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Moers
Zigeunerlieder in der Moerser Stadtkirche

Moers: Zigeunerlieder in der Moerser Stadtkirche
Csárdás, Puszta und Paprika: Markus Reinhardt brachte mit seinem Ensemble die feurige Musik in die Moerser Stadtkirche. Der Künstler ist der Neffe von Django Reinhardt. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Markus Reinhardt, Neffe des bekannten Gitarristen Django Reinhardt, gastierte am Sonntag mit seinem Programm "Zigeunerschnitzel" in der Moerser Stadtkirche. Stella Louise Göke begleitete ihn. Von Jutta Langhoff

"Genießen Sie an diesem Nachmittag Csárdás, Puszta und Paprika! Und sagen Sie ruhig 'Zigeuner'! Haben Sie keine Scheu!" Markus Reinhardt, der Neffe des berühmten, Sinti-Gitarristen Django Reinhardt, darf das sagen und dabei sogar stolz auf diese Bezeichnung sein, denn auch er ist - wie einst sein Onkel - ein begabter Musiker. Dass sein leider nur gut 60-minütiges, von der jungen Sängerin Stella Louise Göke mitgestaltete Konzert am Sonntag in der Moerser Stadtkirche dennoch provokativ-ironisch mit dem Titel "Zigeunerschnitzel?!" benannt war, hatte geschichtliche Gründe.

Django Reinhardt war als Angehöriger der elsässischen Sinti-Gemeinschaft "Manouche" nur wegen seines virtuosen Gitarrenspiels von den rassistischen Säuberungen des einstigen Naziregimes verschont geblieben, was viele Menschen heute noch dazu veranlasst, das Wort "Zigeuner" in jeder Form verschämt zu vermeiden. Die sentimental-temperamentvollen Lieder und Tänze der heute "Roma" und "Sinti" genannten Familienverbände konnte Hitler dennoch nicht zerstören, wie Markus Reinhardt am Sonntag eindrucksvoll bewies. Unterstützt von seinen drei langjährigen Musikerkollegen, dem Sologitarristen Soltan Pyski, Christoph Kosalski am Bass und Janko Wiegand an der Rhythmusgitarre spielte er mit seiner Geige neben traditionell geprägten Zigeunerweisen natürlich diverse Kompositionen seines berühmten Onkels. Darüber hinaus durften sich die Besucher an diesem Nachmittag aber auch über einige, von der jungen Moerser Sängerin Stella-Louise Göke vorgetragene Operettenmelodien und Chansons zum Thema freuen. So sang sie zum Beispiel, von Markus Reinhardt und seinen Musikerkollegen sympathisch zurückhaltend begleitet die Arie "Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust" aus der bekannten Robert-Stolz-Operette "Venus in Seide" und das nicht weniger bekannte Lied "In dieser Stadt bin ich zu Haus" von Hildegard Knef, die für ihre Konzerte oft gezielt Zigeunerkapellen engagieren ließ.

Daneben gab es alte Festlieder vor allem aus der ungarischen Csárdás-Tradition, deren Weisen zunächst leise und sentimental begannen, dann aber unverhofft in fröhliche, temperamentvolle Rhythmen übergingen. "Ihr braucht nicht zu weinen, wenn wir den Csárdás langsam spielen, aber wenn es schneller wird, dürft ihr ruhig dazu klatschen", kommentierte Markus Reinhardt diesen Teil des Konzertes vorab mit einem verschmitzten Lächeln. Einer Aufforderung, der das Publikum allerdings erst bei der abschließenden Zugabe nachkam, nachdem er seine Geige zunächst minutenlang ganz leise wie einen Vogel hatte zwitschern lassen, um das sonntägliche Konzert dann zum Schluss mit einem musikalischen Temperamentsausbruch unter begeistertem Publikumsapplaus endgültig enden lassen.

Quelle: RP
 
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