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Moers
Wenig Zuhörer und irritierte Musiker im Adolfinum

Moers: Wenig Zuhörer und irritierte Musiker im Adolfinum
War die Aula des Adolfinum zu weit weg fürs Publikum: Der musikalische Dialog fand nur ein kleines Publikum. Es spielten fünf Saiten-Instrumentalisten in der Aula. FOTO: K. Dieker
Moers. Die West-Östlichen Saiten-Dialoge fanden weit ab des Festivalgeländes nur eine spärliche Zuhörerschar. Von Petra Riedrer-Sitte

Woran misst man den Erfolg eines Konzerts? An der Zahl der Zuhörer? Dem Renommee der Künstler? Fragen, die man sich bei den West-Östlichen Saiten-Dialogen in der Aula des Adolfinums stellte, wo nur eine Handvoll Gäste in den Reihen saß. Voll war es lediglich auf der Bühne, auf der die unterschiedlichsten Instrumente aufgebaut waren. Sichtlich enttäuscht und ein bisschen ratlos liefen die Musiker hin und her und ließen sich schließlich für das Stimmen eine Viertelstunde Zeit - doch die Reihen füllten sich nicht. Vielleicht liegt das Adolfinum den Festivalfans doch zu weit ab vom Zentrum des Jazz-Geschehens?

An der Besetzung der West-Östlichen Saiten-Dialoge kann die mangelnde Resonanz jedenfalls nicht gelegen haben, denn in dem Projekt, in dem fünf Saiten-Instrumentalisten in einen intensiven interkulturellen Austausch treten, musizieren bekannte Größen: Imran Khan, der zu den versiertesten Sitarspielern der jüngeren Generation zählt, Kioomars Musayyebi, der mit seiner für einen Santurspieler einzigartigen musikalischen Flexibilität Musikstile miteinander verknüpft, Sahbi Amara, der sich als Oudspieler und Sänger einen Namen gemacht hat, Jens Pollheide, ein gefragter Jazzbassist und Kenner der türkischen und arabischen Musik sowie Andreas Heuser, der sich als "stilistischer Wandersmann" die musikalische Begegnung mit dem Orient zur Herzenssache gemacht hat.

Rhythmisch unterstützt wurden die fünf Saitenvirtuosen durch Fethi Ak, einen der virtuosesten Darbukaspieler. Der Auftritt im Adolfinum war für das Sextett der erste in dieser Konstellation. Spannend für die Zuhörer, spannend auch für die Musiker, die freimütig bekannten: "Was passiert, wissen wir nicht."

Doch schnell war eine gemeinsame musikalische Ebene gefunden, auf der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Mitteleuropa und Indien ausgelotet wurden. Ausgangspunkt für den klanglich und spieltechnisch vielfältigen Dialog waren teils Traditionals, teils Eigenkompositionen der Musiker wie Musayyebis melancholisches Stück über das "Warten auf Liebe".

Nach dem programmierten ersten Konzertteil steigerte sich das musikalische Geschehen, als weitere fünf Musiker in den Dialogkreis traten.

Was als besinnlich-ruhige Exkursion gestartet war, endete mit einer fulminanten Session, in der Improvisationstalent auf Temperament, Experimentierlust auf Dynamik traf. In unterschiedlichen Spielarten des Jazz auf einer Ebene bewiesen die Dialoge, dass es in der Musik keine Grenzen gibt. Und darin lag, trotz des Missverhältnisses zwischen Ausübenden und Zuhörenden, der Erfolg dieses Konzerts.

Quelle: RP
 
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