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Nettetal
47 Tonnen Hilfsgüter für Syrien

Nettetal: 47 Tonnen Hilfsgüter für Syrien
Rund um die syrische Stadt Aleppo leben die Menschen in Camps. Hilfsmittel wie dicke Jacken, feste Schuhe und Nahrung sollen ihnen durch den Winter helfen. Mitarbeiter schicken regelmäßig Fotos wie dieses. FOTO: human plus
Nettetal. Der Verein Human Plus geht dorthin, wo Hilfe gebraucht wird. Wieder sind drei Lastwagen voll mit Lebensmitteln und Kleidung auf dem Weg nach Syrien, bevor der Winter einsetzt. Auch in Deutschland setzen sich die Mitglieder ein Von Emily Senf

Langkornreis, Tomatensuppe, Mehl, Winterjacken und feste Schuhe - was Jakob Gartz und Philipp Hegger kistenweise in den Lkw laden, soll zumindest bis Weihnachten bis zu 15.000 Menschen über Wasser halten. Die ersten 25 Tonnen sind seit gestern auf dem Weg in den Nahen Osten, um die Bewohner rund um die syrische Stadt Aleppo mit dem Nötigsten zu versorgen. Heute starten zwei weitere Lkw mit 22 Tonnen Babynahrung.

Anestis Ioannidis sieht es als seine Pflicht, den Schwächeren zu helfen. "Wenn es einem gut geht, sollte man etwas abgegeben", sagt der 59-Jährige. Er selbst wuchs in einem kleinen Dorf im Norden Griechenlands auf und wohnt seit 1969 in Nettetal. Als im Jahr 1999 in der Türkei die Erde bebte, Häuser und Bürogebäude einstürzten und mehr als 1000 Menschen starben, organisierten Ioannidis und seine Freunde innerhalb von zwei Wochen 45 Tonnen an Hilfsgütern.

Mit Unterstützung der Ehefrau des deutschen Botschafters in der Türkei gelangte die Ladung nach Istanbul, das Militär transportierte sie in die betroffenen Gebiete. "Das war die Initialzündung", sagt Ioannidis. Die Gruppe half weiter, in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine, nach dem Tsunami 2004 in Sri Lanka, dem Erdbeben 2010 in Haiti, auf Kuba, in Japan, Pakistan und Tadschikistan. "Wir sind schnell und haben uns inzwischen ein tolles Netzwerk aufgebaut", sagt Ioannidis. 2006 wurde die Gruppe zum Verein Human Plus mit Sitz in Kaldenkirchen. Er hat 20 Mitglieder, aber unzählige Unterstützer wie Gartz und Hegger. Inzwischen, schätzt der Vorsitzende, hat der Verein weltweit rund 35.000 Tonnen an Hilfsgütern verschickt.

Die Helfer versehen jede der Paletten mit diesen Aufklebern. FOTO: Senf

Nach Syrien reiste Ioannidis das erste Mal im November 2011. Seinem Besuch folgten mehrere Hilfslieferungen. Seit einiger Zeit sei es in der Berichterstattung um den Konflikt ruhig geworden, sagt der 59-Jährige: "Aber die Menschen dort brauchen noch immer sehr viel Hilfe." Der Verein bekommt viele Sachspenden, teils direkt von den Textilfirmen und Supermärkten. Die Helfer kontrollieren und sortieren alles persönlich. "Es soll nichts kaputt sein", sagt Ioannidis. Die älteste Unterstützerin ist 83 Jahre alt, der jüngste Helfer sechs. "Die Kleinen helfen uns beispielsweise beim Zerkleinern der Pappkartons", sagt Ioannidis. "Jeder macht das, was er kann." Den Rest kauft der Verein dazu, dafür ist er auf finanzielle Spenden angewiesen. Allein die jüngsten drei Transporte nach Syrien kosten zusammen 20.000 Euro.

Mit dem Lkw werden die Güter nun nach Österreich gebracht und dort auf einen Zug nach Italien geladen. Dort geht es mit dem Schiff weiter nach Mersin in der Türkei. Ab da sind es noch rund 200 Kilometer bis zur syrischen Grenze und der neutralen Zone. Etwa zehn bis zwölf Tage dauert der Transport in der Regel, sagt Ioannidis. Probleme gebe es eher selten. "Zum Beispiel der Zoll kennt uns inzwischen einfach." Er ist stolz auf das Netzwerk, das der Verein sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. "Bevor gesagt wird, dass jemand Hilfe braucht, sind wir schon da", sagt er augenzwinkernd.

Vorsitzender Anestis Ioannidis vor dem ersten Hilfstransporter, der seit gestern auf dem Weg nach Syrien ist. An Bord: 25 Tonnen Lebensmittel und Kleidung. FOTO: Emily Senf

Rund 3700 Kilometer entfernt in Syrien, nahe der umkämpften Stadt Aleppo, werden Mitarbeiter die Ladungen in Empfang nehmen. Sie sind Syrer, kennen sich bestens aus, wissen, wo die Not am größten ist. Bei einem seiner Besuche lernte Ioannidis sie kennen. Sobald eine der Lieferungen die Helfer erreicht hat, senden sie Fotos nach Nettetal. "So sehen wir auch immer, dass unsere Hilfe wirklich ankommt", sagt der 59-Jährige.

Der Verein komme dort durch, wo andere scheitern, erzählt er: "Wir waren die ersten in Kobane und haben es zu den Jesiden in die Berge im Irak geschafft." Nächste Woche verlassen zwei Container das Lager in Richtung Haiti. Aber auch zu Hause ist der Verein tätig. "Wir helfen am Niederrhein vielen Privatpersonen und arbeiten mit Tafeln zusammen", sagt Ioannidis.

Quelle: RP
 
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