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Nettetal
Archäologen finden zweites Haus

Nettetal: Archäologen finden zweites Haus
Anhand der Pfosten (kleine Punkte) werden Häuser rekonstruiert. Zwei Haupthäuser mit Nebengebäuden sind gefunden worden. Unterschiedliche Erdverfärbungen geben an, wo ein Brunnen oder eine Feuerstelle angelegt war. FOTO: ASSArchäologie, Grafik: RP
Nettetal. Am Kreuzweg in Breyell haben Forscher weitere historische Stücke aus der Römerzeit ausgegraben. Ungewöhnlich sind vor allem zwei Häuser, die die gleiche Bauweise haben, aber andere Haustypen sind. Zudem fanden sie viel Keramik Von Christina Böttner

Es hat sich gelohnt. Schicht für Schicht haben sich die Archäologen durch das Gebiet am Kreuzweg in Breyell gebuddelt. Bei den weiteren Ausgrabungen stieß das Team auf ein weiteres Haupthaus mit Nebengebäude. Zudem fanden sie auch einige Keramik- und Glasscherben. Bei dem Fund entdeckte Grabungsleiter Yannick Raczynski-Henk etwas Ungewöhnliches: "Das zweite Hauptgebäude ist auf die gleiche Art und Weise gebaut, wie das erste, allerdings sind die Haustypen unterschiedlich. Das ist interessant. Das kommt nur sehr selten vor", sagt der Archäologe, der mit seinem Team nun die Arbeiten in Breyell abgeschlossen hat. Jetzt werden die Funde untersucht, analysiert und katalogisiert. Ersten Erkenntnissen zufolge stammen aus der Zeit Ende des 2. oder Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christus.

"Eine mögliche Erklärung für die zwei Häusertypen, die nach ersten Schätzungen aus der gleichen Zeit stammen könnten, ist, dass sich ein Einheimischer den Baustil der Römer abgeschaut hat", erläutert Raczynski-Henk. "Normalerweise entstehen in einer Siedlung nur Häuser des gleichen Typs." Bei diesen beiden ist eins jedoch lang und schmal, das andere breiter und kürzer. Bei der Analyse der gefundenen Keramikscherben soll bestimmt werden, ob die Häuser gleichzeitig an der Stelle gestanden haben. "Die Scherben können wir auf etwa fünf bis zehn Jahre genau datieren", erläutert der Archäologe.

Die Vermutung, dass dort reichere Römer gelebt haben, ist laut Raczynski-Henk weiterhin wahrscheinlich. "Auch das zweite Haus ist unter anderem mit Sand und Kies gebaut worden, was damals nicht zum Standard gehörte", sagt er. Üblicherweise wurden die Häuser aus einfachen Holzpfosten, Lehm und Stroh gebaut, ähnlich wie Fachwerkhäuser. Da eine große Menge an Dachziegeln gefunden wurde, geht Raczynski-Henk davon aus, dass sie auch als Dach dienten. "Die Römer haben die Ziegel ansonsten auch gerne zweckentfremdet für Kochstellen", sagt der Archäologe. "Doch dafür sind es zu viele."

Die mittlere der drei römischen Glasscherben ist Teil eines Flaschenbodens, die übrigen sind im Herd/Feuer geschmolzen und könnten von einem Trinkglas stammen. Zudem wurde eine Fibel aus Bronze gefunden. FOTO: Raczynski-Henk

Als vorbereitende Maßnahme für das geplante Gewerbegebiet gegenüber dem Berger Feld ist seit April die Fläche vom Archäologenteam umgegraben worden. Insgesamt 1,2 Hektar haben die Arbeiter untersucht. Dabei fanden sie zwei Hauptgebäude mit Nebengebäuden, drei Brunnen sowie Scherben und Dachziegel. Auch eine Fibel, eine Art Spange, die Kleidung zusammenhielt, ist unter den Funden. In den Brunnen entdeckten die Archäologen zudem Holz.

Unter den ausgegrabenen Scherben befindet sich eine "Terra-Sigilata-Scherbe. Diese Art von Geschirr war damals schicker. "Das Geschirr ist abschließend in eine Tonmischung getaucht und anschließend gebacken worden", erläutert der Grabungsleiter. "Dadurch entsteht eine rote Schicht, die wie aufgemalt aussieht."

Auch hat das Team Scherben aus dem Mittelalter - dem 12., 16. und 17. Jahrhundert - ausgegraben. "Somit können wir davon ausgehen, dass in der Nähe immer Menschen gelebt haben", sagt Raczynski-Henk. Der untersuchte Bereich selbst sei im Mittelalter jedoch als Auftragsboden, sprich: Ackerboden, genutzt worden.

Was die Archäologen nicht gefunden haben, sind Gräber. "Die müssen auch noch irgendwo dort sein, sofern sie nicht etwa beim Bau der Autobahn zerstört worden sind", sagt Raczynski-Henk. Doch danach soll nicht weiter gesucht werden. Das Gebiet für das geplante Gewerbegebiet ist untersucht. Bisher sind Kosten von 65.000 Euro angefallen, es kommt aber noch etwas dazu. Eine Gesamtsumme ist derzeit noch nicht bekannt.

Die Verwaltung ist froh, dass die Ausgrabungskosten nicht höher sind, dennoch ist sie zufrieden mit dem Ergebnis. "Für uns sind diese Funde etwas ganz Besonderes", sagt Rainer Lankes vom Nettebetrieb, der die Arbeiten betreut hat. "Zudem gehören wir zu einer von vier größeren Ausgrabungsstellen am Niederrhein."

Quelle: RP
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