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Unsere Woche
Wenn Kommunikation eine Totgeburt ist

Moers. Endlich. Ja, endlich werden viele Moerser sagen, die sich nach Besuchen bei Ärzten oder in Krankenhäusern schon mal über die Behandlung geärgert haben. Wie sie dort eher nichtinformiert wurden, wie sie dort im Dschungel des Medizin-Kauderwelsch kaum noch wussten, ob sie einen Schnupfen oder eine tödliche Krankheit haben. Die Rhetorik der Ärzte sei manchmal haarsträubend, sagt Dr. Jens Pagels, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josef. "Wir reden in Hieroglyphen." Man horcht schon auf, dass es der Ärzteschaft an einem deutschen Krankenhaus auffällt, wie sehr Patienten unter dieser Nicht-Kommunikation leiden können. Deshalb hat man ein Ethik-Komitee am St. Josef gegründet, das als Ansprechstation für Patienten und deren Angehörige gelten soll.

Das hört sich gut an, ja - aber auch erstmal sehr theoretisch und mit der begründeten Furcht, da installiert sich wieder so ein Gesprächskreis, der schon nach seiner Gründung eine reine Totgeburt wird. Das soll am St. Josef vermieden werden. Und es gibt gewichtige Gründe, dass Krankenhäuser mehr und anders auf Patienten hören sollten, als sie es bisher leider oft tun. Ein Schwerkranker an lebenserhaltenden Apparaten, der Umgang mit Frauen, die Fehlgeburten erlitten haben, die Sterbebegleitung oder auch der Umgang mit Menschen, die von heute auf morgen plötzlich mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit leben lernen müssen: Ärzte und Pfleger müssen die Menschen heute ernster nehmen als sie es bisher getan haben. Sie sind Menschen, nicht nur Patienten. Pagels und die Mitglieder seines neuen Ethik-Komitees wollen das umsetzen. Das werden sie müssen. Ansonsten helfen auch keine gestylten Hochglanzflyer oder Pressemitteilungen über Scheckübergaben und neue Chefärzte.

Quelle: RP
 
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