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Moers
Werbering vor ungewisser Zukunft

Moers. Nach dem Moerser Herbst gibt es Krach und Austritte. Das Konzept des Fests steht in der Kritik. Vorstandsmitglieder haben ihre Posten geräumt. Der Vorsitzende Dirk Elfgen stellt sein Amt zur Disposition. Von Josef Pogorzalek

Es sollte ein "Neustart" werden. Der Werbering Moers wolle seine Reputation verbessern und seine Mitgliederbasis erweitern, hieß es. Stattdessen steht die Vereinigung der Kaufleute ein Jahr nach der Wahl des Sängers und Entertainers Dirk Elfgen zum Vorsitzenden vor einem Scherbenhaufen. Elfgens Stellvertreter im Vorstand, Guido Makowski und Kathrin Olzog, haben ihre Ämter niedergelegt. Elfgen selbst hat seinen Posten zur Disposition gestellt. Er möchte Anfang November bei einem Treffen klären, ob und wie es weitergeht. Elfgen hält eine Auflösung des Vereins für denkbar.

Anlass für den Krach war der "Moerser Herbst" am vergangenen Wochenende. Es hagelt Kritik am Konzept der Veranstaltung. "Desaströs" nannte es gestern Ulrich Gies, Inhaber einer Parfümerie, der aus dem erweiterten Vorstand zurückgetreten ist. Er beklagte "handwerkliche Fehler" bei Elfgen und Schausteller Dirk Aberfeld, der im Auftrag für die Organisation der Stände zuständig war. "Wir hatten eine Kirmes und einen Trödelmarkt, aber kein Stadtfest", kritisierte Gies. Das verabredete Motto "Europa zu Gast in Moers" sei mangelhaft umgesetzt worden.

Aberfeld verteidigte sich gestern: "Meine Aufgabe war es, die Besucher ranzuholen - und das hat geklappt." Selbst am regnerischen Samstag seien viele Gäste dagewesen. Es gebe den Wunsch, das Stadtfest "neu zu erfinden". Dazu sehe er keine Notwendigkeit. Die Idee, Kunsthandwerker nach Moers zu holen und die "gehobene Gastronomie" am Fest zu beteiligen, sei gut und schön. "Aber das rechnet sich nicht", sagte Aberfeld. Und die Bereitschaft des Einzelhandels, sich finanziell am Fest zu beteiligen, sei sehr gering.

Guido Makowski betonte gestern, dass er seinen Vorstandsposten in erster Linie geräumt habe, weil es am "Wir-Gefühl" im Einzelhandel mangle. Der Werbering sei nur noch Organisator von Stadtfesten. Aber dafür sei er eigentlich nicht da. "Wir brauchen eine starke Gemeinschaft, um eine Stimme gegenüber der Stadt und der Politik zu haben." Makowski ("Best Coins Investment") hat seine Mitgliedschaft im zuletzt gut 70 Mitglieder zählenden Werbering gekündigt - ein Schritt, den einige andere Geschäftsinhaber, zum Beispiel Ulrich Gies, ebenfalls gemacht haben. "Ich hoffe, wir haben da keine Lawine ins Rollen gebracht", sagte Makowski. Er sei bereit, in einen neu strukturierten Werbering wieder einzutreten.

Dirk Elfgen, derzeit als Entertainer auf einem Kreuzfahrtschiff vor Kanada unterwegs, kann die Kritik des Einzelhandels am Moerser Herbst teilweise nachvollziehen. Es habe tatsächlich "zu wenig Europa" gegeben. Das habe aber auch daran gelegen, dass die Händler das Motto kaum aufgegriffen hätten. Elfgen betonte, dass die Unzufriedenheit des Einzelhandels mit den Stadtfesten nicht neu sei. "Der Moerser Herbst wurde schon vor Jahren schlechtgeredet." Er beklagte zudem einen Mangel an Rückhalt für den Werbering seitens des Einzelhandels. Die Mitgliederzahl sei klein. Zudem schwächle der Werbering aufgrund seiner ehrenamtlichen Struktur. Besser wäre es nach Elfgens Meinung, eine feste Anlaufstelle für Händler und Gewerbetreibende bei der Moers Marketing anzusiedeln.

Die Moers Marketing solle als Profi zumindest die Organisation der Stadtfeste übernehmen, sagen andere. Michael Birr, Geschäftsführer der Moers Marketing zeigte sich gestern offen für Gespräche. Voraussetzung sei allerdings eine "solide Grundfinanzierung" der Arbeit. "Erst dann können wir über Inhalte sprechen."

Auch aus Sicht der Stadtverwaltung gibt es Nachbesserungsbedarf bei der Organisation des Moerser Frühlings und Moerser Herbsts. Beide Feste seien zuletzt sehr kurzfristig angemeldet worden, sagte gestern Stadtsprecher Thorsten Schröder. Das habe Probleme verursacht. Zudem habe sich der Werbering nicht an Absprachen gehalten.

Quelle: RP
 
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