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Moers
Vor 75 Jahren ermordet: Familien Leiss und Christen

Moers: Vor 75 Jahren ermordet: Familien Leiss und Christen
Links: Josefa Leiss (sitzend links), ihre Tochter Hanna, verheiratete Christen, stehend (von links) die Söhne Josef, Wenzel und Felix Leiss. Rechts unten: Vater Franz Leiss, der zum Zeitpunkt der Verhaftung bereits verstorben war. Rechts: "Stolpersteine" für die ebenfalls ermordeten Theodora und Marianne Leiss. Letztere war erst zwei Jahre alt. FOTO: NS-Dokumentationsstelle
Moers. Weil Wenzel Leiss an der Ostfront angeblich übergelaufen war, löschten die Nazis seine Familie aus.

Einem der brutalsten Verbrechen der NS-Zeit im damaligen Kreis Moers fielen die polnischstämmigen Familien Leiss und Christen vor genau 75 Jahren zum Opfer. An ihr Schicksal erinnerte gestern Bernhard Schmidt von der Moerser NS-Dokumentationsstelle.

Die beiden Familien lebten an der Augustastraße 2 in Moers und der Ruhrstraße 76 in Hochstraß. Unter Berufung auf das Terrorinstrument der "Sippenhaft" wurden am 2. Februar 1943 in Moers sieben Menschen, darunter zwei hochschwangere Frauen und die erst zweieinhalbjährige Marianne Leiss, abgeholt: Felix, Josef, Josefa, Marianne und Theodora Leiß, sowie Hanna und Wilhelm Christen. Zwei Tage später, am 4. Februar wurden sie im KZ Sachsenhausen ermordet. Ausgelöst wurde die Aktion der Krefelder Gestapo-Außenstelle in Moers durch das angebliche Überlaufen des Panzergrenadiers Wenzel Leiss an der Ostfront im Dezember 1942.

Die in der Presse reichsweit propagierte Überschrift "Polnische Verräterfamilie unschädlich gemacht" sollte als Warnung und Abschreckung wirken. Am 2. Februar hatte die deutsche Armee in Stalingrad kapituliert und damit die "Götterdämmerung" der NS-Gewaltigen eingeläutet. Am 18. Februar fragte Reichspropagandaminister Goebbels in seiner berühmten Sportpalastrede "Wollt ihr den totalen Krieg?" Und am selben Tag wurden auch die Geschwister Scholl in München verhaftet.

Vor 20 Jahren, am 27. Januar 1998, wurde vor dem Haus der Ruhrstraße 76 in Moers-Hochstraß, dem Elternhaus der Familie, ein Mahnmal enthüllt: "Den Familien Leiss und Christen, ermordet 1943 im KZ Sachsenhausen über das Terrorinstrument der Sippenhaft. Erinnern wir uns und bleiben wir wachsam!" Im Beisein von Überlebenden aus den Seitenlinien der Familie und eines Vertreters der polnischen Botschaft erinnerten damals Pfarrer Klaus Ulaga und der stellvertretende Bürgermeister Karl-Heinz Brohl an das Schicksal der Familie: Hier in Moers und Hochstraß und Moers hätten es doch alle gewusst und gerade dafür brauchten wir heute eine "erinnernde Wachsamkeit".

In den Jahren 2013 und 2014 folgen dann "Stolpersteine" für vier der Opfer. Auch daran waren Kirchengemeinden und Schulen beteiligt.

Quelle: RP
 
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