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Nettetal
Ärger um Bauträger-Pleite in Lobberich

Nettetal: Ärger um Bauträger-Pleite in Lobberich
Die Wohnanlage im Niedieckpark in Lobberich muss noch vollendet werden. Bis September soll die Entscheidung fallen, wie es dort weitergeht. Der Bauträger hatte Insolvenz angemeldet hat, 25 Käufer der Eigentumswohnungen sind betroffen. FOTO: Meis
Nettetal. Statt eines neuen Zuhauses Stress und Kosten: 25 Eigentumswohnungen hat der Bauträger Würz im Niedieckpark verkauft. Doch sie wurden bis heute nicht fertig. Die Firma ging in die Insolvenz. Wie es weitergeht, ist fraglich Von Manfred Meis

Den Sommer hatte sich das Paar ganz anders vorgestellt. Die beiden, die anonym bleiben wollen, wollten ihre neue Wohnung im Niedieckpark an der Karl-Reulen-Straße einrichten und auf dem Balkon die Sonne genießen.

Stattdessen sind sie jetzt jeden Abend mit Farbeimer und Pinsel damit beschäftigt, eine andere Wohnung in Hinsbeck zu renovieren, in die sie bis zum Monatsende einziehen wollen: "Nie mehr kaufen!", sagt die Frau. Die Turbulenzen der vergangenen Monate haben ihre Spuren hinterlassen.

Auf die Zusage des Bauträgers vertrauend, hatten die Wohnungskäufer ihre alte Wohnung zum 31. März verkauft. Doch ihr neues Zuhause an der Karl-Reulen-Straße war noch nicht fertig: "Wir wurden immer wieder vertröstet", schildert das Paar. In seiner Not bezog es eine Ferienwohnung im Sassenfeld, doch stand sie nur für eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Und teurer als eine normale Mietwohnung war sie nun auch.

Bereits zu Jahresbeginn schien in der Wohnanlage am Niedieckpark, aufgeteilt in drei Partien zu je elf Wohnungen, nicht mehr alles reibungslos zu laufen. Anfang Mai meldeten zwei Firmen des Bauträgers Würz aus Erkelenz Insolvenz an und wurden vom Gericht gleich gelöscht. Am 19. Juni traf es auch die Würz Bauprojekt GmbH.

Für sie wurde der Aachener Professor Martin Dreschers als Insolvenzverwalter vom Amtsgericht Mönchengladbach eingesetzt. Währenddessen baute eine Firma ihr Gerüst ab - und die Isolierung der Außenwände blieb unvollendet. Weil am Bau nichts mehr passierte, wucherte bald das Unkraut an den Erdgeschosswänden.

Die Analyse des Insolvenzverwalters fiel niederschmetternd aus. "Ich kann die Verträge nicht erfüllen", sagte Dreschers, nachdem er Ende Juli die Ergebnisse von Untersuchungen zweier Bausachverständiger vorliegen hatte. Danach sei nicht so gebaut worden, wie es in Prospekten und Kaufverträgen beschrieben worden war. Festgestellt wurden Baumängel bei Fenstern und Balkonen, auch sei der Brandschutz nicht hinreichend beachtet worden. Nach der Einschätzung des Insolvenzverwalters wurde auch "auf billig, billig" gebaut.

Angesichts dieser desolaten Lage erklärte sich die Volksbank Viersen als Finanzier der Würz-Baugesellschaften bei diesem Objekt bereit, die Verträge aufzuheben. "Die Erwerber erhalten den Kaufpreis zurück", bestätigte Vorstandsvorsitzender Jürgen Cleven bei einer Gläubigerversammlung Ende Juli. Das dauert nun noch etwas, denn der Notar kehrt erst aus dem Urlaub zurück. Dies haben die Käufer mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Obwohl auch einige Kosten bei ihnen hängen bleiben werden, falls nicht eine Versicherung einspringt.

Nach Angabe von Jürgen Cleven wird derzeit geprüft, wie der zu zwei Dritteln fertiggestellte Bau vollendet werden kann. Er hofft, dass dies im September feststeht. Denn eine Bauruine will die Bank nicht zurücklassen. Die Wohnungen will die Volksbank dann über ihre Tochtergesellschaft auf dem Markt anbieten.

Wie viele der bisherigen 25 Käufer dann wieder dabei sind, bleibt abzuwarten. Manche haben Alternativen gesucht. Sie haben aber noch ein Problem: Was machen sie mit der Küche, die sie maßgerecht bestellt haben?

Der Ärger, den die Volksbank Viersen im Niedieckpark hat, wird teilweise kompensiert durch Erfolge im Longlife-Wohnpark auf der westlichen Seite der Niedieckstraße. Auf dem ehemaligen Gelände des Teppichbodenherstellers sind zwei Eigentumswohnanlagen entstanden - eine ist bereits bezogen. Außerdem füllen sich allmählich auch die Flächen für Einfamilien- und Doppelhäuser. Dabei setzten Harald und Hans-Jürgen Cleven, die verbliebenen Longlife-Gesellschafter, auf eine harmonische Entwicklung des Quartiers; die Entwürfe stammen vom Architekturbüro Schrammen aus Mönchengladbach: "Wir möchten auf altem Industriegelände neue architektonische Zeichen setzen", ist ihr Anliegen.

Quelle: RP
 
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