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Christoph Fleischhauer
"Wir sind eine Wohnstadt, und das ist gut so"

Christoph Fleischhauer: "Wir sind eine Wohnstadt, und das ist gut so"
Bürgermeister Christoph Fleischhauer macht sich Sorgen. Die Stadt muss in den kommenden drei Jahren jeweils 3,4 Millionen einsparen. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Der Moerser Bürgermeister im Gespräch - über Parkplätze in der Innenstadt, Zukunftsvisionen und das liebe Geld.

Herr Fleischhauer, wann haben Sie zuletzt einen Parkplatz in der Moerser Innenstadt gesucht?

Fleischhauer Das Problem habe ich selten, ich fahre fast immer mit dem Fahrrad.

Es gibt aber Autofahrer, die sagen, die Parksituation sei alles andere als optimal . . .

Fleischhauer Ich persönlich erlebe das nicht so. Das mag aber auch an dem Umstand liegen, wie ich hier in Moers mobil bin. Sicher ist: Wir haben jetzt eine empirische Erhebung, die uns klipp und klar nach wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten sagt, was Fakt ist. Das heißt nicht, dass wir das eins zu eins so umsetzen. Der Tenor, der sich für mich aus dem Gutachten abzeichnet, ist aber, dass wir genug Parkplätze in der Moerser Innenstadt haben, allerdings Optimierungsbedarf in der Bewirtschaftung und Ansiedlung besteht. Für mich persönlich ist auch klar, dass man für Parkplätze, die mitten in der Stadt liegen, auch viel Geld nehmen darf - auf jeden Fall mehr, als wir zurzeit verlangen. Das erlebe ich in allen anderen Städten ja auch.

Kritiker der Parksituation in Moers führen gerne das Centro Oberhausen als Beispiel an. Dort darf unbegrenzt kostenlos geparkt werden.

Fleischhauer In Oberhausen ist die Situation eine völlig andere. Das Centro ist eine privatwirtschaftlich organisierte Verkaufseinheit auf der grünen Wiese, wo jeder Kaufmann weiß, dass er von zehn bis 22 Uhr an sechs Tagen pro Woche von/bis und in den Adventszeiten von/bis auf haben muss. Das steht so im Vertrag. Diese Einflussmöglichkeiten haben wir hier in der Kommune nicht. Die Kunst ist es jetzt, diese fehlende Homogenität in der kaufmännischen Struktur im Rahmen einer kommunalen Entscheidung auszugleichen und zu harmonisieren. Das Parkgutachten kann dabei helfen.

Sie sprechen den Moerser Einzelhandel an. Der Werbering hat aktuell keinen handlungsfähigen Vorstand. Wie wichtig ist eine funktionierende Interessensvertretung der Geschäftsleute für die Stadt?

Fleischhauer Selbstverständlich hat eine Verwaltung gerne eine gebündelte Interessenwahrnehmung - egal, wie das Kind heißt. Wenn wir die nicht haben, also keinen Ansprechpartner in einer Person oder in einem Vorstand, dann ist das für uns immer schwieriger, weil uns die Individualinteressen dann nicht vorgesammelt und -bewertet vorgelegt werden.

Woran könnte es Ihrer Meinung nach liegen, dass der Werbering so in der Krise steckt?

Fleischhauer Durch die veränderten politischen Verhältnisse gibt es neue Sicherheitsmaßnahmen und -konzepte. Ob das alleine der Grund ist, kann ich nicht sagen, aber es ist auf jedem Fall ein Stein, der der Werbegemeinschaft in den Weg gelegt wurde.

Sprechen wir mal über Geld: Moers bekommt im Moment noch Unterstützung vom Land. Der aktuelle Haushalt war der letzte, bei dem mit der vollen Summe - 10,2 Millionen Euro - geplant werden konnte. In den kommenden drei Jahren gibt es jeweils 3,4 Millionen weniger. Das werden die Moerser zu spüren bekommen, oder?

Fleischhauer Diese Summe bereiten mir in der Tat viel Nachdenken, und das habe ich vor zwei Jahren auch schon in die Politik getragen. Ehrlich gesagt kann ich mir im Moment nur schwer vorstellen, wie wir die 3,4 Millionen in drei aufeinanderfolgenden Haushalten nur mit Sparmaßnahmen stemmen können. Dass wir das Ziel einhalten, halte ich für nicht realistisch. Gleichzeitig gehe ich aber auch davon aus, dass sowohl das Land, als auch der Bund erkannt haben, dass Kommunen strukturell nicht auskömmlich finanziert sind. Da tut sich etwas, und darauf müssen wir bauen.

Was ist mit Gewerbesteuereinnahmen? Beim Neujahrsempfang haben Sie die Vision vom "Silicon Moers" gezeichnet.

Fleischhauer Die Hoffnung, dass sich in diesem Bereich etwas tut, habe ich in der Tat, auch, wenn sich das in den nächsten drei Jahren wahrscheinlich nicht in der Dimension ausprägen wird, wie ich es mir wünsche. Die Vision vom "Silicon Moers" mag ja belächelt werden. Aber wenn man sich die Strukturen bezogen auf die gewerblichen Möglichkeiten und Flächen anschaut, dann können wir nur auf kleinflächige Unternehmen hoffen. Und wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wir offenbar die Auspendlerkommune schlechthin sind. Das kann man nämlich auch positiv interpretieren: Offensichtlich sind wir eine Stadt, die jede Menge Lebensqualität vermittelt - mit Kultur, Sport und allem, was dazu gehört. Die Bezeichnung "Wohnstadt" ist für mich deshalb ein Prädikat.

JULIA HAGENACKER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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