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Moers
Wilde Formen und Farben in der Röhre

Moers: Wilde Formen und Farben in der Röhre
Der ehemalige Fotograf und Steiger Harald Gayk vor seinen Gemälden in der Röhre. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Harald Gayk stellt seine abstrakten Bilder in der Kulturkneipe aus. Der ehemalige Fotograf und Steiger hat sich das Malen selbst beigebracht. Von Peter Gottschlich

Harald Gayk taucht in eine musikalische Sphäre ein, wenn er malt. Während er Songs der Gruppe Pink Floyd, zum Beispiel "Shine on you crazy Diamonds", "Wish you were here" oder "The Wall", malt, streicht er mit dem Pinsel über die Leinwand. "Ich male spontan", sagt der 63-Jährige, der in Kamp-Lintfort wohnt. "Irgendwann sagt mir das Bild, was ich zu machen habe. Irgendwann sagt es mir: ,Hier fehlt noch ein roter Punkt.' Das ist irre." So entstehen "Abstrakte Welten", wie die aktuelle Ausstellung heißt, die seit Sonntag von der Kulturoffensive Moers in der Kulturkneipe Röhre präsentiert wird.

Abstrakt sind die Bilder immer, die er malt, beispielsweise die expressionistisch angehauchten, die er im letzten Jahr bei der Kulturinitiative Meiderich zeigte. Knalliges Rot und Grün, Gelb und Violett, Blau und Orange bestimmten die Leinwände, auf denen die Betrachter noch Gegenstände in ihrer abstrahierten Form entdecken konnten. "Formen und Farben" hieß der Titel. "Kräftige Farben sind für mich ein Muss", erklärte der Maler damals.

Bei den Bildern, die er in letzten zehn Monaten in Acryl und Ölfarbe für die Röhre malte, hat er den Anteil der Farbe reduziert. Er verwendet jetzt auch alle Schattierungen zwischen Grau und Schwarz, um knallfarbige Punkte, Striche oder Flächen noch stärker hervorzuheben. Im Unterschied zu seinen vergangenen Ausstellungen lässt er diesmal alle Formen hinter sich, so wie der Gitarrist David Gilmour und der Bassist Roger Waters, der Keyboarder Richard Wright und der Schlagzeuger Nick Mason alle Formen des Rocks hinter sich ließen, als sie 1974 zum ersten Mal den Song "Shine on you crazy Diamonds" spielten.

Damals war Harald Gayk für zwei Jahre Zeitsoldat und Fotograf bei der Luftwaffe in Kalkar, nachdem er 1973 beim Fotostudio Kaspar Krug in Kamp-Lintfort eine Fotografenlehre abgeschlossen hatte. Neben dem Fotografieren begann er mit dem Malen. "Ich wäre gerne Fotograf geblieben", blickt er auf die frühen 70er Jahre zurück, in der er einmal eine Fotoausstellung in der Röhre hatte. "Doch es gab nur Stellen für Reprofotografen, die sehr schlecht bezahlt waren."

So fing er beim Bergwerk "Friedrich Heinrich" als Hauer an, um später zum Steiger aufzusteigen. "Da hatte ich den Kopf nicht frei, zu fotografieren oder zu malen", sagt er. Die Freizeit widmete er seinem anderen Hobby. Er ist Fan von alten Peugeots, fährt einen 404 mit leichter Heckflosse aus dem Jahr 1965. Als er 2003 in den Vorruhestand ging, änderte sich das. "Ab 2007 habe ich das Malen intensiver betrieben", sagt er. "Ich bin Autodidakt. Als Fotograf habe ich natürlich einen Blick für Details und einen für das große Ganze entwickelt. Mit Farben zu experimentieren, reizt mich."

Die Betrachter können sich auf diese Experimente einlassen, mit den "Psychedelic-Bildern" in ihren Köpfen Stimmungen erzeugen und in fremde Sphären reisen, so wie mit der Musik.

Die Ausstellung "Abstrakte Welten" ist täglich bis zum 1. Juni in der Röhre, Weygoldstraße, Moers, während der Öffnungszeiten zu sehen.

Quelle: RP
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