Realität. Nun liegen die ersten Zahlen vor, die eigentlich die Position der Nachtabschaltungsbefürworter bestätigen sollten: Tatsächlich lässt sich - was allerdings auch nie ernsthaft bezweifelt worden war - Geld sparen, wenn man die Lampen auslässt, statt sie anzuschalten. Genau 93.000 Euro hat die Stadt dadurch im vergangenen Jahr weniger ausgegeben.

Trotzdem habe ich nun die Seiten im Streit gewechselt. Inzwischen neige ich eher zu der Auffassung, dass die Nachtabschaltung unter dem Strich, trotz des scheinbaren Erfolges, für die Stadt schädlich ist. Das hat mehrere Gründe: Schon die 93.000 Euro sind weniger Einsparung, als die Enni prognostiziert hatte. Und mit dem Einsatz von LED-Technik und dem weiteren Rückgang der Strompreise wird sich der Spareffekt weiter verringern.

Zudem ist nicht zu übersehen, dass das subjektive Bedrohungsgefühl bei den Bürgern, insbesondere bei Frauen, zugenommen hat. Auslöser dafür sind einige brutale nächtliche Überfälle, aber auch ein deutliches Ansteigen der Einbruchs- und Pkw-Kriminalität in Moers. Es fällt schon auf, dass die Stadt davon stärker betroffen ist als umliegende Kommunen, die keine Nachtabschaltung haben. Das ist für Statistiker und Kriminalisten alles andere als ein Beweis: Das subjektive Bedrohungsgefühl auf finsteren Straßen ist aber nicht durch Statistik-Regeln aus der Welt zu schaffen.

Drittens ist es keinem Bürger zu vermitteln, dass es möglich ist, eben mal mehr als eine halbe Million Euro für die Ausrichtung des Moers-Festivals 2016 zuzuschießen, aber kein Geld für die nächtliche Beleuchtung übrig zu haben. Bei diesem Ungleichgewicht laufen die politisch Handelnden Gefahr, sich komplett von der Stimmungslage in der Bürgerschaft zu lösen, wenn sie nicht bald die Lichter wieder anschalten lassen. Hinzu kommt die Wirkung nach außen: Die Großstadt Moers macht sich lächerlich, wenn hier um eins die Lichter ausgehen.

Auch wenn ich mich in Moers nachts sicher fühle, sage ich deshalb: Schaltet die Laternen an!

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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