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Unsere Woche
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Moers. Das Krankenhaus Bethanien hat zwei Millionen Euro Verlust gemacht. Jetzt muss am Personal gespart werden. Trotzdem hält die Klinik an ihren Ausbauplänen fest.

Das Krankenhaus Bethanien gehört zu den eifrigsten Produzenten von Pressemitteilungen in der Region. Gern verweisen die dort Schaffenden auf die guten und zum Teil hervorragenden medizinischen Leistungen des Hauses. Aber auch kleinere Ereignisse des Krankenhauses werden liebevoll mit Bild und Zeile bedacht.

Wenn aber das Haus so in die roten Zahlen gerät, dass nach jahrelanger Ausweitung des Personalstamms auf einmal Stellenstreichungen anstehen und Mitglieder des Stiftungsrates ihre Ämter zur Verfügung stellen, dann ist das dem Krankenhaus keine Zeile wert. Auf der Homepage des Hauses werden sogar wahrheitswidrig weiterhin drei Namen genannt, die das Gremium unter Protest verlassen haben.

Nun unterliegen Vorgänge im Stiftungsrat traditionsgemäß größter Verschwiegenheit. Das ist grundsätzlich auch richtig so. Einerseits ist das juristisch geboten, andererseits auch inhaltlich begründbar, weil andernfalls offene Diskussionen im Stiftungsrat nicht möglich wären. Wenn aber interne Auseinandersetzungen zu personellen Konsequenzen führen, muss das nach außen hin dokumentiert und kommuniziert werden. Das ist nicht geschehen. Auch die finanzielle Schieflage räumte das Krankenhaus erst auf Anfrage ein. Solche Kommunikationspolitik ist suboptimal. Sie hinterlässt den Eindruck, dass hier etwas unter den Teppich gekehrt werden sollte.

Das dürfte es manch einem schwer machen, den eigentlichen Sachverhalt, um den es geht, objektiv zu bewerten.

Da ist nämlich auf der einen Seite ein fachlich anerkannter und persönlich extrem engagierter medizinischer Direktor, der versucht, das Beste für Patienten und Personal herauszuholen. Da ist aber auf der anderen Seite der Gesetzgeber, der diese Bemühungen in ein immer enger werdendes finanzielles Korsett schnürt. Schuld daran sind übrigens wir alle: Als Patienten wollen wir zwar bestmöglich versorgt werden, als Beitragszahler aber so wenig wie möglich zahlen.

Das hat dazu geführt, dass im Gesundheitswesen die Marktwirtschaft auf groteske Art außer Kraft gesetzt wurde. Sprechen Sie den Hausarzt Ihres Vertrauens mal auf das Thema "Budgetierung" an - falls Sie an diesem Wochenende sonst nichts mehr vorhaben! Aber es nutzt nichts: So lange die Rahmenbedingungen so sind, wie sie sind, müssen sich Mediziner nach der Wirklichkeit richten, auch wenn etwas ganz Anderes wünschenswert wäre. Das gilt auch für das Bethanien.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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