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Moers
Wann Nachhilfe sinnvoll sein kann

Moers: Wann Nachhilfe sinnvoll sein kann
In der "Schülerhilfe" Moers: Michael Fischer übt mit Doreen Kiwitt (16) (li.) und Pia Meiners (17) Mathe. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die RP hat sich umgehört: Extra-Stunden sollten nicht zum Dauerzustand werden, sagen Gymnasiallehrer. Die Gesamtschule verweist auf eigene Förderprogramme. Nachhilfe nimmt den Leistungsdruck, erzählt eine Schülerin. Von Gabi Harpers

Heute schlägt für so manchen Schüler die Stunde der Wahrheit - die Halbjahreszeugnisse stehen an. Für viele Eltern stellt sich die Frage: Sollte mein Sohn oder meine Tochter nun doch ein paar Nachhilfestunden nehmen, um aus der Fünf in einem Fach eine Vier zu machen? Wie viele zusätzliche Lernstunden können wir unseren Kindern bei ihrem ohnehin schon übervollen Terminkalender zumuten? Die Antworten fallen durchaus differenziert aus:

"Unsere Empfehlung an die Eltern ist nicht notenabhängig", sagt Maria Vollendorf-Löcher, Lehrerin für Geschichte und Biologie am Moerser Gymnasium Adolfinum. "Nachhilfe ist immer dann sinnvoll, wenn ein klar umrissenes Lerngebiet aufgeholt werden muss. Die Unterstützung sollte nicht als ständige Begleitung für den Schulerfolg in den Schüleralltag eingebaut werden, sondern für eine begrenzte Zeit dazu dienen, Defizite aufzuarbeiten." Ihre Kollegin Miriam Milde - sie unterrichtet Englisch, Geschichte und Katholische Religion - ergänzt: "Der Schüler muss lernen, sich selbst zu organisieren. Hier vermitteln wir gern ältere Schüler als Lerncoach." Von entscheidender Bedeutung sei eine gute Kommunikation zwischen Eltern und Fachlehrer, ergänzt Milde. "Erfolge stellen sich nur in kleinen Schritten ein, wobei immer das Wohl des Kindes oberste Priorität hat."

Rolf Grüter, Direktor der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers-Scherpenberg äußert sich deutlich zurückhaltender: "Unsere Schüler haben im Schnitt 34 Wochenstunden Unterricht. Wo bleibt da noch Raum und Zeit für Nachhilfe? Die offene Ganztagsschule bietet vielfältige Möglichkeiten, schwächere Schüler aufzufangen und Defizite auszugleichen. Beispielsweise findet in den Klassen fünf bis sieben Förderunterricht in Kleingruppen statt. In den höheren Klassen gibt es Förderkurse, die auf Schulabschlüsse vorbereiten. Hinzu kommt die Ganztagsförderung in Kleinstgruppen (zwei bis drei Schüler und eine Lehrkraft) parallel zum Unterricht oder am Nachmittag - alles innerhalb der regulären Unterrichtszeit."

Doch trotz aller Bemühungen der Schulen haben private Nachhilfeinstitute nach wie vor großen Zulauf. Die "Schülerhilfe" etwa, die nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 100.000 Schüler an 1100 Standorten betreut, bietet Schülern aller Schularten und Klassenstufen Verbesserung ihrer Schulnoten an. Und das seit Jahren mit einigem Erfolg.

Heike Koch, Leiterin der Moerser "Schülerhilfe", berichtet, wie sie ihren Kunden zu besseren Noten verhilft: "Wir beschäftigen ausgebildete Gymnasiallehrer und Referendare, Lehramtsstudenten oder pensionierte Pädagogen, die die Schüler in kleinen Lerngruppen zweimal wöchentlich 90 Minuten lang unterrichten. Zusätzlich können die Schüler daheim auf unser Online-Lerncenter zurückgreifen."

Abiturientin Pia Meiners erhält sei einigen Monaten Nachhilfe in ihrem Angstfach Mathematik. Sie ist froh, professionelle Hilfe in Anspruch genommen zu haben: "Heute kann ich besser nachvollziehen, was im Unterricht passiert und traue mir mehr zu." Auch Nachhilfeschülerin Doreen Kiwitt (10. Klasse) haben die Extra-Stunden geholfen: "Ich stand noch vor einiger Zeit im Grundkurs Mathe auf einer ,Betonfünf`. Ohne Nachhilfe hätte ich die Zulassung für die Qualifikation nicht geschafft." Ziel sei es bei der Nachhilfe, so Heike Koch, den Schülern den Stress um ihre Defizite zu nehmen, sie selbstsicherer und selbstständiger zu machen.

Weniger Leistungsdruck durch das soziale Umfeld und mehr Selbstbestimmung sind auch für Maria Vollendorf-Löcher entscheidende Kriterien: "Zufriedene und glückliche Menschen lernen besser."

Quelle: RP
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