| 00.00 Uhr

Moers
Welle von Zerstörung in Moers

Moers: Welle von Zerstörung in Moers
Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr sind die Wartehallen an der Vinzenzstraße beschmiert worden. FOTO: Stadt
Moers. In Kapellen haben Unbekannte Stromkabel an Plakattafeln durchtrennt. Und allein in diesem Jahr sind bereits 25 Mal Scheiben von Buswartehallen eingeschlagen worden. Einen Teil der Taten konnte die Polizei klären. Von Josef Pogorzalek

Wenn Andreas Wirth an Moers denkt, dann fällt ihm ziemlich schnell - zumindest auch - das Stichwort Vandalismus ein. Wirth arbeitet bei der Firma Deutschen Plakatwerbung (DPW) in Koblenz, die Plakatwände und Werbevitrinen in vielen Städten besitzt oder betreibt. Überall werden diese mal mit Farbe beschmiert oder anders beschädigt. "Im Vergleich zu anderen Städten ist es in Moers aber besonders schlimm", bedauert Wirth.

Beispiel: Die Busumsteigeanlage Vinzenstraße, nahe des Bahnhofs, mit sechs Wartehallen. In der vergangenen Woche sind diese mit "Graffiti" verunziert worden - "von oben bis unten", sagt Andreas Wirth. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr haben Schmierfinken an der Vinzenzstraße zugeschlagen. Das Entfernen der Farbe ist aufwändig. "Das lässt sich nicht einfach so abwischen, da muss man mit einem speziellen Reinigungsmittel ran." Noch tiefer muss die DPW in die Tasche greifen, wenn Scheiben der Wartehallen eingeschlagen werden, was allein in diesem Jahr schon 25 Mal geschehen ist. Rund 500 Euro koste der Ersatz einer einzigen der Sicherheitsglas-Scheiben, sagt Wirth

Rettungseinsatz an der Gesamtschule in Rheinkamp im März. Ein junger Mann hatte einen Feuerlöscher im Schulgebäude entleert. Auf sein Konto gehen auch einige der Vandalismusfälle an Buswartehäuschen. FOTO: Schulmann (archiv)

Einen kleineren Teil der insgesamt 154 Wartehäuschen in Moers besitzt und bewirtschaftet die Stadt, so dass auch sie im Falle von Beschädigungen direkte Leidtragende ist. Das Problem sei groß, bestätigt Stadtsprecher Thorsten Schröder. Warum derlei Vandalismus gerade in Moers so blühe? "Diese Frage haben wir uns auch schon gestellt", sagt Schröder. Eine schlüssige Antwort habe man nicht gefunden.

Nicht nur Wartehäuschen werden beschädigt. Schröder weist auf einen aktuellen Fall von Vandalismus hin, der "dem Fass den Boden" ausschlage: An einer beleuchteten Plakatwand am Bapaumeplatz in Kapellen, die ebenfalls der DPW gehört, ist innerhalb von zwei Wochen zweimal das Stromkabel gekappt worden. Bei zweiten Mal hat sich jemand die Mühe gemacht und ein Plastikrohr, das das Kabel führt, aus der Erde gegraben und dann samt Kabel durchtrennt. Wie unsere Redaktion erfuhr, ist bereits vor einigen Wochen ebenfalls am Bapaumeplatz an einem beleuchteten Hinweisschild auf das Lokal "Coffee by Marie" ebenfalls das Stromkabel durchgeschnitten worden.

Wie "normaler" Vandalismus wirken die letztgenannten Fälle nicht. Ob sich jemand vielleicht nachts durch das Licht der Werbetafeln gestört fühlte? Die DPW-Tafel sei tatsächlich die ganze Nacht über beleuchtet, sagt Andreas Wirth. Aber das Licht sei so eingestellt, dass es weder Autofahrer blende noch Anwohner störe.

Am Bolzplatz in Schwafheim haben Jugendliche die Rinde einer alten Eiche abgeschabt. Das sei das "Todesurteil" für den Baum, so die Stadt.

Was den Vandalismus an den Bus-Wartehäuschen angeht, kann die Polizei einen Erfolg melden. Sieben der 25 Fälle aus diesem Jahr seien geklärt, sagt Sabine Vetter, Pressesprecherin der Kreispolizei. Ein junger Mann aus Moers habe die Zerstörungen zugegeben. Es handle sich um denselben Täter, der im März im Gebäude der Anne-Frank-Gesamtschule den Inhalt eines Feuerlöschers versprüht hatte. Schüler klagten über Übelkeit und Atemprobleme, 29 Mädchen und Jungen wurden vorsorglich zur Untersuchung in Krankenhaus gebracht.

Der 18-Jährige Täter entspricht nicht dem Bild des "typischen" Vandalen: Er leide offenbar unter einer psychischen Erkrankung, sagte Vetter, und sei deshalb eingewiesen worden. Meist handle es sich bei Vandalen um Jugendliche, die - oft im alkoholisierten Zustand, in Gruppen und nachts - über die Stränge schlagen. Trotz der Häufung der Fälle in Moers und dem Eindruck vieler Menschen sei die Zahl solcher Straftaten, wie auch die Gewaltkriminalität, jedoch allgemein rückläufig.

Gestern Nachmittag meldete die Stadt einen neuen Fall von Vandalismus: Am Bolzplatz an der Dorfstraße in Schwafheim haben Jugendliche eine 50 bis 60 Jahre alte Eiche massiv beschädigt. "Ein Anwohner und eine Passantin haben beobachtet, wie Jugendliche die Rinde des alten Baums abgeschabt haben. Als sie sich ertappt fühlten, sind die weggelaufen, haben ihr ,Werk' aber zu einem späteren Zeitpunkt ,vollendet'", so die Stadt. Bis auf etwa 1,50 Meter Höhe sei die Rinde abgeschält. Das "Todesurteil" für den Baum, sagen Fachleute vom Fachdienst Grünflächen und Umwelt. Der Schaden belaufe sich auf rund 2500 Euro für eine Neupflanzung und deren Pflege.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers: Welle von Zerstörung in Moers


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.