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Serie Rheinische Post Und Volksbank Niederrhein Präsentieren Handwerk 4.0
"Zweithaar" für Krebspatienten

Serie Rheinische Post Und Volksbank Niederrhein Präsentieren Handwerk 4.0: "Zweithaar" für Krebspatienten
Friseurin und Perückenmacherin Dagmar von Leski mit Mitarbeiterin Daniela Cau. FOTO: Klaus Dieker
Moers. In Schwafheim betreibt Friseurmeisterin Dagmar von Leski ein "Zweithaarstudio". Dort berät sie Kundinnen, die eine Perücke brauchen. Von der Digitalisierung wird ihr Geschäft kaum berührt. Von Anna Lena Lipka

Moers Dagmar von Leski versucht, das Wort "Perücke" zu vermeiden: "Zweithaar" klinge schöner. Ihr ist es sehr wichtig, dass das "Zweithaar", das sie ihren Kundinnen verkauft, unauffällig ist und natürlich aussieht. "Die Gesellschaft darf nicht sehen, dass es eine Perücke ist." Deshalb müssen Proportionen, Frisur und Farbe stimmen. Dafür greift sie auch schon mal zur Schere. Angst, dass sie dabei einen Fehler macht, hat sie nicht. Obwohl das Zweithaar nicht nachwachsen kann, hat sie nie darüber nachgedacht. Es sei nicht anders, als echtes Haar zu schneiden, sagt sie. Die Kundinnen auf der Suche nach dem richtigen Zweithaar zu unterstützen, findet sie beruflich und persönlich erfüllender als normales Haareschneiden in ihrem Friseursalon: "Es ist eine Herausforderung."

Im Jahr 1998 hat Dagmar von Leski ihre Friseurmeisterprüfung abgelegt, seit 1999 ist sie selbständig. 2014 hat sie die "Präqualifizierung als Hilfsmittelerbringer" erhalten, die Erlaubnis, ein Zweithaarstudio zu betreiben. Etwa 90 Prozent der Kundinnen sind Krebspatienten, die wegen der Chemotherapie ihre Haare verlieren. Sie bekommen ein Rezept von ihrer Krankenkasse für ein Zweithaar und gehen dann zum Beispiel zu Dagmar von Leski. Die Friseurmeisterin berät sie, bestellt die ausgesuchten Perücken (es sind immer mehrere, bis zu zwölf), macht die Anprobe, schneidet das Zweithaar, wenn das nötig ist, und weist die Kundinnen in die Pflege eines solchen ein. Als Service reinigt sie die Perücken ihrer Kundinnen, außerdem macht sie die Abrechnung mit der Krankenkasse.

Und die Digitalisierung? "Digitalisierung?", fragt Dagmar von Leski. "Natürlich kann man sich was im Internet bestellen", sagt Daniela Cau, "aber wie sieht das dann aus?" Sie erzählt, sie habe kürzlich eine Frau mit einer hochwertigen Perücke gesehen, die aber nicht passte. Ihre Diagnose: ein Internetkauf. Dagmar von Leski würde niemals ein Zweithaar übers Internet verkaufen, dafür ist ihr der persönliche Kontakt bei der Beratung zu wichtig. Man dürfe die Kundinnen nicht alleine lassen, betonen sie. Von Leski macht immer einen Termin aus, wenn es ums Zweithaar geht, nimmt sich Zeit, besucht Patienten zu Hause oder im Krankenhaus, steht bei Fragen und Problemen zur Verfügung. Mittlerweile haben sie Stammkunden, die unter Alopecia (Haarausfall) leiden und von ihrer Krankenkasse jedes Jahr ein Rezept für eine Perücke bekommen.

Für männliche Chemo-Patienten übernimmt die Krankenkasse die Kosten nicht, erst, wenn sie in den Beruf zurückkehren. Dann wachsen die Haare aber meistens schon wieder nach. Ein Bundesgerichtsurteil habe das Vorgehen der Krankenkassen bestätigt, sagt Dagmar von Leski. "Diskriminierung" nennt sie das. Cau sagt: "Eine Frechheit."

Quelle: RP
 
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