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Nettetal
Als Fußballtore noch abends mit nach Hause genommen wurden

Nettetal: Als Fußballtore noch abends mit nach Hause genommen wurden
1930 fusionierte SuS mit dem Turnverein Schaag. 1965 lebte die Turnabteilung erst richtig auf. FOTO: SuS
Nettetal. Vor 100 Jahren kickten die Fußballer von Spiel und Sport Schaag noch auf verstaubten Plätzen. Tore mussten zu jedem Spiel auf und abgebaut werden. Ab heute feiert der Klub sein Jubiläum Von Christina Böttner und Willi Wittmann

Eigentlich könnte Spiel und Sport (SuS) Schaag bereits seinen 109. Geburtstag feiern. Denn 1907 riefen ein paar Männer den "FC Germania Schaag" ins Leben. Mitgründer waren Fritz van den Eynden, Jakob Kaiser und Willi Overes. Nach kurzer Zeit hatte die Germania bereits 25 aktive Spieler, die auf "Klaps Schomm" in der Teggelkull" ihre ersten Wettspiele austrugen. Und zwar in gelb-weißer Tracht. Nach jedem Spiel wurden die Tore wieder abgebaut und mit nach Hause genommen. Am 18. Mai 1916 folgte die Gründung von SuS Schaag. Jetzt feiert der Klub seinen 100. Geburtstag.

Bis in die 1960er Jahre war der SuS ein fast reiner Fußballklub. Zwar fusionierte er 1930 mit dem Turnverein Schaag, dennoch lag die Turnabteilung lange Jahre recht brach. Erst Mitte der 1960er Jahre lebte der Turnsport beim SuS auf.

1976: Wolfgang Weber (l.) vom 1. FC Köln und Hermann-Josef Selder (SuS) tauschen die Wimpel. FOTO: SuS

Die Fußballer hingegen waren von Beginn an aktiv. In den 1930er Jahren wurde der Klub vor allem mit den Gebrüdern Josef und Peter Ströges in Verbindung gebracht. Die beiden wurden vom Verband der Deutschen Jugendkraft für nationale und auch internationale Wettkämpfe nominiert. 1933 wurde der SuS zudem Niersgaumeister. Das Team gewann bei Niersia Wanlo mit 3:2.

Es folgte der Zweite Weltkrieg. Während dieser Zeit durften keine Fußballspiele ausgetragen werden. Der Ball ruhte, bis die Besatzungsmacht die Ausgangssperre immer mehr lockerte. 1946 wurde SuS Schaag urkundlich durch die Militärregierung anerkannt. Schnell bildete sich eine 1. Mannschaft, die in der Kreisklasse kickte. 1946 gelang der Aufstieg in die Bezirksliga. Dort blieben die Schaager aber nicht lange.

Auch in der Jugend boomte der Fußball. 1966 war die Jugendabteilung riesig. FOTO: SuS

Abseits des Sportlichen strebte der Verein den Neubau eines Sportplatzes an. Am 14. August 1955 erfolgte die Platzeinweihung. Das erste Spiel auf dem neuen Platz erfolgte gegen den VV Venlo. Vor rund 4000 Zuschauern feierte Schaag mit einer Grenzlandauswahl einen 3:2-Sieg.

1966 feierte der SuS sein 50-jähriges Bestehen. Zudem wurden die neuen Umkleide- und Duschräume eingeweiht. Zu der Zeit boomte der Fußball auch bereits in der Jugend. Der SuS freute sich über eine große Nachwuchsabteilung. 1972 wurden die A-Junioren Meister der Bestengruppe und gleichzeitig Kreispokalsieger. 1974 stiegen die A-Junioren unter Trainer Hans Jansen in die Bezirksklasse auf. Sensationssieg war das 2:1 gegen den damaligen Spitzenreiter der Landesliga, den 1. FC Viersen.

Am 28. Februar 1933 wurden die Schaager Niersgaumeister. Die Mannschaft gewann bei Niersia Wanlo mit 3:2 FOTO: SuS Schaag

Und auch die Senioren haben bisweilen einige Erfolge vorzuweisen. Den wohl größten erzielte die 1. Mannschaft unter Trainer Gerd Janshen aus St. Tönis 1976 mit dem Aufstieg in die Landesliga. Beim letzten Spiel in der Bezirksklasse gegen den SC Lobberich (heute Union Nettetal) feierte der SuS einen 7:2-Sieg und zogen mit einem Triumphzug durch Schaag.

Den 60. Geburtstag feierten die Schaager mit einem besonderen Gast. Damaliger Spitzenreiter der Bundesliga, 1. FC Köln, trat gegen die Schaager an. Das Team von Hennes Weisweiler und siegte mit 8:1. Vor 4000 Zuschauern gelang Karl-Heinz Bellen der umjubelte Ehrentreffer für den SuS

1980 erhält der SuS den langersehnten Rasenplatz unter der Federführung von Vereinsarchitekt Ludwig Hauser. Hauser war von 1977 bis 1986 Vereinsvorsitzender, trat aber nach neun Jahren aus familiären Gründen zurück. Sein Nachfolger wurde Eduard Melchers, der 1991 das Amt aus Altersgründen niederlegte. Seitdem leitet Hans-Josef Mooren den Schaager Verein.

Wenn Mooren an den SuS denkt, dann fällt ihm als erstes Walter Müller ein. "Er war eine Institution", erinnert sich der Vorsitzende. "Als Platzwart war er sehr penibel und hat uns Jungs immer verboten, über das kleine Stück Grün hinter dem Ascheplatz zu laufen. Dann schrie er: Gras ab! Was so viel hieß, wie: Runter vom Gras!" Seine Frau hingegen habe ein offenes Herz gehabt. "Anni Müller hatte immer eine Tüte Lecker für uns Jungs. Wer sie nicht bezahlen konnte, bekam sie auch hin und wieder so zugesteckt", verrät Mooren. Die beiden seien bis etwa Ende der 1980er Jahre Platzwarte gewesen.

In den 1990er Jahren feierten die Senioren-Fußballer ihren zweiten großen Erfolg in der Vereinsgeschichte. 1994 stieg das Team erneut in die Landesliga auf. Auch die Jugendabteilung, die sehr gewachsen war, erzielte gute Erfolge. Die A-Junioren wurden 1995/96 Stadtmeister. Die B-, C-, D- und F-Junioren wurden jeweils Zweiter.

Und auch die übrigen Abteilungen wuchsen weiter. 2002 etwa organisierte der Verein den großen Stadtlauf "Schaag rennt" vor rund 4000 Zuschauern. 2003 wurde zudem die erste Mädchen-Fußmannschaft gegründet. Seit 2005 gibt es eine Shaolin-Gruppe, die bis heute neben den Fußballern die zweitgrößte Abteilung des SuS Schaag bildet.

Quelle: RP
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