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Nettetal
Bibliothek unter dem Hammer

Nettetal: Bibliothek unter dem Hammer
Für die Bibliothek von Schloss wurden bis 1991 historische Bücher zusammengetragen. Teile davon werden versteigert. Rp-Archiv: F.H.Busch FOTO: Krickenbeck
Nettetal. Die Versteigerung von Büchern aus dem früheren WestLB-Besitz Krickenbeck sorgt für Proteste. Von Daniela Buschkamp

Für Empörung sorgt unter Nettetaler Historikern, Heimatforschern und Politikern die Versteigerung von Teilen der Bibliothek von Schloss Krickenbeck. "Der Verkauf ist ein Verlust für das gesamte Rheinland", sagt Leo Peters, Historiker und CDU-Ratsherr aus Nettetal. Eine vergleichbare Adelsbibliothek gebe es nicht mehr. Sammlungen aus Schloss Dyck und Schloss Neersen seien bereits auseinandergerissen worden. Nun auch Krickenbeck.

Verantwortlich dafür ist die Portigon AG, die den Besitz der WestLB verkauft. Schloss Krickenbeck, zuvor Eigentum der Familie des Grafen von Schaesberg, war bis 2015 Akademiehaus der WestLB, wurde dann an eine französische Hotelkette verkauft. Die Bibliothek wurde ausgelagert. "Wir wickeln die gesamten Vermögenswerte der WestLB ab. Dazu zählen auch Kunstwerke oder Bücher", so eine Portigon-Sprecherin. Portigon müsse verkaufen, man sei gesetzlich dazu verpflichtet: "Wir können nichts verschenken", so die Sprcherin auf die Frage, ob für die Teile der Schloss-Bibliothek nicht eine andere Lösung denkbar gewesen wäre.

Kritik an der Kunstvermarktung gibt es nicht zum ersten Mal: 2016 hatte das Land 300 der 360 West-LB-Kunstwerke für rund 30 Millionen Euro erworben, die zunächst auf den freien Markt kommen sollten.

Das aktuelle Vorgehen kritisiert der Nettetaler CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Optendrenk scharf: "Die Versteigerung durch die landeseigene Abwicklungsgesellschaft ist kulturlos und zeigt ein mangelndes Verständnis der Landesregierung für den Wert von Heimat und Landesgeschichte." Den Wert der Bücher schätzt Optendrenk insgesamt auf eine Million Euro. "Die Schlossbibliothek ist extra vor der Veräußerung des Gebäudes herausgenommen worden, um ein Verramschen zu verhindern", sagt er.

Das Kölner Auktionshaus Venator & Lanstein hatte am vergangenen Freitag Teile der Schlossbibliothek versteigert. "Wir haben zwei Werke zurückgezogen, nachdem das Land Interesse daran signalisiert hat", so Karl-Heinz Kunpfer, Geschäftsführer des Auktionshauses. Dabei handelt es sich um Robert Battys "Scenery of the Rhine, Belgium and Holland" von 1826 und ein französisches Buch von Johann Ziegler. "Grundsätzlich ist ein Ankauf durch das Land möglich und gewollt. Gegenwärtig prüfen wir die Modalitäten", sagte eine Sprecherin des NRW-Kulturministeriums.

Die Krickenbecker Bibliothek wurde mit der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf bei der Restaurierung des Schlosses aufgebaut. Dafür wurden bis 1991 rund 1000 Bände aus dem 15. bis 19. Jahrhundert gesammelt. Neben Lexika und Nachschlage gehörten Belletristik, Literatur und Werke unterschiedlicher Wissensgebiete dazu, wie der damalige Bibliotheksleiter Rolf Gilbert im Heimatbuch des Kreises Viersen von 1997 schreibt. Als wertvoll gilt etwa ein Buch über den Trauerzug zur Beerdigung von Herzog Johann Wilhelm von 1629.

Für Marcus Optendrenk wäre "die Uni- und Landesbibliothek der richtige Ort gewesen, um die Zeugnisse der niederrheinischen Geschichte für die Menschen am Niederrhein zugänglich zu erhalten."

Quelle: RP
 
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