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Moers
Zwei Sieger beim Poetry Slam im Bollwerk 107

Moers. Nach drei Jahren Poetry Slam-Abstinenz im Bollwerk 107 fand jetzt vor ausverkauftem Haus der langersehnte Dichterwettstreit wieder statt. Acht Teilnehmer, von denen nur sechs kamen, sollten sich dabei einem fachkundigen Publikum und einer sich daraus rekrutierenden Jury stellen. Moderiert wurde der Abend von den szenebekannten Markim Pause und Christine Brinkmann. Sieger wurden gleich zwei Slammerinnen: Sandra Da Vinci und Felicitas Friedrich. Von Olaf Reifegerste

"Hier wird nicht vorgelesen, sondern gegeneinander gelesen", verkündete Pauseden tieferen Sinn solcher Literaturschlachten. Und: Poetry Slam sei im Übrigen noch geiler als Demokratie, so der niederrheinische Autor und Conférencier, weil die Rolle des Publikums noch direkter und unmittelbarer auf das Ergebnis einwirken könne. "Denn wer Sieger wird, entscheidet ausschließlich das Publikum."

Die aus Essen stammende 27-jährige Sandra Da Vina legte vor - mit einem "traurigen emotionalen Text", wie sie ihn irreführend ankündigte. Denn dieser entpuppte sich als das genaue Gegenteil, nämlich als ein selbstironischer bis tragikomischer Vortrag über die schonungslose Inaugenscheinnahme ihres eigenen Körpers in einer "H&M-Umkleidekabine" - frei nach dem Motto: "Die Schöpfung kann so grausam sein." Ihr folgte die nicht minder sprachlich und sprecherisch begabte, noch junge Masha ter Veer aus Erkrath bei Düsseldorf. Sie schreibt gerne über andere Personen und trug ihren tiefgründigen Text im Gegenteil zur Vorrednerin frei vor.

Mit dem ehemaligen Bollwerk-Slam-Moderator Sascha Matesic, alias Sushi da Slamfish, stieg dann der erste Mann in den Dichterring und trug in seiner unnachahmlichen Art einen Text vor, der auch unter Wasser atmen könne, wie er zu sagen pflegte. Als mit Felicitas Friedrich, der 1992 in Essen gebürtigen und inzwischen in Bochum wohnenden Slammerin, erneut ein lyrischer Text über das Menschsein ("Ich trag dich im Herzen") frei vortragend zelebriert wurde, war vielen im Saal klar, dass diese Kandidatin es noch sehr weit bringen würde.

Selbst als mit der Moerserin Alexandra Schollmeier noch einmal Lokalkolorit auf die Bühne kam und mit dem Ältesten in der Runde, Michael Schumacher, ein zweiter Mann in den Ring stieg, die Sieger waren abzusehen: Sandra Da Vinci und Felicitas Friedrich.

Quelle: RP
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