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Moers
Wiener Klassik in der Maschinenhalle

Moers: Wiener Klassik in der Maschinenhalle
Die Besetzung des Mercator-Ensembles ist die eines Serenadenquartetts zur Zeit der Wiener Klassik: Zwei Violinen (Matthias Bruns und Peter Bonk), eine Viola (Eva Maria lose) und ein Kontrabass (Hanno Fellermann). FOTO: Klaus Dieker
Moers. Vergleichsweise hohe Ticketpreise, ungewöhnlicher Termin: Nur rund ein Dutzend Besucher wollte das Mercator-Ensemble bei "Last Exit Moers" in Repelen sehen. Wer kam, war aber begeistert. Von Petra Riederer-Sitte

Walzerseligkeit, wo einst Maschinen stampften und dröhnten: Ein interessanter Ansatz, den das Festival "Last Exit Moers" präsentierte. Die Vorzeichen standen gut: Mit dem Mercator-Ensemble war ein ausgezeichnetes und beliebtes Ensemble zu Gast, und ein leichtes Klassikprogramm mit Wiener Musik ist normalerweise ein Garant für volles Haus.

Dass das Konzept an diesem Sonntag dennoch nicht aufging, lag vermutlich an der ungewöhnlichen Anfangszeit: Um 13 Uhr steht in vielen Familien noch der Sonntagsbraten auf dem Tisch oder wird beim Mittagsschläfchen verdaut. Am späteren Nachmittag, vielleicht gar in Verbindung mit Kaffee und Kuchen, hätte das Konzert sicher mehr Zuspruch erlebt. Und in dieser Form wären auch die Ticketpreise eher zu vertreten gewesen, die fast doppelt so hoch lagen wie die Eintrittspreise der Städtischen Konzerte im Martinstift. Letztlich kam nur rund ein Dutzend Besucher nach Repelen, um das Mercator-Ensemble in gewohnter Qualität und vor neuer Kulisse zu erleben.

Zum Glück sind die vier Musiker, für die ausverkaufte Säle die Regel sind, professionell und souverän genug, um sich von den leeren Stuhlreihen weder entmutigen noch die gute Laune nehmen zu lassen. "Wir freuen uns sehr, dass Sie so zahlreich erschienen sind", begrüßte Bassist Hanno Fellermann, der im lockeren Plauderton moderierte, die kleine Zuhörerschar mit einem Augenzwinkern. Kennern der hiesigen Musikszene ist die besondere Besetzung des Mercator-Ensembles mit zwei Violinen, einer Viola und einem Kontrabass vertraut, die der Besetzung des Serenadenquartetts zur Zeit der Wiener Klassik entspricht. Sie ergibt nicht nur ein orchestrales Klangbild, sondern bietet den Musikern auch die Möglichkeit, sehr vielseitig zu agieren. Und die ließen sich Hanno Fellermann und seine Mitstreiter Matthias Bruns (1. Violine), Peter Bonk (2. Violine) und Eva Maria Klose (Viola) auch diesmal nicht entgehen, wobei sie ihn "als Basis" nahmen für ein kurzweiliges Programm mit Wiener Schwerpunkt.

Was hätte besser zur Einstimmung in diese "spezielle Stimmung, diese Wehmut ohne Tränen" gepasst als Fritz Kreislers "Liebesfreud"? Schon nach den ersten Takten schwelgte das Publikum in Walzerseligkeit vom Feinsten - wunderbar duftig und elegant gespielt, doch nie mit zuviel musikalischem Zuckerguss überzogen. Ein stimmungsvoller Auftakt, der mit Haydns F-Dur-Quartett und einer Auswahl aus Schuberts Valses nobles wohlklingend fortgeführt wurde. Nach Joseph Lanners Walzer "Die Werber" leitete das Quartett mit Johann Strauß' "Tric Trac-Polka" munter in die Pause. Die zweite Konzerthälfte startete wieder mit Kreisler, bevor es musikalisch über den großen Teich ging zu George Gershwin und seinem Hit "Summertime". Ein paar "sehr tolle Stücke" von Cole Porter und ein Tango von Carlos Gardel unterhielten die Zuhörer, bevor die Musiker sich in der begeistert erklatschten Zugabe, Johann Schrammels "Wien bleibt Wien", zum Abschluss doch noch einmal zum Konzerttitel zurückkehrten.

Quelle: RP
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