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Moers
"Wir wollen ernstgenommen werden"

Moers: "Wir wollen ernstgenommen werden"
Karin Walter, Stephan Krüger, Christian Hommel und Wolfgang Schwelm haben an den Plänen für das neue Nahversorgungszentrum in Utfort einiges auszusetzen. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Die Stadt soll vom Edeka-Center in Utfort profitieren. Doch viele Anwohner befürchten, dass dies zu ihren Lasten geht. Sie möchten bei der Planung mitreden. Bis heute sind die Pläne im Rathaus zur Einsicht ausgelegt. Von Josef Pogorzalek

Heute noch liegen die Pläne für das neue Utforter Edeka-Center im Rathaus aus. Bis heute dürfen Bürger dazu ihre Anregungen und Einwände zu Protokoll geben. Viele künftige Nachbarn des Einkaufszentrums haben dies bereits in den vergangenen Wochen getan. Blickten sie bisher auf eine Wald- und Grünfläche, so droht ihnen nun die Aussicht auf Asphalt, Beton, mehrstöckige Bürogebäude und Parkhäuser. Edeka möchte nicht nur ein Vorzeige-Einkaufszentrum errichten, sondern auch seine Verwaltung in Utfort konzentrieren. Die Politik hat die Pläne für gut befunden. Moers soll profitieren. Anwohner fürchten aber, dass ihre Interessen auf der Strecke bleiben.

Manche lehnen die Planung ganz ab, andere streben eine "Schadensbegrenzung" an. "Wir wollen konstruktiv damit umgehen", versichert Karin Walter, die an der Rheinpreußenstraße wohnt. Das Projekt sei eh nicht zu verhindern. Zu den Kritikpunkten zählt das mehrstöckige Parkhaus für mehrere Hundert Edeka-Verwaltungsmitarbeiter, das an den Gärten der Anwohner stehen wird. "Es muss möglichst tief in den Boden gebaut werden", fordert sie. Noch lieber sähen es die Nachbarn, wenn statt des Parkhauses unter dem Kundenparkplatz eine Tiefgarage entstünde. "Es kann nicht sein, dass darauf aus Kostengründen verzichtet wird", findet Wolfgang Schwelm. Dass es laut wird, noch lauter als jetzt, befürchten viele. Schon jetzt gehöre der Lärm der Rheinberger Straße und der benachbarten Bahnstrecke zum Alltag. Und ein nah gelegener Sportschützenverein dürfe sogar sonntags üben, sagt Stephan Krüger von der Wittfeldstraße. Dass ein Politiker in einem Aussschuss gesagt habe, die Anwohner seien "verwöhnt", empfindet er als Hohn. "Man nimmt unsere Sorgen nicht ernst." Die Enttäuschung über die Ratsfraktionen ist groß. Eine Liste der Einwände und Anregungen, die an die Stadt übermittelt wurde, sei auch an die Parteien gegangen. "Die Reaktion war gleich null", sagt Karin Walter.

Dagegen bemühten sich der Technische Dezernent Thorsten Kamp und Martin Dabrock vom Fachbereich Stadtentwicklung, die Anlieger "mitzunehmen". Eine echte Bürgerinformation und -beteiligung stellen sich die Leute jedoch anders vor. "Wir sind die Statisten, um einen Verwaltungsakt rechtfertigen zu können", sagt Schwelm.

Beispiel: ein Informationsabend Anfang April, wo etwa Nachfragen zum Verkehrsaufkommen mit Hinweis auf ausstehende Untersuchungen abgebügelt wurden. "Natürlich kann man einschätzen, wie viele Autos erwartet werden", ist Christian Hommel überzeugt. Schon heute wälzen sich Blechlawinen über die Rheinberger Straße. Die Sorge, dass das Edeka-Center zum Verkehrskollaps führt, ist verständlich. Dass drei Zufahrten auf das Gelände vorgesehen sind (eine für Liefer-Lkw, eine zum Verwaltungs-Parkhaus, eine zum Kundenparkplatz) kann Karin Walter nicht nachvollziehen. Sollen drei Ampelanlagen errichtet werden? "Dann herrscht auf der ganzen Rheinberger Straße Stillstand."

Nicht zuletzt möchten die Anwohner bei der Gestaltung der Grünanlage rund um das Edeka-Center mitreden und einen naturnahen, dichten Sichtschutz anlegen. Dass ein Grünzug geopfert werde, der bislang als wertvoll für das Stadtklima galt, sei ein Unding. "Zumindest von den Grünen hätten wir einen Aufschrei der Empörung erwartet", sagt Karin Walter. Das gehört zu den Merkwürdigkeiten, die Kritiker sehen. Wie die Tatsache, dass am grünen Tisch eine Unterversorgung des Stadtgebiets festgestellt worden sei, ohne Bürger zu fragen, und dass ein Einzelhandelsgutachten plötzlich genau das als gut für Moers befinde, was Edeka als Vorzeigeprojekt plane. "Es könnte auch zu einem Vorzeigeprojekt der Stadt für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Interessengruppen werden", findet Schwelm. Doch davon sei das Verfahren weit entfernt.

Quelle: RP
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