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Nettetal
Bilder zum Eintauchen schön

Nettetal. Die neue Ausstellung im Infozentrum der Biologischen Station trägt den Titel "Faszination Süßwasser: Blicke aus der Luft und aus der Tiefe". Der Biologe und Taucher Klaus van de Weyer zeigt einzigartige Fotografien Von Joachim Burghardt

Schon mal einem hungrigen Hecht in den Schlund geschaut? Oder die fantastischen Farbenspiele des Moorgewässers im Sonnenlicht aus der Luft entdeckt? "So etwas bekommen wir normalerweise nie zu Gesicht", sagt Isabelle Lorenz vom Infozentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Umso mehr freut sie sich, dass nun ein renommierter Wissenschaftler und Taucher genau solche Einblicke gewährt: Klaus van de Weyer zeigt im Infozentrum in seiner Ausstellung "Faszination Süßwasser: Blicke aus der Luft und aus der Tiefe" einzigartige Fotografien.

"Da tauchst du in neun Metern Tiefe, um Pflanzen zu untersuchen, und bei der nüchternen wissenschaftlichen Arbeit wird dir auf einmal die Schönheit, das Ästhetische, das Lebendige dieser ganz anderen Welt unter Wasser bewusst", erklärt van de Weyer. Was ihn antreibt, was ihn begeistert, was ihn fasziniert, das vermitteln seine Aufnahmen in der Ausstellung. Wobei seine Bilder mehr sind als Naturfotografien, sie gehen glatt als Kunstwerke durch, als Darstellungen, die in ihrer Wirkung einen Sog entfachen, im wahren Wortsinn einzutauchen in diese so unbekannten Wasserwelten.

Hier wirken die rötlich betupften Scheren des Flusskrebses wie wesenhafte Werkzeuge inmitten grüner Unterwasserwiesen. Da leuchten die wie Eisblumen strukturierten Geweih-Armleuchteralgen rötlich, als wären sie mit Blütenstaub übersät: "Dass es sich bei den roten Punkten um Trompetentierchen handelt, konnten wir erst hinterher auf den Aufnahmen erkennen", schildert van de Weyer als Beispiel für überraschende Erkenntnisse, die ihm seine Fotografien mitunter offenbaren.

Und genau deshalb zeigt der promovierte Biologe aus Breyell, der dem Beirat der Biologischen Station angehört und europaweit Gewässer und ihre Pflanzen untersucht und begutachtet, nicht nur Bilder, sondern gibt auch Einblicke in seine Arbeit. Ein Taucheranzug und allerlei Equipment sind zu sehen sowie eine Unterwasserkamera in einem Aquarium. Behördliche Genehmigungen für Luftaufnahmen hängen über einem Tisch mit einigen seiner Publikationen, darunter das brandneue Handbuch über die Armleuchteralgen, das van de Weyer mit herausgegeben hat.

Im Mittelpunkt freilich stehen die rund 20 großformatigen Bilder. Manche Motive sind so farbenfroh, wirken geradezu exotisch, als seien sie in tropischen Korallenriffen oder Aquarien aufgenommen worden. "Das ist für mich ja das Faszinierende, wie prächtig sich unsere heimischen Gewässer präsentieren, ob aus der Tiefe oder aus der Luft betrachtet", schwärmt Klaus van de Weyer.

Etliche Fotos sind in Nettetal und Umgebung entstanden, wo genau, ist allerdings nicht immer angegeben - und das aus gutem Grund: "Einige Stellen sind nicht frei zugänglich, da darf man nur mit Genehmigung zu Forschungszwecken hin."

Viel Lob und begeisterte Reaktionen gab es schon bei der Ausstellungseröffnung, doch van de Weyer winkt bescheiden ab: "Wir arbeiten ja im Team, auch bei den Fotos." Die Aufnahmen für wissenschaftliche Analysen zu bearbeiten, sie entsprechend auszudrucken, daran seien auch andere beteiligt.

Und manchmal habe ihm der Zufall geholfen, etwa "bei Unterwasseraufnahmen von den Armleuchteralgen plötzlich Auge in Auge einem Wels zu begegnen, unserem größten Süßwasserfisch".

Quelle: RP
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