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Moers
Warnung vor Grippe in Notunterkünften

Moers: Warnung vor Grippe in Notunterkünften
FOTO: RP/Radowski
Moers. Das enge Zusammenleben in den Unterkünften bietet gute Voraussetzungen für eine schnelle Ausbreitung des Influenza-Virus, sagen Fachleute. Sie raten zu Impfungen - die aber in Deutschland grundsätzlich keine Pflicht sind. Von Josef Pogorzalek

Die kalte Jahreszeit kommt, und mit ihr die Grippewelle. Zu den Risikogruppen, die besonders auf einen Impfschutz achten sollten, zählen Schwangere, Senioren sowie chronisch Kranke. Neuerdings geraten auch die in Flüchtlingsunterkünften lebenden Menschen in den Blick der Fachleute. "Viele Flüchtlinge leben zunächst auf engstem Raum in Erstaufnahmeeinrichtungen. Zudem sind sie meist nach langer Flucht schwach und krank", warnte die Fachgesellschaft für Virologie (GfV) bereits vor einigen Wochen. Das seien optimale Voraussetzungen für eine schnelle Ausbreitung des Influenza-Virus. Möglichst viele Flüchtlinge sollten daher eine Influenza-Impfung erhalten.

Die Stadt Moers sieht derzeit allerdings keinen Anlass, in Sachen Grippeschutz besonders aktiv zu werden. Sollte das Gesundheitsamt eine entsprechende Empfehlung ausgeben, werde sich dies gegebenenfalls ändern, sagte Stadtsprecher Klaus Janczyk. Vor allem ältere und schwache Menschen seien durch die Grippe gefährdet. In den Unterkünften wohnten aber vor allem jüngere Leute sowie solche mittleren Alters.

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Flüchtlinge, die in der Landes-Notunterkunft ankommen, erhalten eine "Erstuntersuchung", durch die ausgeschlossen werden soll, dass sie ansteckende Krankheiten wie Tuberkulose mitbringen. Im Rahmen eines Gesprächs werde auf Impfmöglichkeiten hingewiesen, sagte gestern Michael Rüddel, Leiter des Fachbereichs Soziales im Moerser Rathaus. Ob sich ein Flüchtling impfen lasse, egal ob gegen Masern, Röteln, Mumps oder Influenza, bleibe aber seine Privatsache, denn in Deutschland bestehe keine Impfpflicht.

Dr. Christoph Gödde vom Gesundheitsamt verwies gestern auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Nach diesen richte sich sein Haus. Auch das Land beruft sich auf das RKI. "Die bestehende Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch Institutes (STIKO), wonach Schwangere ab der 20. Woche, Personen ab 60 Jahren und Kinder und Erwachsene mit chronischen Krankheiten gegen Grippe geimpft werden sollen, wird derzeit für ausreichend angesehen", teilte das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. "Die Impfempfehlungen werden also genau so gehandhabt, wie sie auch der hiesigen Bevölkerung insgesamt zur Verfügung stehen."

FOTO: dpa/Dieker

Das Robert-Koch-Institut hat zusammen mit der Ständigen Impfkommission ein "Konzept zur Umsetzung frühzeitiger Impfungen bei Asylsuchenden nach Ankunft in Deutschland" veröffentlicht. Bezüglich der Influenza wird dort neben dem Mindest-Impfangebot für die Risikogruppen allerdings geraten, optional alle Asylsuchenden in Erstaufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften zu impfen. Zum einen, weil aufgrund von Sprachbarrieren das Erkennen der Risikogruppen schwierig sein könne, zum anderen, weil durch das enge Zusammenleben ein erhöhtes Risiko für Influenzaausbrüche bestehe.

Wie Medien vor ein paar Tagen berichteten, bereitet Bremen Grippeimpfungen für alle Flüchtlinge vor. Sie sollen in ihren Muttersprachen über den Nutzen des Schutzes informiert werden. Ein Beispiel, das Schule machen sollte, findet Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt am Bethanien-Krankenhaus in Moers. "Wo Menschen in großen Gemeinschaften und in engem Kontakt miteinander leben, ist eine Impfung besonders wichtig", sagt der Arzt unter Hinweis auf die sogenannte Herdimmunität: Innerhalb einer Gemeinschaft sollten mindestens 40 bis 50 Prozent aller Menschen geimpft sein, um die Gruppe insgesamt zu schützen. Sonst komme es leicht zu einer Kette von Ansteckungen, die dann auch aus der Gemeinschaft nach außen getragen werden können.

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Quelle: RP
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