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Mittendrin Im Weihnachtsgeschäft
Zum Fest wird ein guter Schnitt gemacht

Moers. Die Weihnachtsvorbereitungen gehen in die heiße Phase, und die RP war dort, wo es besonders brennt. Heute: Fleischerei. Von Stefan Gilsbach

Moers Wenn Fleischermeister Christoph Santer von seinen Kunden außergewöhnliche Bestellungen erhält, dann weiß er a) dass Weihnachten nahe ist und b) dass wieder einmal eine Kochshow im Fernsehen eine Empfehlung unters Genießervolk gebracht hat. So auch in diesem Jahr: "Die Leute fragen zurzeit vor allem nach Kalbs- oder Ochsenbäckchen", berichtet der 57-Jährige. So etwas sei schon seit Ewigkeiten nicht mehr nachgefragt worden. Lange galten solche Stücke vielen Deutschen als "i-bäh". Nun werden sie wiederentdeckt. Das Fernsehen setzt die Trends, der Handel reagiert.

In der Wurstküche stehen der Kutter, die Wurstmaschine und natürlich die Arbeitsbretter, auf denen ausgelöst wird. An der Decke hängen die rußschwarzen Stöcke mit Wurst, der typische Geruch aus der Räucherkammer ist unverkennbar. Für Veganer wäre das hier kein Aufenthalt, doch die vielen Aufträge vor Weihnachten belegen, dass die Deutschen noch lange kein Volk von Pflanzenessern sind.

Denn die Tage vor Weihnachten sind für Santer und sein achtköpfiges Team die wohl stressigste Zeit des Jahres. In der Wurstküche sind überall die Zettel mit den aktuellen Bestellungen zu lesen. "Nur das Ausliefern der Ware haben wir eingeschränkt", sagt Christoph Santer. Dann müsse man für die Saison zusätzliche Kräfte einstellen, das rentiere sich unterm Strich nicht.

Der Großvater Santer hat die Familientradition der Fleischerei begründet. "Das Geschäft war damals noch an der Cäcilienstraße in Scherpenberg", berichtet der Enkelsohn. In den 50 Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand dann das heutige Geschäft mit Laden und Produktion an der Hülsdonker Straße. Obwohl die Zeiten für die traditionellen Familienbetriebe im Metzgereigewerbe nicht rosig sind, zeigt sich Santer zufrieden. "Wir haben zum Glück unsere Stammkundschaft, und außerdem ist unsere Lage gut." Aus dem nahen Gewerbegebiet kämen häufig Kunden. Die Metzgerei bietet auch Snacks für die Mittagspause an, Frikadellen zum Beispiel. Außerdem schätzten die Kunden die Beratung im Fachgeschäft. Überhaupt ist der Handwerkermeister überzeugt, dass der Einkauf beim ausgewiesenen Fachmann immer der beste ist: "Wer Geflügel kaufen möchte, sollte zum Geflügelhändler gehen, wer Fisch kauft, zum Fischhändler."

Früher habe er noch selber geschlachtet, sagt Christoph Santer. Er kann sich noch an Zeiten erinnern, als man das Schlachtvieh von den Bauernhöfen holte. Regional sind die Waren immer noch, versichert der Metzger. Der Schlachthof ist allerdings schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts größtenteils abgerissen worden; was übrig blieb, steht unter Denkmalschutz. Auch das ein Symbol für die Veränderungen im Fleischerhandwerk in den jüngsten Jahrzehnten.

Und nun die unvermeidliche Frage: Was landet bei Santers selbst an Heiligeabend auf dem Teller? Etwa auch Kalbsbäckchen? "Extra Brühwürstchen mit Kartoffelsalat, dazu Mettschnittchen", schildert Santer das deftige Menü. Und Philipp Mattus, der Auszubildende, erklärt: "Bei meiner Oma gibt's zu Weihnachten immer Pute."

Quelle: RP
 
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