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Serie Hier Bedient Der Chef Noch Selbst
Warum bei Stepken die Zeit stillsteht

Serie Hier Bedient Der Chef Noch Selbst: Warum bei Stepken die Zeit stillsteht
Margret Hartmann im Modehaus Stepken: "Ich werde so lange weitermachen, wie es geht", sagt die Inhaberin. Das Geschäft liegt ihr am Herzen. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das Modehaus Stepken in Moers ist seit Generationen Ziel vieler Kunden, die das Besondere suchen. Dabei geht es der Inhaberin Margret Hartmann mehr um Qualität und Dauer als um den letzten Schrei der Modewelt. Von Jürgen Stock

Moers Wer das Modehaus Stepken in der Steinstraße 26 betritt, begibt sich unweigerlich auf eine Zeitreise bis tief in die 50er Jahre hinein. Aus jenen Tagen, als sich die Wirtschaft langsam wieder von den Verwüstungen des Krieges erholte, stammen die schweren Eichenholzvitrinen, in denen Inhaberin Margret Hartmann bis heute ihre Ware bis unter die Decke gestapelt hat. Auch die edlen, aber inzwischen durch viele Kundenschuhe abgelaufenen Perserteppiche sind begehbare Erinnerungen an das Wirtschaftswunder. Während Braun am Neumarkt mit den Jahren immer größer und prächtiger wurde, schien die Zeit bei Stepken stehenzubleiben. Noch immer sind die Größenangaben kleine, handgeschriebene Papierschildchen, die aufs massive Holz geklebt werden.

Und auch an Margret Hartmann selbst scheint der Zahn der Zeit fast spurlos vorübergegangen zu sein. Nur wenige Kunden wissen, dass sie inzwischen selbst weit in den 80ern ist und damit fast ebenso alt wie das Geschäft, das ihre Mutter Elisabeth Stepken 1933 an der Ecke Steinstraße /Burgstraße gründete. Deren Vater hatte eine Schreinerei und hinterließ seiner Tochter ein Erbe, mit der die junge Frau 1933 ihr Geschäft eröffnete. Nach dem Krieg ließ die Mutter auf einem gegenüberliegenden Trümmergrundstück ein neues Geschäftshaus errichten, das bis heute Bestand hat.

1952 ließ Elisabeth Stepken in der Schreinerei ihres Bruders die wie für die Ewigkeit gemachten Vitrinen für das neue Geschäfts fertigen. Stolz führt ihre Tochter heute immer noch gerne vor, wie ausgeklügelte Schubladensysteme es ermöglichenviel Ware auf wenig Raum zu lagern und dennoch schnell für die Kunden verfügbar zu haben. Das ist ökonomisch, trifft aber nicht die Präsentationsvorstellungen moderner Innenausstatter. So stellte die Firma Falke etwa die Belieferung ein, weil Margret Stepken auf ihrem begrenzten Raum nicht die Präsentationsvorgaben des Strumpfherstellers erfüllen konnte.

Die Kunden sind dem so ganz und gar unavantgardistischen Modehaus dennoch treu geblieben. "Die Menschen kommen vom gesamten Niederrhein zu uns, weil wir Sachen haben, die sie woanders nicht finden", sagt Margret Hartmann. Zum Beispiel Wäsche in Übergrößen, Korsetts mit Strumpfbändern, separate Kragen, hochwertige Kinderkleidung und Babyartikel. "Und versuchen Sie doch mal, heutzutage noch irgendwo Stoffwindeln zu bekommen", sagt die Chefin. Das, was sie einkauft, muss nicht immer der letzte Schrei sein, aber auf Qualität soll hier kein Kunde verzichten müssen.

Geradezu legendär aber ist die Stepkensche Auswahl an Kurzwaren wie Häkchen und Ösen, Reißverschlüssen und vor allem die prächtige Palette an Knöpfen in allen Formen und Farben, die im Untergeschoss wie in einem kleinen Knopfmuseum auf Kunden oder Bewunderer warten.

Das alles ist so konsequent gestrig, dass es schon fast wieder in die Zukunft weist. Deshalb komplimentiert sie all die Interessenten wieder höflich aus ihrem Laden hinaus, die ihr ein Angebot für das Haus machen wollen. Als Geschäftsfrau weiß Margret Hartmann natürlich, dass sie eine der begehrtesten Lagen von Moers besitzt und dass sie mit ihren drei Mitarbeiterinnen auch in jahrzehntelanger Arbeit nie so viel Geld verdienen würde, wie sie mit dem Verkauf der Immobilie auf einen Schlag einnehmen könnte.

Sie ist mit ihrem Betrieb groß und später auch alt geworden. Viele ihrer Kunden kennt sie schon in der dritten Generation. Diese Bindungen kann kein Geld der Welt ersetzen. Deshalb sagt sie fest entschlossen: "Ich werde so lange weitermachen, wie es geht."

Quelle: RP
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