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Nettetal
Als Mutter Teresa Leuth besuchte

Nettetal. Die Oberin aus Kalkutta wird am Sonntag heilig gesprochen. Anlässlich der Feier findet um 18 Uhr ein Gottesdienst in St. Lambertus statt. Genau dort, wo sie vor knapp 34 Jahren bei einer abendlichen Andacht zu den Gläubigen sprach Von Manfred Meis

Zwischen Ostberlin und Essen, Belgrad und Rom, Kairo und Beirut blieben auch zwei Stunden Zeit für Leuth: Die um den Erdball jettende Oberin der Dienerinnen der Liebe (Missionaries of Charity), die alle seit Jahrzehnten wegen ihrer aufopfernden Arbeit in den Armenvierteln der indischen Millionenstadt Kalkutta nur Mutter Teresa nennen, löste damit ein Versprechen ein. Dies hatte sie im Frühjahr 1982 dem aus Indien stammenden und in Leuth praktizierenden Arzt Ramesh Modi gegeben, als sie im nahen Kempen war. Modi war auch Vorsitzender des bon ohm initiierten Hilfswerks "Somedi", das die Arbeit der Schwestern vor allem mit hier nicht mehr eingesetzten medizinischen Geräten unterstützte. Am kommenden Sonntag, 4. September, wird anlässlich ihrer Heiligsprechung um 18 Uhr ein Gottesdienst in St. Lambertus Leuth an Mutter Teresas Aufenthalt in Nettetal erinnern.

Den Stuhl mit Armlehnen, den man der Oberin nach den ersten Begrüßungsworten und manchem Händedruck anbot, verschmähte sie. Mutter Teresa ging erst noch durch den großen Wohnraum des Arzthauses am Hampoel und begrüßte auch die Kinder, Frauen und Männer, die sich zurückgehalten hatten, die etwas abseits standen. Sie war der Mittelpunkt, doch sie wollte das nicht sein.

Obwohl der Besuch vorher nicht angekündigt und erst am Samstag bekanntgeworden war, verbreitete sich die Nachricht in Leuth wie ein Lauffeuer, so dass die Pfarrkirche St. Lambertus am Sonntagabend voll besetzt war. Viele hatten große Mühe, die zierliche Frau in ihrer weißen Schwesterntracht mit dem blauen Randstreifen hinter dem Lektorenpult wahrzunehmen. Der herbstlichen Jahreszeit geschuldet war eine dünne graue Jacke, doch steckten die bloßen Füße in offenen Sandalen.

So zerbrechlich sie wirkte, so standfest war ihre Ansprache. Sie stellte den Wert der Familie heraus und sprach vom Gott der Liebe und dem Verlust der menschlichen Liebe, die es wieder zu erwecken gelte. Die Armen brauchten kein Mitleid, sondern Liebe und Mit-Leiden (compassion). Eine solche Einstellung werde aus der Familie geboren, die in Gott zusammenstehen müsse. Das größte Geschenk Gottes für die Familie sah die Ordensschwester in der Bereitschaft von Jungen und Mädchen, "den Ärmsten der Armen in der Kleidung der Armen zu dienen".

Mutter Teresa kam an jenem Abend von einer Kundgebung gegen ein Abtreibungszentrum in Essen. Auch in Leuth sprach sie sich gegen jedwede Abtreibung aus: "Wie schrecklich ist es, sich vorzustellen, dass die Mutter ihr eigenes Kind töten kann." Jedes Geschöpf sei kostbar für Gott, auch die Ärmsten der Armen, der sterbende Obdachlose, der Aussätzige, die Hilflosen. Sie dankte den Deutschen, dass sie mit Kleidung, Nahrungsmitteln und Medikamenten vielfach helfen, dass sie aber auch inneres Engagement zeigten. Mit einem "God bless you - Gott segne Sie" verabschiedete sie sich.

Leuths damaliger Ortsvorsteher und Pfarrgemeinderatsvorsitzender, Matthias Timmermanns, erhoffte sich von dem Besuch neue Kraft für die Missionsarbeit und auch das Wirken von "Somedi". Was sie demnächst wieder in Indien erwarten konnte, sah Mutter Teresa dann in der Scheune von Josef Dammer gegenüber dem Arzthaus: Nähmaschinen, medizinische Geräte und Kleidungsstücke waren gestapelt und warteten darauf, nach Indien geschickt zu werden. Gleich mitnehmen konnte sie die Kollekte aus der Kirche, die sie in ihren kleinen Leinenbeutel steckte.

Auch der Abschied war mit einer kleinen Geste verbunden: Ein letztes Mal streichelte sie dem kleinen Torsten Trienekens über den Kopf und schüttelte sein Händchen.

Quelle: RP
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