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Moers-Repelen
Weltraumprojekt scheitert im ersten Anlauf

Moers-Repelen: Weltraumprojekt scheitert im ersten Anlauf
Kurz vor dem Start war die Welt noch in Ordnung. Später riss die Schnur, die eine Kamerabox mit dem Stratosphärenballon verband. FOTO: CHristoph Reichwein
Moers-Repelen. Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule wollten gestern einen Ballon mit Kamera in die Stratosphäre schicken, um den Himmel über Moers zu erkunden. Der Start missglückte. Für Dienstag ist ein neuer Versuch geplant. Von Peter Gottschlich

Christian Eckold war schockiert, als er sah, wie der weiße Ballon in den Himmel stieg, ohne die Ladung, eine Kamerabox, mitzunehmen. Schweigend blickte der Physiklehrer der Anne-Frank-Gesamtschule in den bewölkten Himmel, in dem die weiße Kugel von gut zwei Meter Durchmesser verschwand. Dann schaute er auf die rote, kunstseidene Maurerschnur, die beim Start auf dem Sportplatz des FC Meerfeld gerissen war. "Die Enttäuschung ist riesengroß", brach er endlich sein Schweigen. "Dabei war alles perfekt vorbereitet."

Der Start des Stratosphärenballons war Höhepunkt des Projektes "Wir erkunden den Himmel über Moers", bei dem 21 Schüler der achten bis zwölften Jahrgangsstufe seit August 2016 mitmachen. Der Ballon sollte 50 Kilometer hoch bis an den Rand der Stratosphäre steigen, sich (weil der Luftdruck sinkt) ausdehnen und schließlich platzen. Mit einem Fallschirm wäre dann die Ladung, eine 1,7 Kilogramm schwere Kamerabox, zu Boden geschwebt. Während der dreistündigen Fahrt sollte die Kamera alle 20 Sekunden ein Foto schießen - von Moers und dem Niederrhein und vom Weltraum. Dann wollten der Physiklehrer und Schüler diese Kamera bergen, um rund 200 Bilder auszuwerten. "Im Team ist sogar ein Baumkletterer und ein Rettungsschwimmer", berichtete Michael Murmann, Didaktischer Leiter der Rheinkamper Schule. "Die Ladung kann ja auch auf einem Gewässer oder in einem Baum landen." Irgendwo zwischen Arnheim und Apeldoorn sollte die mit einem GPS-Tracker versehene Kamerabox landen, hatten die Schüler beim starken Südwestwind gestern Morgen prognostiziert. Deshalb hatten sie die Ladung auf Deutsch und Niederländisch als naturwissenschaftliches Experiment deklariert.

Die Kamerabox zu bauen, war nicht einfach, weil sie eine hohe Temperaturdifferenz zu überstehen hat. Bis sie in 15 Kilometern die Stratosphäre erreicht, fällt das Thermometer auf minus 60 Grad. Bis zum Ende der Stratosphäre bei 50 Kilometern steigt es wieder auf null Grad. Mit der Temperatur ändern sich Druck und Feuchtigkeit.

Der Lions Club Grafschaft Moers stiftete 1000 Euro für die Box, den Ballon und das Helium, mit dem er gefüllt wird. Außerdem übernahmen die Lions 350 Euro für eine Versicherung. Bürgermeister Christoph Fleischhauer machte Christian Eckold und seinen Schülern gestern Mut. "Viele naturwissenschaftlich Experimente sind beim ersten Mal gescheitert", sagte er. Die Lions haben bereits 400 Euro für einen zweiten Start zugesagt. Diesen könnte es am Dienstag geben. "Die Genehmigungen für den Start gelten bis zum Beginn der Schulferien", sagte Eckold. Neben der Stadt hatten die Bezirksregierung sowie das Luftfahrt-Bundesamt Braunschweig den Start des Ballons zu erlauben.

Quelle: RP
 
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