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Moers
Zeitreisende zu Gast im Moerser Schloss

Moers: Zeitreisende zu Gast im Moerser Schloss
Steampunks gestern vor dem Moerser Schloss. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Eine Schar von "Steampunks" stattete dem Grafschafter Museum einen Besuch ab und ließ sich in vollem Fantasy-Ornat durch die Ausstellung führen. Weltweites Netzwerk spinnt auch am Niederrhein. Von Jutta Langhoff

Sie sehen aus wie aus einem Jules Verne-Roman entsprungen und nennen sich selbst "Zeitreisende" - eine Gruppe von sogenannten "Steampunks" hat sich gestern zu einer besonderen Zeitreise am Moerser Schloss getroffen.

Die Steampunk-Bewegung entstand in den 1980er Jahren und kombiniert die Leidenschaft für Fantasy und Science Fiction mit Spaß an Dampf- und Zahnradbetriebener Mechanik und dem Kleidungsstil des viktorianischen Zeitalters. Jüngst waren Mitglieder der Bewegung zu Gast beim Fun-Tasia -Festival in Neukirchen-Vluyn.

Museumsführerin Monika Hanewinkel führte rund 50 skurril gewandete Herrschaften durch die Ausstellung. Damen in rauschenden, viktorianischen Roben und Herren in Frack und Zylinder gaben ein passendes Bild in den alt-ehrwürdigen Räumen ab. Bei genauem Hinsehen konnte man weitere Elemente erkennen, die für die Steampunk-Bewegung typisch sind: kupferne oder chromglänzende Metallelemente, Taschenuhren und kreisrunde Schutzbrillen, sogenannte Goggles. Hinzu kommen zahllose Details, die den kreativen, selbst gestalteten Kostümen ihren individuellen Charakter geben.

Loreena von Stern ist der Künstlername der Organisatorin. Die Kamp-Lintforterin reist als Luftpiratin zum Schloss: Zu einem Original-Kleid im Charleston-Stil von 1910 kombiniert sie ein Lederkorsett und eine weiße, kunstvoll geraffte Tournüre. Am Gürtel baumeln Taschenuhr, Kompass und Fellschal, um den Hals hat sie ein Fernglas und auf dem Rücken ein ledernes Reisetäschchen. Auf dem Kopf dürfen Lederkappe und die Fliegerbrille nicht fehlen.

Sie verfolgt diesen besonderen Lebensstil bereits seit Beginn der Bewegung. "Vor 30 Jahren gehörte ich zu den sogenannten Gruftis, liebte immer schon den Wave- und Gothik-Stil. Heute bin ich Teil eines weltweiten Netzwerks, das sich auf diversen Veranstaltungen trifft und austauscht, beispielsweise bei der Steampunk-Convention "Anno 1900" in Luxemburg."

Sich immer wieder neuen "Gewandungen" auszudenken, sie selber herzustellen und zu zeigen, das sei ein Reiz dieses Hobbys. Außerdem könne man herrlich die Seele baumeln lassen und einfach aus dem Alltag abheben, so die Initiatorin des Treffens, zu dem Menschen aus ganz NRW nach Moers gekommen waren.

Ein Steampunk-Fan, der sich in die Rolle eines Forschers und Erfinders aus dem Jahr 1886 begeben hat, kommt aus dem beschaulichen Rheurdt. Er ist erst seit Kurzem auf den Geschmack dieses Hobbys gekommen.

Anlass war der Steampunk-Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle in Bochum. Auf dem Rücken trägt er eine Konstruktion mit zwei Kupferröhren, die mit einem ebenfalls kupfernen Spazierstock verbunden ist. "Fluxkompensator 1.0" nennt er seine dampfbetriebene Zeitmaschine in Anlehnung an den Film "Zurück in die Zukunft".

Neben Weste und Anzug trägt er eine Melone mit der obligatorischen Goggle-Brille auf dem Kopf. Überall blinken geheimnisvolle grüne und rote Lichter. Dass es sich dabei um LEDs handelt, darf man eigentlich nicht so laut sagen. Das Tüfteln und Basteln "mit allem, was Baumarkt und Trödel hergeben" mache ihm riesigen Spaß. Bei ihrem Spaziergang durch die Stadt erntete die Gruppe bewundernde Blicke. Ziel war das Café Mehrhoff, wo bei Kaffee und Kuchen über weitere Ziele von Zeitreisen geplaudert wurde.

Im Geschenkeladen "Villa Wölkchen" konnten insbesondere die Damen ihrer Vorliebe für fantasievolle antiquarische Dekorationen frönen.

Quelle: RP
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