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Moers
Utforter: "Diese Linden rauben uns das Licht"

Moers: Utforter: "Diese Linden rauben uns das Licht"
Klaus und Ingrid Weißenborn in ihrem Gärtchen, das wegen der beiden Linden im Hintergrund fast durchgängig im Schatten liegt. Das Foto entstand vormittags gegen 10.30 Uhr. FOTO: pogo
Moers. Weil die Stadt vor Jahren Birken durch Linden ersetzt hat, fristen Klaus und Ingrid Weißenborn auf ihrer Terrasse ein Schattendasein. Von Josef Pogorzalek

Klaus und Ingrid Weißenborn leben in einem Reihenhaus in Utfort. Sie haben einen kleinen Garten und eine nach Südwesten ausgerichtete Terrasse. Eine Freude muss es sein, hier an einem schönen Tag in der Sonne zu sitzen. Das Vergnügen wird aber getrübt. "Nur eine Stunde am Tag haben wir Sonnenlicht", sagt Klaus Weißenborn. Grund sind zwei mächtige Linden an der Merowinger Straße, an die der Garten grenzt. Seit Jahren streitet der Utforter mit der Stadt über die Bäume. Nicht, dass sie abgeholzt werden müssten. "Richtig ausdünnen würde uns schon helfen."

Als die Familie das Haus 1975 erwarb, standen an der Straße Birken. "Die waren kleiner und transparenter", sagt Weißenborn. Später ersetzte die Stadt die Birken durch Linden. Deren dichte Kronen spenden nicht nur viel Schatten. Die Äste ragen in den Garten, je nach Jahreszeit schneit es Blüten und Blätter, und alles klebt vom "Honigtau" der Linden. Auch die Nachbarn der Weißenborns seien Leidtragende, während andere Anwohner besser dran seien: Deren Gärten grenzten nicht an die Straße.

Nach Ansicht der Stadt schneidet die Enni die Linden bereits auf ein vertretbares Maß zurück. Weitere Eingriffe würden den Bäumen schaden, sagte Jürgen Sommerfeld vom Fachdienst Grünflächen im Ausschuss für Bürgeranträge, an den sich Weißenborn gewandt hat. Die Linden seien Teil einer "wichtigen Allee". Und: "Jeder Bürger, der im Umfeld Bäume hat, hat eine gewisse Last für die Allgemeinheit zu tragen." Gabriele Hemkens (CDU) sprach dagegen von einem Planungsfehler der Stadt. Hartmut Hohmann (SPD) schlug vor, auf das Pflanzen von Linden künftig zu verzichten. Weißenborn zuzustimmen scheuten sich die Politiker aber, denn dann könnten auch andere Moerser, die sich über Linden ärgern, Ansprüche stellen.

Die Stadt hat Weißenborn angeboten, die Linden auf eigene Rechnung stutzen zu lassen - allerdings um maximal zehn Prozent. Erstens wäre dies zu wenig, sagt der Utforter. Und zweitens: "Wir sind Steuerzahler. Sollen wir demnächst auch Schlaglöcher in den Straßen selbst reparieren?" Offenbar scheuen Stadt und Enni ein Ausdünnen der Linden auch aus Geldgründen. Die Bäume würden anschließend umso heftiger austreiben, erklärte Jürgen Sommerfeld im Ausschuss. Dann müssten sie immer wieder geschnitten werden. Klaus Weißenborn hofft, dass die Politik ihm doch noch hilft. Auch in seinem Wohnzimmer sei es wegen der Linden viel zu finster. "Ohne Sonne kein Leben", sagt der 79-Jährige. "Und wir wollen noch ein bisschen leben."

Quelle: RP
 
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