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Moerser In Berlin
Wie Rolf Giesen zu Dr. Horror wurde

Moerser In Berlin: Wie Rolf Giesen zu Dr. Horror wurde
Rolf Giesen bei einer seiner zahlreichen Reisen durch den fernen Osten. FOTO: Rolf Giesen
Moers. Der Moerser ist weltweit einer der anerkanntesten Experten auf dem Gebiet des fantastischen Films. Seine Karriere startete er in Berlin, wo er immer noch eine Wohnung hat. Gerne erinnert er sich an seine Wurzeln am Niederrhein. Von Jürgen Stock

Entweder ist Rolf Giesen gerade auf dem Sprung nach China, oder er kommt gerade von dort. Seit zehn Jahren pendelt der 64-Jährige nun schon zwischen Berlin und Peking, wo er eine Professur für den Animationsfilm hat. Giesen ist international ein gefragter Experte auf dem Gebiet des Trickfilms und des fantastischen Films. Die größte Filmsammlung in Europa zu diesem Thema, die in der Stiftung Deutsche Kinemathek aufbewahrt wird, trägt seinen Namen. Zudem hat er selbst an zahlreichen Filmproduktionen mitgewirkt. "Lauras Sterne", "Der kleine Eisbär 2" oder "Asterix und Obelix - Operation Hinkelstein" tragen auch seine Handschrift als Drehbuchautor oder Produktionsüberwacher.

Begonnen hat diese denkwürdige Karriere in Moers, wo Giesen 1953 geboren wurde. Er erinnert sich noch gut an seine Jugend am Niederrhein, an seine Zeit als Ministrant in der Kirchengemeinde St. Josef, als Schüler am altsprachlichen Gymnasium Adolfinum, "wo ich das Glück hatte, auf einen hervorragenden Englischlehrer zu treffen, was im späteren Leben noch sehrnützlich werden sollte." Vor allem aber war da die Begegnung mit dem Kino: Auf der einen Seite im vom Studienrat Dr. Karl Rendenbach geleiteten Jugend-Filmclub, auf der anderen Seite in einem der zahlreichen Moerser Lichtspielshäuser. "Was viele heute nicht mehr wissen: Moers war, gemessen an seiner Größe, eine echte Kinostadt", sagt Giesen und listet Namen auf, die nur noch den älteren Bürgern der Stadt etwas sagen: das Central in Meerbeck, das Scala an der Kirschenallee, das Grafschafter, Das Residenz, das Rheingold oder das Kronen-Kino. ",Sindbads Siebente Reise' habe ich zum ersten Mal in Moers gesehen", erinnert sich Giesen. Zu diesem Film trug Ray Harryhausen die damals noch sensationellen Spezialeffekte bei. Jahre später sollte Giesen Harryhausens Werk die Ausstellung "Künstliche Welten" in der Deutschen Kinemathek widmen. Nach dem Abitur kehrt Giesen seiner Heimatstadt den Rücken.

Sein Ziel: West-Berlin. Zu jener Zeit war die Metropole für die kulturell interessierte und politisch antiautoritär ausgerichtete Moerser Jugend ein Magnet, zumal dort die Bundeswehr keinen Zugriff auf die Wehrdienstpflichtigen hatte. "Das war aber bei mir nicht der Grund", betont Giesen. "Wir hatten einfach damals schon Kontakte nach Berlin." Er studiert Soziologie und promoviert bei Peter Furth, dem Doktorvater Rudi Dutschkes. Das Thema von Giesens Arbeit sollte das Thema seines Lebens werden: Der fantastische Film, ein damals in Deutschland noch völlig unbekanntes Terrain. "Das war mein Glück", sagt Giesen. "So bin ich praktisch durch die Hintertür doch noch zum Film gekommen." Eigentlich habe er an der Film- und Fernsehakademie studieren wollen. "Doch der damalige Studienleiter hat mir gesagt, dass das völlig aussichtslos sei."

Anfang der 80er-Jahre bekommt Giesen, als er bei einer Schalplattenproduktion der Gruppe "Niagara" mitwirkt, einen Spitznamen, der ihm bis heute anhängt: "Dr. Horror". Eigentlich müsste es inzwischen heißen: "Professor Horror". Denn seitdem er 2007 vertretungsweise einen Lehrauftrag an der Universität von Peking übernahm, unterrichtet er Filmstudenten im Fernen Osten. In der Mandschurei baute er sogar das einzige Trickfilmmuseum des Landes auf. In den vergangenen zehn Jahren hat er die gesamte Region bereist. Auch sonst ist er in der Welt herumgekommen. Dabei hat er die Bestätigung für einen Satz von Hanns Dieter Hüsch gefunden: "Nirgends klingen die Glocken so metaphysisch wie am Niederrhein."

Quelle: RP
 
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