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Wilhelmina Spolders
"Anton van Eyk war mir ein gütiger Vater"

Wilhelmina Spolders: "Anton van Eyk war mir ein gütiger Vater"
Wilhelmina Spolders führt das Atelier van Eyk in Nettetal-Leuth. Dafür erhält sie morgen den Hans-Höke-Preis. FOTO: F.-H.Busch
Nettetal. Als Rentnerin eine Finca in Spanien — das war der Traum von Wilhelmina Spolders. Stattdessen baute sie das Atelier van Eyk im Leuther Wald mit auf. Es war ein Tausch, den die Niederländerin nie bereut hat

Frau Spolders, warum lohnt es sich heute, das Atelier van Eyk kennenzulernen?

Wilhelmina Spolders Ich höre oft von Besuchern, dass dieser Ort ein Refugium ist, an dem man sich hinsetzen und bei sich selbst sein kann. Die Welt bleibt draußen. Es ist ein Ort, der den Menschen gut tut. Manchmal höre ich auch, dass das Atelier die "kleine Insel Hombroich" genannt wird.

Morgen werden Sie mit dem Hans-Hoeke-Preis zum ersten Mal eine Auszeichnung akzeptieren. Warum haben Sie das bislang immer abgelehnt?

Spolders Ich bin niemand, der gern öffentlich im Mittelpunkt steht. Wenn es etwas zu tun gibt, dann helfe ich gern und packe mit an. So ist auch der enge Kontakt zu Anton van Eyk entstanden. Nach dem Tod seiner Frau Dorothea hat er mich gefragt, ob ich mich um ihn kümmern und ihn bis zu seinem Tod begleiten kann. Das habe ich getan. Mir geht es darum, das Atelier, den Traum von einem selbstbestimmten Leben für die Kunst und in der Natur, im Sinne der van Eyks fortzuführen - ich selbst wollte dabei nie im Mittelpunkt stehen.

Warum haben Sie gerade diesen Preis akzeptiert?

Spolders Wegen der besonderen Beziehung, die Anton van Eyk mit Hans Hoeke verbunden hat. Er hat ihn und seinen Rat sehr geschätzt, Hans Höke hat ihm oft geholfen.

Hätten Sie sich vorstellen können, einmal ein Atelier zu führen?

Spolders Nein, mein Traum war immer, nach der Berufstätigkeit auf einer Finca in Spanien der kalten Jahreszeit zu entfliehen. Als ich mich um Anton van Eyk kümmerte, sah ich diesen Traum verschwinden. Dafür habe ich etwas anderes gefunden.

Was war das Außergewöhnliche für Sie an dem Künstlerpaar?

Spolders Beide waren unsere Nachbarn, der Kontakt wurde nach dem Tod von Dorothea van Eyk noch enger, als Anton van Eyk mehr Unterstützung brauchte. Ich half ihm, was nicht immer einfach und auch nur möglich war, weil meine Familie mir den Rücken frei hielt. Ich habe viel von ihm gelernt, er hat mein Leben bereichert. Anton van Eyk war für mich ein gütiger Vater - ich bekam nochmal einen Vater, nachdem mein eigener gestorben war, als ich zwölf Jahre alt war. Ich war das älteste von fünf Kindern und immer sein Liebling gewesen und vermisste meinen Vater sehr.

Anton van Eyk wurde als Niederländer in Kaldenkirchen geboren, kam später nach Leuth. Sie selbst lebten nach ihrem Examen als Krankenschwester als Niederländerin in Deutschland. Was schätzen Sie an den Deutschen, was an den Niederländern?

Spolders Die Deutschen schätze ich für ihre Gründlichkeit und ihr kulturelles Interesse, die Niederländer sind oft sympathisch und offen. Ich bin heute gern in den Niederlanden, aber ich lebe lieber in Deutschland. Obwohl ich bei einem Fußballspiel nicht wüsste, wem ich die Daumen halten würde. Es ist auch erstaunlich, wie sich manche Dinge geändert haben: Früher fuhren die Deutschen zum Einkaufen über die Grenze, heute kommen viele Niederländer deshalb hierher - und auch, um hier gut essen zu gehen. Das ist für mich schon mal ein europäisches Denken.

Sie führen das Atelier weiter. Sehen Sie selbst sich als Künstlerin?

Spolders Nein, ich bin keine Künstlerin. Aber ich arbeite mit Kunstgruppen wie Gedok 46 und zahlreichen Künstlern aus Viersen, Neuss oder Düsseldorf zusammen. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen ist mir wichtig. Sehr gelungen war etwa ein Projekt mit der Gesamtschule, bei dem die Kinder ihre Arbeiten ausstellen konnten. Was mich besonders freut, ist die positive Resonanz der Künstler, die hier Workshops oder Ausstellungen gemacht haben: Wer einmal hier war, kommt immer gern wieder.

Gibt es nach Ihnen eine Zukunft für das Atelier van Eyk?

Spolders Ich habe Hoffnung, dass mein Sohn diese Aufgabe eines Tages übernehmen wird.

DANIELA BUSCHKAMP FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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