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Moers
Yetim fordert neuen Hoppeditz

Moers: Yetim fordert neuen Hoppeditz
Reiner Schmitz als Hoppeditz bei einer früheren Sitzung. Immer mehr Moerser Karnevalsakteure distanzieren sich von Schmitz, der auch Schatzmeister der Seniorenunion ist. FOTO: kdi
Moers. Der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim fordert die Ablösung von Hoppeditz Reiner Schmitz bei der KG Humorica für 2017. Amar Azzoug vom Bunten Tisch akzeptiert die Humorica-Erklärung nicht und gibt den Schlossorden zurück. Von Jürgen Stock

Die Affäre um den umstrittenen Auftritt von Hoppeditz Reiner Schmitz bei der Karnevalsgesellschaft Humorica zieht Kreise. Gestern kündigte Amar Azzoug, Vorsitzender des Bunten Tisches, an, dass er seinen Schlossorden zurückgeben werde. Er hatte die Auszeichnung wegen seiner Verdienste um die Flüchtlingshilfe erhalten. Gleichzeitig brach Hoppeditz Reiner Schmitz sein dreitägiges Schweigen und nahm erstmals zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung: "Die Rheinische Post veranstaltet ein Kesseltreiben gegen einen kleinen Karnevalisten", sagte er. "Ich bin nicht fremdenfeindlich." Schmitz hatte mit Reimen über Asylanten Befremden und Empörung ausgelöst.

Auch der Empfang im Rathaus für das neue Moerser Prinzenpaar Klaus II. und Prinzessin Jenny I. (Klaus und Jenny Saalfeld) war von der Debatte um die Hoppeditz-Rede überschattet. Ibrahim Yetim (SPD), Vorsitzender des Integrationsausschusses im Landtag und Senator der Humorica forderte als Stellvertreter von Bürgermeister Christoph Fleischhauer eine Entschuldigung von Schmitz und eine klare Haltung der Humorica: "Karneval kann manchmal intelligent und manchmal auch total daneben sein. Er darf aber niemals volksverhetzend und verletzend sein. Wir alle machen mal Fehler. Aber die Äußerungen von Schmitz waren wohlüberlegt."

Er erinnerte an das Ende der Hoppeditz-Rede, in der Schmitz gesagt hat, dass er ausspreche, was alle denken: "Ich bin überzeugt, dass die meisten Moerser nicht so denken." Er hoffe jedenfalls, dass es in der nächsten Session einen anderen Hoppeditz gebe. Entsprechende Signale aus den Reihen der Humorica gebe es bereits. Allerdings sollten die Schlossordensträger, die sich nun in "Aufruhr" befänden, die Sache erst mal sacken lassen.

Ibrahim Yetim (SPD) beim Empfang gestern Abend mit dem aktuellen Prinzenpaar Klaus II. und Prinzessin Jenny I.. FOTO: Klaus Dieker

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Brohl distanzierte sich indirekt von den in Reimen vorgetragenen Äußerungen Schmitz': "Wir sind gefordert, aber nicht überfordert.(...) Und im Umgang mit Flüchtlingen gilt für mich das Grundgesetz, insbesondere der Artikel 1, die Würde jedes einzelnen Menschens und das christliche Menschenbild sowie die Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit gegen jedermann."

Amar Azzoug nannte "moralisch-ethische" Gründe für die Zurückgabe des Schlossorden. "Die Äußerungen von Schmitz sind menschenverachtend. Hier werden Hemmschwellen gesenkt, da muss man einfach Zeichen setzen. Zudem empfinde ich die Äußerungen von Humorica-Präsident Eichner nicht als Entschuldigung."

Reiner Schmitz dagegen kann die Aufregung um seine Rede nicht verstehen: "Ich hab als Karnevalist nur Dinge etwas zugespitzt. Das muss doch wohl noch erlaubt sein. Wenn man regelmäßig den Mainzer Karneval verfolgt, dann bekommt man noch ganz andere Dinge zu hören."

Erstmals stellte er gestern unserer Redaktion den kompletten Redetext zum Nachlesen zur Verfügung. Eine entsprechende Bitte hatte er noch am Mittwoch entrüstet abgelehnt. Ebenso wenig war er damals bereit, zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung zu nehmen.

Als Begründung für sein tagelanges Schweigen führt er an, er sei empört gewesen, dass man ihm Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen habe. "Ich habe aber damals nicht absehen können, welche Auswirkungen der Bericht in der RP haben würde."

Tatsächlich ist der Vortrag über weite Strecken relativ unverfänglich - mit den üblichen Spitzen gegen lokale und überregionale Politprominenz. Sogar Schmitz' Parteifreund Ingo Brohl bekommt sein Fett weg. Die Sticheleien über die Ausgabenpolitiker der Ratsmehrheit in Zusammenhang mit dem Moers-Festival können ebenfalls kaum Anlass für Kritik an der Rede bieten. Erstaunlicherweise hatte Humorica-Präsident Lothar Eichner auch diese Passagen in der Hoppeditz-Rede genannt, als er sich am Donnerstag mit einer Presseerklärung von Schmitz distanzierte.

Allerdings steht der Hoppeditz auch weiterhin zu jenen Passagen (siehe rechts oben stehenden Kasten), in denen er vor einer "schleichenden Überfremdung" warnt und in Zusammenhang mit "Asylanten" auf Gefahren hinweist, "die an jeder Ecke" lauerten. Er habe nur die Fakten benannt, führte Schmitz in einem Gespräch mit unserer Redaktion aus. "Keineswegs habe ich jemanden beleidigt oder verunglimpft." Daher sehe er auch keinen Grund, sich zu entschuldigen.

Als besonders verwerflich empfindet Schmitz, dass unsere Redaktion im Zusammenhang mit der Berichterstattung über seine Rede erwähnt hatte, dass er Vorstandsmitglied der Senioren-Union ist: "Das ist eine Riesen-Sauerei." Das eine habe nichts mit dem anderen zu tun.

Trotz des Ärgers will der 78-Jährige auch weiterhin den Hoppeditz geben: "Ich habe mir ja nichts vorzuwerfen." Auch mit der Tatsache, dass sich Humorica-Präsident Eichner von ihm distanziert hatte, habe er keine Probleme: "Das klären wir intern."

Quelle: RP
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