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Moers
Windtracker: Die stille Revolution aus Moers

Moers: Windtracker: Die stille Revolution aus Moers
Eine Zukunftsvision: Eine Wohnsiedlung, ausgestattet mit den in Moers entwickelten Windenergieanlagen. FOTO: Directtech
Moers. Die Firma Directtech ist mit einer neuartigen Windenergieanlage für den Katerva Award nominiert. Er gilt als "alternativer Nobelpreis". Von Josef Pogorzalek

Windenergie-Anlagen? Klar, die sind riesengroß und haben drei Rotoren. So sehen jedenfalls die weit verbreiteten Windräder aus. Es gibt aber auch andere. Der "Windtracker", den die Moerser Firma Directtech entwickelt hat, gewinnt Windenergie aus zwei vertikal, also senkrecht ausgerichteten Turbinen. Solche Anlagen könnten theoretisch auch bis zu 50 oder 60 Meter hoch sein, sagt Sylvia Böcker, Geschäftsführerin der Directtech. Aber das Unternehmen im Gewerbepark Hülsdonk verfolgt eine andere Strategie. Es hat Kleinturbinen entwickelt, die überall dort stehen können, wo für große Windräder kein Platz ist: Entlang von Bahngleisen, Grünstreifen, Straßen, bis hinein in Wohngebiete. "Wir denken dezentral. Die Energie wird dorthin gebracht, wo Menschen sie brauchen", sagt Böcker. Die Turbinen aus Moers drehen sich schon bei leichtem Wind und sind extrem ruhig. Die Directtech bezeichnet sie als "Silent Revolution". In Fachkreisen macht die "Stille Revolution" von sich reden: Die Directtech ist in den USA für den Katerva Award 2017 nominiert. Die renommierte Auszeichnung, die im April in San Diego (Kalifornien) vergeben wird, gilt als "Nobelpreis für Nachhaltigkeit".

20 Meter hoch ist der Windtracker, der bei der Firma Windtest in Grevenbroich inzwischen erfolgreich geprüft wurde. Je nach Standort könnte er genug Strom für zwei bis sechs Haushalte erzeugen. Eine Tüv-Zertifizierung bescheinigt der Directtech, dass ihre Entwicklung betriebs- und sicherheitstechnisch den Standards für Windenergieanlagen entspricht. Ein wichtiger Schritt für die Moerser nach rund siebenjähriger Entwicklung, die durch Investoren aus Abu Dhabi finanziert wurde. Böcker: "Jetzt können wir in die Vermarktung gehen." In Kooperation mit ThyssenKrupp entsteht in Duisburg die erste Serie der Windturbinen aus Moers.

Der Windtracker neben einer konventionellen Anlage auf dem Testfeld in Grevenbroich. FOTO: Directtech

Böcker und ihr neunköpfiges Team wollen und können den großen, zentralen Windparks keine Konkurrenz machen. "Wir verstehen unsere Anlagen als Ergänzung dazu." Die Vertikal-Turbinen lassen sich zum Beispiel mit Straßenlaternen oder Ladesäulen für Elektro-Fahrzeuge kombinieren. Und sie sind zum Aufbau selbstständiger kleinerer Stromnetze geeignet - zum Beispiel in abgeschiedenen Dörfern und entlegenen Gebieten fern der Elektrizitätsversorgung in Afrika. "Die Menschen können nicht jahrzehntelang warten, bis sie irgendwann das zentrale Stromnetz erreicht." Es gebe tatsächlich bereits Interesse aus afrikanischen und arabischen Ländern, wo die Moerser Technik im Rahmen einer Exportinitiative des Bundeswirtschaftsministeriums vorgestellt wurde. Ein erstes Pilotprojekt realisiert die Directtech aber in Birmingham, wo zwei ihrer Anlagen im Zuge der Restrukturierung eines Gewerbeparks aufgestellt werden. Und die schottischen Städte Glasgow, Edinburgh, Aberdeen, Perth, Dundee und Inverness prüften, ob die Windtracker aus Moers in ein gemeinsames Nachhaltigkeitskonzept integriert werden kann. "Was wir jetzt dringend brauchen, ist auch ein Modellprojekt in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen", sagt Sylvia Böcker. Gespräche mit dem Landesumweltministerium seien im Gange, auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Moers laufe gut. Noch sei die neue Technik aus Moers vergleichsweise teuer. "Das war die Photovoltaik vor 40 Jahren aber auch", sagt Sylvia Böcker. "Sie wurde am Anfang gesponsert." Die Vertikal-Windturbinen aus Moers ließen sich aber in Massen produzieren. Und mit der wachsenden Stückzahl werde der Preis sinken.

Quelle: RP
 
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