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Unsere Woche
Warum uns der Nahe Osten noch näher ist

Moers. Die Anschläge von Brüssel haben auch am Niederrhein ihre Spuren hinterlassen. Viele Menschen fühlen sich ganz persönlich betroffen: Die Welt ist kleiner geworden.

Wann das Unheil begann, das jetzt in den Anschlägen von Brüssel kulminierte, ist schwer zu bestimmen. Manche erinnern jetzt an das Sykes-Picot-Abkommen, mit dem Briten und Franzosen unter Missachtung früherer Versprechen gegenüber den Arabern die Reste des osmanischen Reiches unter sich aufteilten. Auf jeden Fall aber spielt der Anschlag vom 11.9. 2001 und die Invasion einer US-geführten Militärallianz in den Irak am 20. März 2003 eine Rolle. In jenen Anfangstagen des dritten Golfkrieges begegnete ich zufällig einem am Niederrhein wohnenden deutschen Industriellen, der Rüstungsgüter für die USA und Israel herstellte. Der Mann erzählte mir damals schon, unter Berufung auf Freunde beim israelischen Geheimdienst Mossad, dass Saddam Hussein über keine chemischen Kampfmittel verfüge. Irgendwie hatte ich nach diesem Gespräch das Gefühl, dass der so ferne Krieg auf einmal ganz nahe gerückt sei.

Im vergangenen Jahr wiederholte sich dieses Gefühl noch einmal, als bekannt wurde dass einer der von der UN zur Beilegung des Syrien-Konflikts eingesetzten Verhandlungsführer aus Moers stammt und kurz nach mir sein Abitur gemacht hatte.

Mit den Anschlägen von Brüssel aber waren die Auswirkungen der Ereignisse im Nahen Osten fast zeitgleich am Niederrhein zu spüren. Die Bombe in der Metro explodierte nur wenige Meter von dem Gebäude entfernt, in dem der Neukirchen-Vluyner Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz sein Büro hatte. Nicht nur am Telefon war seine Erschütterung zu spüren. Auch als er am Tag danach wieder zu Hause angekommen war, konnte man ihm die Last der Erlebnisse ansehen.

Mitarbeiter des Bunten Tisches und anderer Organisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern, haben sich längst daran gewöhnt, dass politische und religiöse Konflikte des Nahen Ostens sich als ganz konkrete und praktische Probleme hier am Niederrhein auswirken. Durch die Vervielfältigung der persönlichen und der medialen Netzwerke ist die Welt kleiner geworden. Menschen spüren täglich, wie Geschichte ihren Alltag bestimmt .

Aber gerade Ostern ist auch die richtige Zeit, sich daran zu erinnern, dass der Nahe Osten der Ort war, an dem Jesus gelebt hat, gestorben und wiederauferstanden ist. Diese Geschichte hat sich damals nicht in Echtzeit verbreitet, aber sie wirkt bis heute.

Deshalb feiern Sie die anstehende Festtage trotz allen Schreckens mit Ihren Lieben in Frieden.

Frohe Ostern! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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