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Moers
Wie ein Graf die Reformation vollendete

Moers. Joachim Daebel hat im Moerser Schloss den zweiten Teil seines Vortrages über die Reformation in der Grafschaft Moers gehalten. Diesmal ging es um den Abschluss dieser Entwicklung. Die zentrale Figur dabei war Graf Adolf von Neuenahr-Alpen. Von Jutta Langhoff

Vorträge über Martin Luther und seine Kirchenreform gab es in diesem Jahr viele. Doch welche Auswirkungen hatte diese Reform speziell auf die Grafschaft Moers und ihre Bewohner? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Mittwoch ein gut einstündiger Vortrag von Joachim Daebel im Rittersaal des Moerser Schlosses.

Nachdem der Moerser Historiker bereits im März diesen Jahres an der gleichen Stelle über das Thema "Die Lutherische Reformation in der Grafschaft Moers von 1527 bis 1560" referiert hatte, gab es an diesem Abend unter dem Titel "Der Abschluss der Reformation in der Grafschaft Moers unter Graf Adolf von Neuenahr von 1570 und 1589" eine Fortsetzung. Ein für die damalige Grafschaft spannender Zeitabschnitt, denn Graf Adolf von Neuenahr-Alpen war seinerzeit einer der entschiedensten Verfechter des Calvinismus, einer besonders revolutionären Abwandlung der Lutherischen Reform.

Damit stand er allerdings nicht alleine, wie die rund 40 Besucher an diesem Abend erfuhren. Ausgehend von dem damaligen Pfälzer Kurfürst Friedrich III. hatte sich der Calvinismus zu diesem Zeitpunkt bereits auf einige andere deutsche Herrschaftsgebiete und sogar bis in die Niederlande verbreitet, wobei neben diversen verwandtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Herrscherhäusern auch eine Reihe ungewöhnlicher Hochzeiten eine wichtige Rolle gespielt hatten. Doch was sich zunächst sehr erfolgreich anließ, wurde bald ein Opfer falscher politischer Einschätzungen und fehlender Diplomatie. Eine weitere, entscheidende Ursache war außerdem, dass sich der damalige Erzbischof und Kurfürst von Köln, Gebhard Truchseß, in die schöne adelige Stiftsdame Agnes von Mansfield verliebte und um sie heiraten zu können, vom Katholizismus zur reformierten Kirche konvertierte. Da er jedoch weder auf das Bistum Köln noch auf seinen Fürstentitel verzichten wollte, kam es schließlich zu einem Krieg mit der römisch-katholischen Kurie, der sich wenig später auch auf die Grafschaft Moers auswirkte. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Graf Adolf dort bereits eine für seine Untertanen verbindliche, reformierte Kirchenordnung erlassen, die seinen Untertanen nicht nur ein weitreichendes Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer gemeindlichen Aktivitäten gestattete, sondern auch ein ganz neues soziales Wertesystem einführte, das nach Gaebels Meinung das Grafschafter Kirchenleben auch heute noch auf eine ganz besondere, einmalige Weise prägt.

Quelle: RP
 
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