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Moers
Vor Hexenverfolgung war niemand sicher

Moers: Vor Hexenverfolgung war niemand sicher
Krumme Nase und Besen: Das Exponat aus der Ausstellung im Grafschafter Museum entspricht der landläufigen Vorstellung von "Hexen". FOTO: KDI (Archiv)
Moers. Der Historiker Thomas Becker berichtete im Grafschafter Museum über den Hexenwahn in Rheinbach/Eifel im 17. Jahrhundert. Selbst ein Stadtratsmitglied wurde des Bundes mit dem Teufel verdächtigt. Von Jutta Langhoff

Mehr als 2000 Menschen waren Mitte des 17. Jahrhunderts im einstigen kurkölnischen Fürstentum als Hexen und Zauberer verbrannt oder auf eine andere, nicht weniger grausame Art hingerichtet worden. Die meisten davon Frauen, denen man unter schwersten Folterungen das Geständnis einer Buhlschaft mit dem Teufel abgezwungen hatte. Aber auch Männer waren der Verfolgung durch religiöse Glaubenswächter ausgesetzt, wobei selbst ein gesellschaftlich hoher Status nicht immer Schutz bot, wie das Schicksal von Hermann Löher, Stadtratsmitglied und Schöffe in Rheinbach/Eifel zeigt.

Über ihn und die Hexenprozesse in Rheinbach berichtete Dr. Thomas Becker im Grafschafter Museum unter dem Titel "Da so viel ehrliche Leute sein verbrent." Das Museum hatte den renommierten Bonner Historiker im Rahmen der im Moerser Schloss gezeigten Ausstellung "Aberglaube und Hexenwahn am Niederrhein" eingeladen.

Hermann Löher hatte sich anfangs noch voller Überzeugung an der Verurteilung vermeintlicher Hexen und Zauberer beteiligt, war dann aber angesichts der mit immer größerer Brutalität erpressten Geständnisse zusehends kritischer geworden. So kritisch, dass man auch ihn bald als Ketzer verdächtigte, so dass er mit seiner Familie schließlich nach Amsterdam fliehen musste, wo er später eine flammende Anklage gegen die gerichtlichen Methoden der Hexenverfolgung veröffentlichte. Diese heute nur noch in zweifacher Buchausführung vorhandene Anklage bildete den Mittelpunkt des gut 60-minütigen, mit zahlreichen alten Stichen bebilderten Vortrags.

Zuvor hatte Becker seine Zuhörer mit allgemeinen Fakten und Daten über die damaligen Macht- und Herrschaftsverhältnissen in Europa informiert, wobei klar wurde, dass die Hexenverfolgungen keineswegs nur regional waren. "Es gab ganz allgemein eine Bereitschaft dazu, in der Bevölkerung genauso wie in der Obrigkeit. Ohne die Duldung und Zustimmung der weltlichen und kirchlichen Herrscher wären solche Prozesse gar nicht möglich gewesen", erklärte er den rund 40 Besuchern. Dennoch seien es in erster Linie lokale Gruppen und Amtsträger gewesen, die neben den professionellen "Hexenkommissaren" die Anzahl und Härte der Prozesse bestimmt hätten.

Eine wichtige Rolle spielte dabei nach Hermann Löhers Aufzeichnungen der Rechtsanwalt und Hexenkommissar Franz Buirmann, der allein in der Zeit von Mai bis Oktober 1631 für mehr als 20 Hinrichtungen in Rheinbach und Umgebung verantwortlich gewesen war. Daneben gab es aber auch zahlreiche Denunzianten, wie zum Beispiel den Rheinbacher Gerichtsschreiber Melchior Heimbach, der sich oft schon während der Folterprozedur an den Gütern der Angeschuldigten bereicherte.

Quelle: RP
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