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Moers
Widerstand gegen Deponiepläne

Moers: Widerstand gegen Deponiepläne
RP-AF: kdi FOTO: Dieker Klaus
Moers. Beim klaren Nein zum Vorhaben auf der Halde Lohmannsheide sind sich die Ratsfraktionen einig. Die CDU kündigt darüber hinaus jetzt massive Gegenwehr an. Von Julia Hagenacker

Den Nutzen haben andere, die Lasten tragen die Moerser, bloß: Mitentscheiden dürfen sie nicht. Das ist das Problem mit der geplanten Abfalldeponie auf der Halde Lohmannsheide - in einem Satz zusammengefasst. Die Halde liegt zwar in Baerl, also auf Duisburger Stadtgebiet, die Begleiterscheinungen einer Bauschuttdeponie in Bezug auf Verkehr, Emissionen und mögliche Umweltbeeinträchtigungen bekämen aber vor allem die Moerser zu spüren.

Beim klaren Nein zu den Plänen sind sich alle Moerser Ratsfraktionen nicht erst seit heute einig. Die CDU kündigt darüber hinaus jetzt massiven Widerstand an.

"Die Halde Lohmannsheide war eine Bergehalde, die wir zu der Zeit, als Moers bis zu fünf eigene Zechen hatte, als logische Konsequenz des Wirtschaftszweigs Bergbau akzeptiert haben", sagt Fraktionschef Ingo Brohl. Moers habe in der Vergangenheit beim Strukturwandel durch die Schließung der Zechen keine Unterstützung zum Beispiel in Form einer Hochschule oder einer anderen Landes- und Bundeseinrichtung oder durch Leuchtturmprojekte erhalten.

"Jetzt sollen wir durch die Umwidmung einer Halde hin zu einer Deponie wieder benachteiligt werden und an Qualität verlieren, mit unseren Straßen herhalten, Umwelt-, Lärm- und Feinstaubbelastung akzeptieren? Niemals!", sagt Brohl.

Die CDU führt in ihrer Argumentation auch die Autobahnbrückensituation an. Für Moerser Pendler und Unternehmen gebe es jetzt schon ein massives Stauproblem, so der Fraktionschef. "Daher ist es vollkommen unlogisch, massiv Bauschutt aus dem Ruhrgebiet über Brücken an den Niederrhein anliefern zu lassen." Das Ruhrgebiet, sagt Brohl habe eigene Brachflächen, die herhalten können. Das finale Argument sei aber, dass die Halde auf chemischen, ungesicherten Verklappungen aus dem Zweiten Weltkrieg steht.

"Wenn durch eine Deponie neuer Druck auf diese Altlasten kommt, kann kein Mensch sicher sagen, dass dann nicht unser Grundwasser, der Waldsee und auch Trinkwasser belastet werden", so Brohl. "Da die Halde auf Duisburger Gebiet steht, hat die Stadt Moers nur wenige direkte Beteiligungsrechte, aber zur Not müssen wir eben als Stadt massiv in den Rechtsweg und die Gerichtsbarkeit einsteigen. Außerdem bleibt uns als Stadtgesellschaft auch die Möglichkeit, Widerstand zu leisten."

Ihrem Referenten aus der CDU-Fraktion im Regionalverband Ruhr (RVR) haben die Moerser Christdemokraten ihre Argumente bereits mit auf den Weg gegeben. Derweil suchen auch die anderen Ratsfraktionen nach Lösungsansätzen. Die Halde Lohmannsheide sei mittlerweile renaturiert und für Moers so etwas wie eine grüne Lunge, sagt Claus Peter Küster von der Fraktion "Die Grafschafter". Der Aufbau einer Deponie sei ein unnötiger Eingriff in das Ökosystem. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im RVR-Gebiet kein anderes Gelände gibt, dass für eine Deponie infrage kommt."

"Die Grafschafter" wollen unter anderem Kontakt zu jener Bürgerinitiative aufnehmen, die gegen das Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Hornitex-Gelände zwischen Rheinvorland und Uettelsheimer See kämpft. Der Stadt Duisburg wirft Küster vor, zu wenig auf das Ganze und zu sehr auf die eigenen Interessen inpunkto Arbeitsplätze zu schauen.

Auch FDP-Fraktionschef Dino Maas sagt: "Dem Deponie-Gedanken kann man als Moerser einfach nichts Gutes abgewinnen. Der RVR spielt da ein böses Spiel." Einzelratsmitglied Gabriele Kaenders (Linke) fordert, in Bezug auf den entstehenden Verkehr müsse im Dialog eine Lösung gefunden werden, die so wenig Bürger wie möglich belastet. Und Gudrun Tersteegen (Grüne) schließt sich den Bedenken bezüglich des Verkehrs und einer möglichen Belastung des Grundwassers an. "Für Moers ist eine Deponie keine gute Lösung", sagt sie. "Für alle anderen schon."

Quelle: RP
 
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