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Moers
Von der Hauptschule ins Berufsleben

Moers: Von der Hauptschule ins Berufsleben
Von links: Beratungslehrerin Anne Bongartz, Schulleiterin Claudia Corell, Yvonne Klimeck (Berufsberaterin der Agentur für Arbeit) sowie die Schüler und Schülerinnen Mehdi Reda, Zahra Taher, Mercy und Merit Elukama mit Petra Mertens (mit Sonnenbrille im Haar) in ihrer Mitte. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Seit 2009 gibt es die Berufseinstiegsbegleitung an der Justus-von-Liebig-Schule. Petra Mertens nimmt Jugendliche mit besonderen Problemen zweieinhalb Jahre lang an die Hand und führt sie in die Ausbildung - mit wachsendem Erfolg. Von Josef Pogorzalek

Mehdi Reda strahlt: Nach den Sommerferien tritt der 16-Jährige eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker im BMW-Autohaus Fett & Wirtz an. Ein bei jungen Männern gefragter Beruf, für den in der Regel die Mittlere Reife vorausgesetzt wird. "Ich hab' mit meinen Fähigkeiten überzeugt", sagt Mehdi, der "nur" einen Hauptschulabschluss hat, selbstbewusst. Ihm ist aber klar: Ohne Petra Mertens hätte er es kaum so weit gebracht. Sie ist eine von zwei Berufseinstiegsbegleiterinnen an der Justus-von-Liebig-Schule und hilft Jugendlichen beim Übergang ins Berufsleben.

Die Berufseinstiegsbegleitung ist ein Projekt der Agentur für Arbeit, das an sechs Haupt- und gesamtschulen im Kreis läuft. An der Justus-von Liebig-Hauptschule in Moers war es in diesem Jahr besonders erfolgreich: Mehdi gehört zu insgesamt elf von 17 Teilnehmern, die mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche von der Schule abgehen konnten. Seit 2009 ist Petra Mertens an der Schule, und der wachsende Erfolg der Berufseinstiegsbegleitung habe viel mit dieser Kontinuität zu tun, sagt Schulleiterin Claudia Corell: "Auch die jüngeren Schüler kennen sie. Die Bekanntheit schafft eine Grundlage für Vertrauen."

Die Berufseinstiegsbegleitung beginnt im neunten Schuljahr und richtet sich an Schüler mit besonderen Problemen, sei es sozialer, sprachlicher oder anderer Art. Die Pädagogen schlagen Schüler für das Projekt vor, die Teilnahme erfolgt aber auf freiwilliger Basis. Mit jedem einzelnen Mädchen und Jungen erkundet Petra Mertens individuelle Stärken und Schwächen, macht sich Gedanken über passende Berufe, vermittelt Praktika und (wo nötig) Nachhilfeunterricht, hilft beim Zusammenstellen von Bewerbungen, bereitet mit den Schülern Vorstellungsgespräche vor und begleitet die Jugendlichen dorthin.

Auch bei Eltern und Betrieben leistet sie Überzeugungsarbeit. Vielen Müttern und Vätern müsse erst klargemacht werden, dass auch der Hauptschulabschluss ein Einstieg ins Berufsleben sein kann. Und in Betrieben werbe sie dafür, sich auf Hauptschüler einzulassen. Vor allem bei Handwerksbetrieben gestalte sich das oft zäh. "Sie haben hohe Ansprüche." Aufgrund der Nachwuchssorgen im Handwerk registriere sie aber ein Umdenken. Das Engagement von Petra Mertens reicht mitunter bis ins Privatleben ihrer Schützlinge. Für manche sei sie eine Ersatzmutter und Kummerkastentante. Das persönliche Verhältnis zwischen ihr und den Jugendlichen hat viel Zeit zum Reifen, denn sie begleitet "ihre Kinder" (wie sie selbst sagt) nicht nur durch das neunte Schuljahr, sondern auch durch das zehnte und noch ein halbes Jahr über den Schulabschluss hinaus.

Mehdi, der früher unkonzentriert und unmotiviert war, sei durch die Zusammenarbeit mit Petra Mertens ruhig, fleißig und zuverlässig geworden, lobt Anne Bongartz, Beratungslehrerin an der Justus-von-Liebig-Schule. Auch seine Noten seien besser geworden. Der Ausbilder bei Fett & Wirtz sei schon während eines Praktikums von Mehdis Verantwortungsgefühl angetan gewesen. Weil der Schüler auch handwerkliches Geschick zeigte, so Petra Mertens, habe sich schnell abgezeichnet, dass er die Ausbildungsstelle kriegt. Und die anderen "Kinder" von Petra Mertens? Mercy Elukama (17) tritt am Berufskolleg eine schulische Ausbildung zur Sozialassistentin an, danach kann sie eine Krankenpflege-Ausbildung machen. Ihre Zwillingsschwester Merit wird Restaurantfachfrau im Baerler Hotel-Restaurant "Eurohof". Auch fast alle anderen sind "versorgt": Sie absolvieren Ausbildungen im Einzelhandel, Berufsvorbereitungsmaßnahmen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr im Seniorenheim mit Aussicht auf eine anschließende Lehrstelle. "Nur ein Mädchen habe ich kurz vor dem Ziel verloren", sagt Petra Mertens. Eine Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz in einer Bäckerei sicher hatte, sei schwanger geworden.

Quelle: RP
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