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Moers
Wolf führt Mercator in Campus-Epoche

Moers. Gestern hat sich der künftige neue Schulleiter des Mercator-Berufskollegs im Schulausschuss des Kreises vorgestellt. Von Jürgen Stock

Es war ein langer Kampf, und zum Schluss wurde er verloren. Jahrelang hatte Dr. Oliver Wolf als Stellvertreter von Schulleiter Herbert Beck gegen den Neubau des Berufsschul-Campus an der Repelener Straße argumentiert. Zum Schluss entscheid der Kreistag anders. Dennoch ist bei Wolf keine Bitterkeit festzustellen. "Das war ein demokratischer Prozess. Jetzt blicken wir nach vorne", sagt der 52-Jährige, der zum 1. Februar 2017 Beck als Schulleiter ablösen wird. Gestern stellte er den Mitgliedern des Schulausschusses im Weseler Kreishaus seine Ideen vor.

Vor allem für die Verwaltungsleute dürfte vieles von dem, was Wolf dort zum neuen Campus-Projekt vortrug, nicht neu sein. "Wir stehen in ständigem Austausch. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut", sagt der designierte Schulleiter. Wenn er von seinem Schreibtisch im Moerser Mercator-Berufskolleg aufblickt sieht er direkt auf die Pläne für den neuen Berufsschul-Campus, in dem auch das Mercator-Kolleg ab dem Herbst 2020 aufgehen soll. Mit dem Riesenprojekt, das er wie viele an seiner Schule für zu teuer und verkehrstechnisch problematisch hielt, hat er sich offenbar nicht nur abgefunden. So engagiert wie er sich zuvor für das alte Mercator-Kolleg eingesetzt hat, so vehement wirft sich der Wirtschaftswissenschaftler nun für das neue Projekt in die Bresche. Seine Verbesserungsvorschläge will er nicht als Kritik, sondern als Denkanstöße vestanden wissen. So findet er, dass die Gänge mit 2,16 Meter zu eng sind, obwohl sie innerhalb der Norm liegen. Er weist darauf hin, dass das Mercator-Kolleg allein 180 Schüler mehr unterrichte als im Schulentwicklungsplan vorgesehen gewesen sei. "Deshalb brauchen wir im neuen Campus ein Raumsynergiekonzept", sagt er. Auch die Idee der Architekten, statt einer Aula ein offenes Forum zu bauen, müsse noch einmal überdacht werden. So müssten etwa Möglichkeiten geschaffen werden, den Bereich nach außen hin abzuschließen und zu verdunkeln. Das sind Auseinandersetzungen um Detailfragen und hat nichts mehr mit jener Fundamentalopposition zu tun, mit der das Mercator-Kollegium gegen die Campus-Pläne eiferte. "Für mich ist das Projekt auch eine einmalige Gestaltungs-Chance. So etwas reizt mich", sagt Wolf. Gleichzeitig bleibt er aber Pädagoge mit Leib und Seele. "Wir dürfen nicht das Kerngeschäft vernachlässigen", sagt er. "Das Kerngeschäft" - das ist der Unterricht für derzeit 2341 Schüler, von denen 1600 Auszubildende sind, die bei 950 Betrieben des Niederrheins ihre Lehre machen.

Der neue Schulleiter verspricht einen teamorientierten Führungsstil, macht aber auch seine Prinzipien klar. "Überflüssigen Schnickschnack", wie er sagt, will er über Bord werfen. Dafür setzt er auf eine solide Wissensvermittlung und den Ausbau kultureller Grundfähigkeiten. Dazu gehört für ihn nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch der zivile Umgang miteinander. Gerade in diesem Punkt sieht er seine Schule jetzt schon gut aufgestellt: "Das bestätigen mir auch immer wieder Schüler, die von anderen Schulen kommen."

Führend ist das Mercator-Kolleg auch bei der Integration von Asylbewerbern. 40 junge Flüchtlinge werden in zwei speziellen Klassen unterrichtet. Dass an der Schule ein ganz besondere Geist herrscht, konnte man feststellen, als die Schulleitung Freiwillige zur Betreuung der Kinder und Jugendlichen suchte. Wolf: "Nicht weniger als 20 Kolleginnen und Kollegen haben sich damals spontan gemeldet."

Quelle: RP
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