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Moers
Weniger Besucher auf der Steinstraße

Moers: Weniger Besucher auf der Steinstraße
Steinstraße: Am Stichtag wurden 15 Prozent weniger Besucher gezählt. FOTO: Dieker Klaus
Moers. Eine Zählung des Gewerbeimmobilien-Vermarkters Jones Lang LaSalle lässt darauf schließen, dass die Moerser Haupteinkaufsstraße in diesem Frühjahr weniger Besucher angezogen hat als in den Vorjahren. Von Jürgen Stock

Verliert die Steinstraße an Attraktivität? Nach einer Studie des Gewerbeimmobilien-Vermittlers Jones Lang LaSalle (JLL) wurden bei einer Passantenfrequenzzählung am 16. April dieses Jahres auf der Moerser Haupteinkaufsstraße 2515 Besucher pro Stunde gezählt. Das sind rund 15 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre von 2007 bis 2016. Hingegen haben die Metropolen fast überall zugelegt. In der Kölner Schildergasse stieg die Zahl von 13.622 auf 16.835, in der Düsseldorfer Schadowstraße von 8259 auf 12. 365. Auch die Duisburger Königstraße kann ein deutliches Plus verzeichnen. Hier zählte JLL 4480 Passanten nach 3784 in den Vorjahren.

Lässt sich daraus ablesen, dass Einzelhandel und Politik in Moers Fehler gemacht haben? "Nicht unbedingt", meint Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Niederrhein, der sowohl für Duisburg als auch für Moers zuständig ist. Zum einen könnten Witterungseinflüsse das Ergebnis in einem Jahr nach oben oder unten treiben. "Am 16. April war zum Beispiel in Moers schlechtes Wetter." Zum anderen belegten die Zahlen der Studie, dass Einkaufsstraßen in kleinen und mittelgroßen Städten überall rückläufige Besucherzahlen hätten: "Offenbar suchen die Kunden ganz bewusst das Einkaufserlebnis in den Metropolen", sagt Bommann.

Tatsächlich haben andere mit Moers vergleichbare Städte unter einem noch deutlicheren Besucherrückgang zu leiden als die Moerser Steinstraße. So sank die Frequenz auf dem Büchel in Neuss von 3150 auf 2350, auf der Elberfelder Straße in Hagen kam es sogar zu einem regelrechten Einbruch. Mit 2325 Passanten (4824 in den Vorjahren) liegt die Straße bundesweit nur noch auf Platz 123 - acht Plätze hinter der Steinstraße in Moers.

Diesen Trend bestätigen zwei andere Studien, die Bommann in dieser Woche in der Bundesagentur für Arbeit in Wesel vorstellte. Demnach hätten 19 Prozent der Kunden aus Städten mit einer Bevölkerungszahl zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern ausgesagt, dass sie aufgrund vermehrter Online-Einkäufe ihre Innenstädte weniger häufig besuchten. Eine weitere bundesweite Untersuchung befasst sich mit den Prognosen des Einzelhandelsumsatzes bis 2020. Demnach können Einzelhändler in den Haupteinkaufsstraßen der Metropolen mit gleichbleibenden Umsätzen rechnen. Mittelzentren in Westdeutschland wie Moers müssten Rückgänge bis zu 15 Prozent, im Osten sogar bis 30 Prozent einkalkulieren. Daher kommt Bommann zu dem Schluss: "Wir haben in der Steinstraße kein besonderes Moerser Problem. Im Gegenteil. Dort gibt es keine Leerstände. Die Nachfrage nach Einzelhandelsfläche ist unverändert hoch. Die Steinstraße ist und bleibt unsere 1a-Lage." Dennoch müssten alle Faktoren im Auge behalten werden, die den Kunden das Einkaufen in Moers verleiden könnten. Bommann: "Dazu zählen die Parkgebühren, aber auch die Öffnungszeiten, Sicherheit und Sauberkeit."

Mehr Sorgen als um die Steinstraße macht Bommann sich um die Homberger Straße. Trotz Sanierung des Bahnhofsumfeldes, Neugestaltung des Vinzenzparks und Bau der Feuerwache gibt es dort immer noch ein deutliches Gefälle zum Rest der Stadt. Hinzu kämen die Verzögerungen beim Bau der Grafengalerie nach dem Tod von Brigitte van der Jagt. Bommann kann nachvollziehen, dass die Investoren ihre bisherigen Planungen überprüfen wollen. "Im Duisburger City Palais haben wir bereits Leerstände. Alle Betreiber großer Einzelhandelszentren denken derzeit darüber nach, welche Nutzungen für ihre Immobilien in Zukunft noch möglich sind."

Quelle: RP
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