| 00.00 Uhr

Moers
Windräder sollen ab Dezember Strom liefern

Moers: Windräder sollen ab Dezember Strom liefern
Oben: Teile eines Windrad-Turms liegen bereits an der Baustelle. Unten: Die Gondel eines Windrads, in der sich der Generator befindet, auf dem Weg nach Repelen. Von der Autobahn bis zur Baustelle wurde der Transport von der Polizei eskortiert. FOTO: Klaus Dieker (oben) / Enni
Moers. An der Verbandsstraße in Repelen errichtet die Enni ihre ersten eigenen Windkraftanlagen in der Region. Die Fundamente sind gebaut, derzeit werden die Bauelemente der Anlagen angeliefert. Eine logistische Herausforderung. Von Josef Pogorzalek

Die Hiobsbotschaft kam mitten in der Nacht. Ein Transport stecke irgendwo an einer Autobahn-Baustelle fest, hieß es. Stunden nervösen Wartens und Telefonierens vergingen, dann stand fest: Nochmal Glück gehabt. Immerhin einige der erwarteten Bauelemente für die Enni-Windkraftanlagen erreichten gestern zwischen 1 und 5.30 Uhr am frühen Morgen die Baustelle in Repelen. Die weiteren sollten - so die Verkehrsverhältnisse es zulassen - in der Nacht auf Mittwoch folgen.

Zwei Windräder errichtet die Enni auf einem Acker an der Verbandsstraße. Der Moerser Energieversorger hält Anteile an Windparks in Schottland und Brandenburg (Gollmitz). Eigene Anlagen in seiner Heimatregion hat er bisher aber nicht. "Darauf haben wir, genau wie bei der Solaranlage in Neukirchen-Vluyn, lange hingearbeitet", sagte gestern Pressesprecher Herbert Hornung. Seit drei Jahren laufen die Planungen. Mitte Dezember soll der erste "grüne Strom" aus Repelen ins Netz gespeist werden. Acht Millionen Kilowattstunden pro Jahr werden die beiden Anlagen produzieren, genug für 2400 Haushalte.

FOTO: Jörg Parsick-Mathieu

Der Hamburger Windenergieanlagen-Hersteller Senvion ist im Auftrag der Enni als Generalunternehmer tätig. Die Senvion bezieht die Bauteile von verschiedenen Lieferanten. "Die Flügel kommen aus Bremerhaven, die Nabe mit dem Generator aus Leipzig, die Nabe und die Turmteile aus Sachsen", schilderte Enni-Projektleiter Uwe Bruckschen. Die Transporte sind logistisch herausfordernd. Aufgrund von Überbreiten und Überlängen dürfen die Sattelschlepper nur nachts zwischen 22 und sechs Uhr auf die Straße. Nach Repelen kamen sie über die A42, die sie in Baerl verlassen mussten. Zwar liegt die Abfahrt Moers-Nord näher an der Baustelle, aber dort sei der Kurvenradius für die XXL-Fahrzeuge nicht geeignet. Die Polizei begleitete die Schwertransporter auf dem letzten Wegstück. Ein Schauspiel, für das eine beachtliche Gruppe von Schaulustigen auf ihre Nachtruhe verzichtete.

Die Baustelle liegt in Nachbarschaft zur Autobahn und einer Hochspannungsleitung. Die nächsten Wohnhäuser sind 700 Meter entfernt. Windkraftanlagen sind laut und werfen Schatten. Der Abstand zur Wohnbebauung ist deshalb bei der Genehmigung wichtig. Mit einer Gesamthöhe von 100 Metern bis zur Nabe und 146 bis zur Flügelspitze werden die Anlagen in Repelen vergleichsweise klein sein. "Es gibt Räder, die 200 Meter erreichen", sagte Bruckschen. Aber an diesem Standort war nicht mehr drin. Auch an den Schutz der Tierwelt wurde gedacht. Die Türme werden über "Horchboxen" verfügen, die das Ultraschallfiepsen von Fledermäusen registrieren. Eine Automatik schalte die Räder dann zeitweise nachts aus.

An der Baustelle an der Verbandsstraße ist bereits seit August Betrieb. Arbeiter haben zwei mächtige Betonfundamente gesetzt, jedes 16 Meter im Durchmesser, vier Meter tief und 1000 Tonnen schwer. Genug, um den jeweils 400 Tonnen Gewicht der Windkraftanlagen zu trotzen. Ihr eigentlicher Aufbau wird zügig vonstatten gehen, von vier Tagen sprach Uwe Bruckschen. Zeit ist Geld: Der Spezialkran, der eigens gemietet werden muss, sei sehr teuer.

Der Kran ist 112 Meter hoch und steht derzeit in Sachsen. Er kommt erst dann nach Repelen, wenn alle Bauelemente da sind. Laut Zeitplan werden die Teile der zweiten Windkraftanlage ab Freitag, bis Montag/Dienstag zur Baustelle gebracht.

Sechs Millionen Euro investiert die Enni in Repelen. Aufstellung und Betrieb von Windkraftanlagen rechneten sich nur deshalb, weil der Strom aus regenerativen Quellen gefördert werde, sagte Bruckschen. "Irgendwann bauen wir sie wieder zurück. So in 25 Jahren, wenn die Förderung abgelaufen und die Technik überholt ist."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers: Windräder sollen ab Dezember Strom liefern


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.