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Nettetal
Als Friedensforscher nach Ägypten

Nettetal: Als Friedensforscher nach Ägypten
Halten kurz vor der Ägypten symbolisch eine Friedensfahne hoch: Beate und Matthias Engelke. Foto: Jobu FOTO: Abreise nach
Nettetal. Matthias und Beate Engelke haben Nettetal verlassen: Warum der als Friedenspfarrer bekannte Theologe und die Lehrerin heimatlosen Straßenkindern helfen und Projekte für den Frieden entwickeln wollen Von Joachim Burghardt

Für sie ist es weder ein Abenteuer, noch eine Mission: "Wir wollen einfach versuchen, unser Leben so zu gestalten, dass es dem Frieden dient und der Solidarität", sagt der Theologe Matthias Engelke (59). Dafür haben er und seine Frau Beate ihr gesichertes Leben in Nettetal aufgegeben und sind soeben nach Ägypten geflogen. Dort wollen sie heimatlosen Straßenkindern helfen und Friedensforschung betreiben.

2015 nahm Matthias Engelke nach zwölf Jahren als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck Abschied. Damals wollte er sich auf die "Kernaufgabe des Evangeliums, Liebe, Versöhnung und Frieden" konzentrieren. Und zog mit seiner Frau (56) ins Kloster nach Steyl: Dort wollten sich beide auf ein Leben in Ägypten vorbereiten. Er widmete sich der Friedensforschung, sie blieb in den zwei Jahren Konrektorin der Kreuzherrenschule in Brüggen und engagierte sich in der Nettetaler Flüchtlingshilfe.

Was ist das für ein Paar, das ein Leben nach dem Evangelium praktizieren will? Der promovierte Theologe Matthias Engelke ist beseelt davon, die "Friedenstheologie der 1980-er Jahre wieder in der Kirche zu etablieren". Bereits bei seinem Amtsantritt als Pfarrer in Lobberich demonstrierte er, warum ihm der Ruf als "Friedenspfarrer" vorauseilte: Weil die Gremien und Gruppen in der Gemeinde zerstritten waren, fastete Engelke so lange, bis alle Beteiligten sich an einen Tisch setzten.

"Gewaltverzicht und Versöhnungsbereitschaft" nennt der Theologe, der im Internationalen Versöhnungsbund aktiv ist, als Prinzipien. Mit "Fasten und Mahnwachen" demonstrierte er gerade wieder mit Gleichgesinnten für Abrüstung am Atomwaffen-Stützpunkt Büchel. Mager und hager ist er deshalb kurz vorm Abflug: "So ist das eben nach elf Tagen Fasten", meint er.

Beate Engelke trägt die Einstellung und die Aktionen ihres Mannes mit. Viele Nettetaler kennen sie als Vorsitzende des Fördervereines Flüchtlingshilfe Nettetal. Sie hängt nicht an die große Glocke, dass sie mithalf, geflüchteten Menschen, die in Not waren, Kirchenasyl zu gewähren.

Nun also Ägypten. In das Land mit rund 90 Millionen Einwohnern reisten sie bereits öfter. Dort hat das Paar Freunde. Aus Ägypten kamen auch Delegationen zu ihnen nach Nettetal, wurden von Bürgermeister Christian Wagner (CDU) empfangen. "Einigermaßen Arabisch" haben sie bereits gelernt.

"Wir werden dort unser Leben teilen mit Muslimen und koptischen Christen", sagt der evangelische Pfarrer. Er werde Friedensprojekte entwickeln. So sammelt Engelke beispielsweise Geschichten zum Thema Frieden "von Menschen wie du und ich". Später wolle er sich in deutschen Kirchengemeinden an einer Aktion mit einem Friedenszeltdorf beteiligen, in dem auch diese Texte vorgetragen werden. Daneben werde er in Alexandria ein Caritas-Projekt für Straßenkinder unterstützen: "Ich helfe dort in der Küche." Ihr Auskommen sichert das Einkommen von Beate Engelke, die als Lehrerin an der Europa-Schule Kairo arbeitet.

Engelke spricht ruhig, lächelt leise, um den Hals trägt er die Plakette "Engel der Kulturen" mit Symbolen der drei monolithischen Religionen: "Die Sehnsucht nach Toleranz und Frieden eint uns Christen, Juden und Muslime", ist seine Überzeugung. Er suchte immer den Dialog mit Konfessionen und Religionen, weshalb das evangelische Paar auch nach katholischen Klosterregeln in Steyl lebte. Beate Engelke erzählt eher locker, lacht viel, zwischendurch schauen sich die beiden immer wieder an, ihre Verbundenheit scheint ihnen ebenso Kraft zu geben wie ihr Glaube: "Das Vertrauen in Jesus und seine Botschaft von Liebe und Frieden, das ist uns Motivation genug", sagen beide.

Zunächst auf zwei Jahre befristet ist der Aufenthalt von Beate und Matthias Engelke in Ägypten. So lange läuft ihr Vertrag als Lehrerin an der Europa-Schule in Kairo. Er kann nach ihren Angaben aber jeweils um weitere zwei Jahre verlängert werden.

Zwischenzeitlich wollen die Engelkes auch zu Besuchen nach Nettetal kommen, um ihre zwei erwachsenen Kinder und Freunde zu treffen.

Quelle: RP
 
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