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Nettetal
Als Tabak und Magenbitter mundeten

Nettetal. Der Bürgerverein Kaldenkirchen fasst in einer dokumentierenden Broschüre die Feier zum 50-jährigen Bestehen zusammen. Es ist die eindrucksvolle Bilanz bürgerschaftlichen Engagements bis in die Gegenwart. Von Gregor Anders

Auf eine umfangreiche Festschrift zu seinem 50-jährigen Bestehen hat der Bürgerverein Kaldenkirchen verzichtet. Er hat stattdessen eine Broschüre herausgegeben, die unter anderem den Festabend zum Jubiläum mit Reden dokumentiert. Aber auch sie spiegelt die ungewöhnliche Vielfalt wider, mit der der Verein sich um die Vergangenheit der einstigen Grenzstadt und auch um zeitgemäße Aufgaben gekümmert hat.

Vorsitzender Heinz-Willi Schmitz hatte Bilanz der Arbeit in fünf Jahrzehnten gezogen. Schon gleich nach der Gründungsversammlung machten sich die Mitglieder auf den Weg, weitere Mitstreiter zu gewinnen. In der Anfangszeit kümmerte sich der Verein um die Weihnachtsbeleuchtung und die St.-Martinszüge, er organisierte Gemeinschaftskonzerte der Kirchenchöre und war Veranstalter von Einzelkonzerten ebenso wie von Bürgerbällen. Der Bürgerverein veranlasste den Druck des Plans der Wallanlage in Kaldenkirchen am Ende des 18. Jahrhunderts. Dazu lieferte er ein erklärendes Infoblatt.

Historische Themen waren immer erfolgreich. Das galt für den Nachdruck der Geschichte Kaldenkirchens, verfasst Ende des 19. Jahrhunderts vom Leuther Ökonom Johann Finken. Die zweibändige Stadtgeschichte von Kaldenkirchen, verfasst von Professor Leo Peters, ist ein Meilenstein der Ortsgeschichte. Zuvor erschienen auch zwei Bände "Ansichten aus Kaldenkirchen". Es handelte sich um zum Teil sehr seltene Postkarten-Ansichten der Sammler Paul Moors und Gregor Herter.

Der Bürgerverein organisierte die Stadtfeste 1978 und 2006. Immer wieder gab es - auch zu dieser Gelegenheit - die Herausgabe eines Bildkalenders, die Sammlung historischer Postkarten, historische Ausstellungen in beiden Kirchen und andere Dokumentationen.

Zudem ließ der Bürgerverein Grabsteine auf dem alten Friedhof erneuern und die Engel-Skulptur von dort aus zum gegenwärtigen Friedhof bringen. Zuletzt ließ er alte Grabkreuze restaurieren und im Pfarrgarten aufstellen. Mit der Herausgabe eines Gedenkzettels für alle Toten des Zweiten Weltkrieges und mit den Gedenktafeln in der Kapelle des Friedhofs erfüllte er den Wunsch vieler Familien.

Besonders verdienstvoll ist die frühe Arbeit zur Erinnerung an die jüdischen Bürger in der Stadt. An die kleine Kaldenkirchener Synagoge erinnern seit vielen Jahren schon eine Tafel in der Synagogenstraße und die Nachzeichnung des Grundrisses. Auf dem alten jüdischen Friedhof an der Ecke Frank-/Jahnstraße steht eine Stele mit Namen der Opfer des Nationalsozialismus. Die Grünfläche war jahrelang arg vernachlässigt worden und wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Nettetal als würdiger Gedenkort aufgewertet.

Neben dem Plan der Festung Kaldenkirchen auf dem Kirchplatz gibt es im Stadtgebiet seit einiger Zeit auch Hinweisschilder an Denkmälern und zusätzlich den Gedenkstein an der Tolkemiter Straße. Er erinnert an Flüchtlinge, die nach Kriegsende von dort in den hiesigen Raum kamen. Die Skulptur des Zigarrenmachers im Schatten des Kirchenturms von St. Clemens erinnert an die vielen Manufakturen vor rund hundert Jahren. Es gibt einen Stadtrundgang "Kaldenkirchen im Spiegel der Straßennamen" und zu den Gedenkstätten.

Der Bürgerverein informiert in einem von Prof. Peters verfassten Flyer über den Rokokopavillon an der Friedrichstraße, dessen Renovierung er im vergangenen Jahr unterstützte. Er sorgte außerdem vor einiger Zeit dafür, dass der Magenlikör L'estomac wieder hergestellt wird. Damit verbunden ist die Erinnerung an den Mann, der die Rezeptur zum Erfolg machte: Johann Albert Schrömbgens. An der ursprünglichen Produktionsstätte in der Kehrstraße hängt ein Hinweisschild.

Quelle: RP
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