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Nettetal
Als Juden "Sara" und "Israel" hießen

Nettetal. Prof. Leo Peters berichtet im Heimatbuch über neu entdeckte Dokumente

Der Judenstern war das sichtbarste Mittel der öffentlichen Stigmatisierung der Juden vor dem Holocaust. Kurz nach der systematischen Zerstörung ihrer Synagogen im November 1938 war ihnen schon die Annahme eines zusätzlichen Vornamens (weibliche Juden "Sara", männliche "Israel") aufgezwungen worden. Aufgrund eines neuen Aktenfundes hat Prof. Dr. Leo Peters dies im soeben erschienenen Heimatbuch 2016 am Beispiel Kaldenkirchens dargestellt. Alle in Kaldenkirchen geborenen Juden mussten beim Einwohnermeldeamt die Registrierung des zusätzlichen Vornamens "beantragen". Diese Anträge liegen dem Aufsatz zugrunde, der präzise dokumentiert, welche Kaldenkirchener Juden nach der Pogromnacht vom November 1938 noch in ihrer Heimatstadt oder anderswo in Deutschland lebten. Sie hießen fortan beispielsweise Siegfried "Israel" Sanders oder Hedwig "Sara" Lion.

Seit dem 19. Jahrhundert hatten viele Juden Vornamen angenommen, die sie nicht mehr als Juden erkennbar machten. Sie hießen vielfach nicht mehr Moses oder Abraham, sondern zum Beispiel Leopold, Hugo oder Emil, wie etwa in der jüdischen Familie Grunewald.

Besonders erschütternd an der von Peters publizierten Quelle ist der Fall des 80-jährigen Juden Hoffstadt, der aus lauter Angst, nur keinen Fehler zu machen, mitteilte, dass seine soeben verstorbene Frau Julie ab 1.1.1939 den zusätzlichen Namen Sara "annimmt".

Des Pogroms und der Holocaust-Opfer gedenken die Kaldenkirchener heute ab 19 Uhr in der evangelischen Kirche und danach am Standort der Synagoge.

(hws)
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