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Nettetal
Arbeit für Behinderte an der Dorenburg

Nettetal. Morgens um 7.15 Uhr beginnt die Arbeit auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums. Fünf Menschen mit Behinderung helfen seit anderthalb Jahren tatkräftig mit bei Reparaturen oder umfangreichen Restaurationen. Von Natascha Becker

Die kleine Tür am Kutschbock der gelben Postkutsche erweist sich als äußerst widerstandsfähig. "Ich krieg' sie einfach nicht auf", ächzt Dominik und setzt den Schraubendreher ab, mit dem er seit einiger Zeit versucht, die Holztür zu öffnen. Der 26-Jährige sowie seine Kollegen Silvio (36) und Johannes (18) werfen fragende Blicke auf Antonius Kiwall.

Der Maurermeister und geprüfte Restaurator im Maurerhandwerk schaut genauso nachdenklich auf die geschlossene Tür mit dem defekten Schloss. Schließlich hat auch er schon kräftig daran gearbeitet. Erneut greift er selber zum Schraubendreher. Er rüttelt, bewegt das Werkzeug nach links und rechts. Plötzlich springt sie auf. Ein lautes "Ahh" geht durch die Runde.

Dominik angelt einen uralten Teppich aus dem Kabuff unter dem Kutschbock und blickt entlang der Türkante zu der beschädigten Stelle im Holz, direkt über dem Kutschbocktritt. "Das nehmen wir jetzt alles raus und setzten ein neues Stück ein, oder?", möchte er von Kiwall wissen. Der nickt zustimmend. Doch bevor es soweit ist, müssen die beiden rostigen Schrauben, die über dem Loch in der Holzwand sitzen, ebenfalls entfernt werden.

Höchste Konzentration herrscht bei den vier Männern auf dem Gelände des Grefrather Freilichtmuseums. "Die Kutsche beschäftigt uns meistens bei schlechtem Wetter, wenn wir draußen nicht arbeiten können", sagt Jan Barendsma. Auch ein weiteres Tor der Hofanlage steht noch auf dem Programm – die Männer werden es ein andermal streichen. Der Heilerziehungspfleger leitet das Projekt der Nettetaler Elterninitiative "Kindertraum", die sich dafür einsetzt, dass Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz außerhalb der speziellen Behindertenwerkstätten erhalten. Drei Männer und zwei Frauen arbeiten so seit anderthalb Jahren im Freilichtmuseum.

Außer anfallenden Reparaturen und Renovierungen sind es Pflegearbeiten, wozu auch die Bestellung der Bauerngärten auf dem Gelände gehört, die von den Menschen mit Behinderung gemeinsam mit dem weiteren Personal des Museums durchgeführt werden. 15 Stunden im Monat steht ihnen Antonius Kiwall mit seinem Fachwissen zur Seite, während Jan Barendsma das Projekt komplett begleitet und auch allgemeine Förderangebote zusätzlich zur praktischen Arbeit macht.

Inzwischen geht es den hartnäckig festsitzenden Schrauben an den Kragen. Johannes ist unterwegs zur Werkstatt in der Dorenburg, um WD40 zu holen. Silvio eilt in das eigene kleine Werkzeuglager, denn es wird auch eine Rohrzange benötigt. Während die drei und Kiwall mit allen Tricks und Kniffen versuchen, die rostigen Teile loszubekommen, fragt der Restaurator erworbenes Wissen ab. "Wie lange trocknet ein mehrlagiger Kalkputz ab, bevor die nächste Schicht drauf kann?", möchte er wissen. "Pro einem Millimeter Putzstärke muss der Putz einen Tag trocknen", antworten die Männer ohne zu zögern.

Sie haben schon einiges über das Restaurieren gelernt. Hochkonzentriert hören die drei daher auch Kiwall zu, als er nach der Schraubenentfernung die weitere Vorgehensweise zur Reparatur des morschen Holzstückes erläutert, das einen Teil der tragenden Konstruktion der Kutsche ausmacht. "Schließlich soll die Kutsche irgendwann wieder einmal fahren", sagt Dominik lächelnd.

Quelle: RP
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