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Moers
VHS-Workshop gegen den Islamismus

Moers: VHS-Workshop gegen den Islamismus
Radikale Salafisten verteilen den Koran und stellen so den Kontakt zu jungen Menschen her, die sich manchmal radikalisieren. archivfoto: dpa FOTO: Julian Stratenschulte
Moers. Was tun, wenn Jugendliche sich radikalisieren? Die Volkshochschule Moers-Kamp-Lintfort hat einen mehrtägigen Workshop entwickelt. Sie arbeitet mit dem Dinslakener Präventionsprojekt "Wegweiser" zusammen. Von Josef Pogorzalek

Gewaltbereiter Islamismus und Salafismus im Kreis Wesel: Viele denken dabei zunächst an die "Lohberger Brigade" aus Dinslaken. Es ist auch kein Zufall, dass Dinslaken Sitz einer Beratungsstelle des Projekts "Wegweiser" ist. Das NRW-Innenministerium hat das Präventionsprogramm angestoßen. In sieben Städten, zum Beispiel auch in Duisburg, Düsseldorf und Dortmund, finanziert es Beratungsstellen, an die sich Jugendliche selbst, aber auch besorgte Eltern, Lehrer oder Freunde wenden können. Weitere Anlaufstellen sind NRW-weit im Aufbau.

Mit der Dinslakener "Wegweiser"-Stelle und deren Träger, dem örtlichen Kinderschutzbund, arbeitet jetzt die VHS Moers-Kamp-Lintfort zusammen. Sie stellte gestern den mehrtägigen Workshop "Islamismusprävention - Multiplikatorenschulung" vor. Multiplikatoren sind Menschen, die eine Idee unterstützen und weitertragen.

Der Workshop richtet sich an Lehrer, Sport-Trainer, Sozialarbeiter und andere Menschen, die im Beruf oder in der Freizeit mit Jugendlichen zu tun haben. Vom 12. bis zum 16. Dezember erhalten sie eine Einführung in den Islam, lernen Präventionsprojekte und Fallbeispiele kennen und trainieren den Umgang mit Jugendlichen, die in den Islamismus abzugleiten drohen. "Man braucht Techniken, um als Vertrauensperson wahrgenommen zu werden", sagte ein "Wegweiser"-Mitarbeiter, der an dem VHS-Workshop in Moers mitwirkt.

Volker Grans, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds Dinslaken, lobte die Moerser Volkshochschule für ihre Initiative. "Moers ist ein Vorreiter im Kreis Wesel. Ich hoffe, dass andere Einrichtungen nachziehen." Und der anonym bleibende "Wegweiser"-Mitarbeiter betonte: "Wir sind nur eine Beratungsstelle. Wir brauchen viel, viel mehr Sensibilisierung."

Ein akutes Salafismus-Problem in Moers gebe es nicht, sagte Stadtsprecher Thorsten Schröder. Das habe eine Fachkonferenz im Mai gezeigt. "Es gibt aber immer ein gewisses Potenzial." Volker Grans unterstrich, dass nur wenige Mitglieder der 20- bis 25-köpfigen "Lohberger Brigade" aus Dinslaken stammten. "Die anderen kamen aus den Nachbarkommunen."

Grans berichtete, wie geschickt islamistische Extremisten ihren Nachwuchs ködern. "Die Werbevideos im Internet sind professionell gemacht. Sie sprechen die jungen Menschen sehr charismatisch an." Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sich als Verlierer betrachten, die keine Lebensperspektive sehen und sich diskriminiert fühlen, gehen den Fanatikern auf den Leim. Dabei seien die Probleme dieser Jugendlichen "oft weniger religiöser Art, sondern sozioökonomisch", sagte der "Wegweiser"-Mitarbeiter. Deshalb arbeitet "Wegweiser" mit einem Netz von Einrichtungen zusammen, die zum Beispiel Praktika oder Ausbildungsstellen vermitteln.

Der VHS-Workshop im Dezember ist als Bildungsurlaub konzipiert. Die Teilnehmer (bis zu zwölf Personen) können dafür Sonderurlaub beantragen.

Die Gebühr beträgt 200 Euro. Fragen beantwortet Fachbereichsleiter Jörg Büschgens unter 02841 201-969 oder per Mail, joerg.bueschgens@moers.de.

Die Wegweiser-Beratungsstelle ist unter 02064 6065880 erreichbar. Internet: www.wegweiser-kreis-wesel.de.

Quelle: RP
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