| 16.35 Uhr

Moers
Von der Kaisers Buche steht nur noch der kahle Torso

Die Kaisers Buche in Moers wird gefällt
Moers. Seit rund 500 Jahren hat sie ihren Platz am Heideweg. Doch heute endet ihre Ära. Die "Kaisers Buche" in Moers-Schwafheim muss nach etlichen Rettungsversuchen und harten Anstrengungen, den Baum doch noch am Leben zu halten, endgültig gefällt werden. Von Markus Plüm

Noch am frühen Morgen schwiegen die Motorsägen. Zunächst wurde routinemäßig geprüft, ob sich Fledermäuse in den Baum eingenistet haben. Als das ausgeschlossen worden war, sperrten Mitarbeiter des Baumpflegeunternehmens die Straße ab. Anwohner nutzten die letzte Chance für Erinnerungsfotos.

Dann ist es soweit: Die Sägen laufen und die ersten dicken Äste fallen zu Boden. Danach machen sich die Arbeiter an den lichteren Teil der Krone heran. In der Umgebung wackelt der Boden, sobald Holz aus dem Baum fällt und auf dem Gehweg aufschlägt. Daneben finden sich immer mehr Schaulustige ein, um der Buche die letzte Ehre zu erweisen.

Ein halbes Jahrtausend brauchte der Baum, um so majestätisch groß zu werden - sein Ende geht ganz schnell. Ast um Ast fällt, die Fachleute mit dem Steiger leisten ganze Arbeit. Die Buche wird schnell kahl. Die halbe Baumkrone ist bereits Geschichte, der Baum deutlich gekappt. Die ausführende Firma berät zwischendurch über das weitere Vorgehen, da durch die fallenden Äste auch Nachbargrundstücke betroffen sein könnten.

Ralf Keller, Chef der ausführenden Baumpflegefirma, gibt einen groben Überblick über die nächsten Schritte: "Jetzt stehen erst einmal nur Schnibbeleien an. Interessant wird es dann gegen Mittag", sagt er.

Die Fällarbeiten gehen unteressen zügig voran. Wie nötig die Fällung ist, zeigte sich allerdings auch schon. Kurz nachdem ein Halteseil im Bereich des Stammes entfernt wurde, gab ein Teil dessen sofort nach und brach ab.

Die Baumpfleger machen für heute Feierabend. Bis auf den Stamm und einige dicke Äste ist am Nachmittag die Rotbuche gefällt, nur noch der kahle Torso steht an seinem alten Platz. Morgen rücken die Experten wieder an und werden die Restarbeiten erledigen.

Seit 1988 versuchten Experten, das Flaggschiff unter den Naturdenkmälern im Kreis Wesel zu erhalten. Stützen und Drahtseile wurden angebracht, die Krone wurde gesichert, Äste mit technischen Hilfsmitteln vor dem Abbrechen bewahrt. Doch in den vergangenen Jahren veränderte sich der Zustand der fünftdicksten Buche Deutschlands mit zunehmender Geschwindigkeit. Schließlich bescheinigten Experten dem Baum keine weitere Überlebenschance.

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